Das Känguru-Manifest von Marc-Uwe Kling

Buchvorstellungund Rezension

Das Känguru-Manifest von Marc-Uwe KlingDas Känguru-Manifest von Marc-Uwe Kling

Originalausgabe erschienen 2011 bei Ullstein.

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Ullstein, 2011.ISBN: 978-3-548-37383-6.302 Seiten.
    • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2011.Gesprochen von Marc-Uwe Kling.ISBN: 3869090758.4 CDs.

    'Das Känguru-Manifest' ist erschienen alsals HC nicht erhältlicherschienen als TBerschienen als CD

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    In Kürze:

    Sie sind wieder da – das kommunistische Känguru und der stoische Kleinkünstler! Auf der Jagd nach dem höchstverdächtigen Pinguin rasen sie durch die ganze Welt. Spektakuläre Enthüllungen! Skandale! Intrigen! Ein Mord, für den sich niemand interessiert! Eine Verschwörung auf niedrigster Ebene! Ein völlig abstruser Weltbeherrschungsplan! Mit Spaß, Spannung und Schnapspralinen.

    Das meint Belletristik-Couch.de: »Hüpfender Poetry-Slam«79

    Rezension von Myra Wehbrink

    Marc-Uwe, Künstler bzw. Kleinkünstler, lebt mit einem kommunistischen Känguru in einer Wohngemeinschaft in Berlin-Kreuzberg. Das Känguru plant Anti-Terror-Anschläge mit dem Asozialen Netzwerk, ist stolzer Hartz 4 Empfänger und steht total auf Nirvana. Aber das nur nebenbei.

    Zusammen schlagen sie dem Ministerium für Produktivität ein Schnippchen und streiten über die Frage: Bud Spencer oder Terence Hill?

    Einzig relevante Einteilung in der Postmoderne: Witzig oder Nicht-witzig

    Das Manifest ließt sich wie die Mitschrift eines Poetry-Slams. Jedes Kapitel eine neue Performance. Da Meins und Deins bürgerliche Kategorien sind, beurteilen Marc-Uwe und das Känguru sehr bald alles nur noch nach Witzig, zack Stempel drauf, oder Nicht-witzig, zack raus damit. Dem Buch hat man den Stempel witzig vorab schon mal verpasst. Meiner Meinung nach zu Recht.

    Das Ministerium für Produktivität

    Marc-Uwe schreibt mit unglaublich viel Wortwitz. Er spitzt die Wirklichkeit satirisch zu und ist verwirrend ironisch. Zusätzlich bekommt das Buch einen absurden Charakter dadurch, dass ein kommunistisches Känguru auf die Gesellschaft blickt und sich fragt:

    Was machen die ganzen Idioten da bloß?

    Es hält uns den Spiegel vor, einen kommunistisch geprägten Aktivisten-Spiegel. Globalisierung, technischer Fortschritt, Kapitalismus. Alles, was das 21.Jahrhundert charakterisiert, wird im Manifest, welches in der Zukunft spielt, noch auf die Spitze getrieben. Die Zukunftsgesellschaft gipfelt im Ministerium für Produktivität, welches mit Slogans auffährt wie: Arbeit ist Freizeit, Wachstum ist Fortschritt, Sicherheit ist Freiheit.

    Nur Stand-Up-Comedy?

    Die Geschichten der beiden WG-Bewohner sind vollkommen schräg, absurd und manchmal schwer zu verfolgen. Sie verstricken sich in Kämpfe mit Statuen auf dem Berliner Alexanderplatz, führen einen Kleinkrieg mit dem Pinguin, der nebenan wohnt, gründen das Asoziale Netzwerk, stehen für die Privatisierung der Bundeswehr ein und führen Gespräche, die mit Fußnoten aus Wikipedia belegt sind.

    Was macht diese Buch jedoch besser als einen Stand-Up-Comedy-Abend bei RTL? Ganz klar, seine Intelligenz. Es ist gespickt mit Zitaten, Anlehnungen, Diskussionsthemen und politischen Debatten. Schon der Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt, da hat sich jemand von den ganz Großen inspirieren lassen: Portrait des Kängurus als junges Känguru oder Dichtung und Wahrheit. Hinzu kommt ein Kapitel, das kafkaeske Züge trägt und sich mit bürokratischen Zwanghaftigkeiten beschäftigt. Sehr gelungen!

    All das wird vermischt mit den Werbeslogans von Biobrause, Produktplacement und einer Latte-Macchiato-trinkenden Cyborgmasse, die nur noch in Cafés abhängt, um an ihren Laptops Projekte zu planen. Gerade diese Verbindung zwischen literarischem Esprit und stumpf gewordenem Massenhype machen die Intelligenz und den Witz des Buches aus.

    In den Schatten gestellt wird das Buch jedoch vom Podcast, den Marc-Uwe selber liest. Die Geschichten der beiden von ihm vorgetragen und durch seine Interpretation noch verschärft, sind pointierter als das Buch und somit witziger.

    Folgt man dem Wikipedia-Eintrag »Satire«:

    »Die Satire bedient sich häufig der Übertreibung, kontrastiert Widersprüche und Wertvorstellungen in übertriebener Weise, verzerrt Sachverhalte, vergleicht sie spöttisch mit einem Idealzustand und gibt ihren Gegenstand der Lächerlichkeit preis«,

    dann ist Das Känguru-Manifest (ob gelesen oder gehört) eine ideale Satire verbunden mit dem Event-Charakter eines Poetry-Slams.

    Myra Wehbrink, Oktober 2011

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