Schnellübersicht der aktuellen Belletristik-Couch

Das Päckchen von Franz Hohler

Aktuelle Empfehlung: Das Päckchen

Ernst ist eigentlich ein nüchterner, wohlüberlegter Mann. Er arbeitet als Bibliothekar und führt ein geregeltes Leben zusammen mit seiner Lebenspartnerin Jacqueline in der Nähe Zürichs. Die beiden kommen sehr gut miteinander aus, respektieren sich und geben einander genügend Freiraum. Sie geht schwimmen, um in Form zu bleiben, er macht hin und wieder eine Bergtour und isst beim Frühstück nur noch Knäckebrot anstatt Brot, damit er nicht unnötig zunimmt. Der Ton zwischen beiden ist freundschaftlich und routiniert. Übertriebene Leidenschaften gibt es nicht in ihrer Beziehung, dafür sind beide zu vernünftig und auch zu alt. Bieder und vielleicht auch langweilig, könnte man sagen. Aber dann geschieht es, das Unerwartete, das Unwahrscheinliche bricht in das langsame Leben von Ernst ein und wirft es durcheinander.

Lieblingsbuch: Hamid Sulaiman. Freedom Hospital

Lieblingsbuch: Hamid Sulaiman. Freedom Hospital

In Schwarz und Weiß, in einfachen Bildern erzählt Hamid Sulaiman eine Geschichte über den syrischen Bürgerkrieg und unternimmt dabei den schwierigen Versuch, dem Leser die Realität der Geschehnisse in seinem Heimatland zu erklären und nachvollziehbar zu machen. Eine schwere Aufgabe mit vielen Hürden, denn der Alltag und das Grauen sind kaum zu vermitteln.

Weitere aktuelle Besprechungen auf der Belletristik-Couch:

In den Vereinigten Staaten von Afrika von Abdourahman A. Waberi

In den Vereinigten Staaten von Afrika (Abdourahman A. Waberi)

Bezahlt wird international mit der AfriCard, McDiop ist die weltweit etablierte Fastfood-Kette, und afrikanische Universitäten bilden die globale Elite aus. Herzlich willkommen in den Vereinigten Staaten von Afrika. Stopp, Moment, nicht so schnell – nicht alle sind herzlich willkommen. Von Claire Schmartz

Boston von Upton Sinclair

Boston (Upton Sinclair)

Upton Sinclair (1878-1968) war ein politischer Schriftsteller, der in seinen sozialkritischen Romanen Anliegen verfolgte, die er gut recherchiert vermittelte, in spannende und komplexe Geschichten eingebettet. Titel wie „Alkohol“, „Öl!“ und „Am Fließband“ deuten bereits den erzählerischen Schwerpunkt eines Romans an. Von Almut Oetjen

Bonsai von Alejandro Zambra

Bonsai (Alejandro Zambra)

Der Name ist Programm: Zambras Bonsai hat trotz des ohnehin kleinen Formates des Buches nur 90 Seiten. Und nicht nur die Seiten sind gestutzt, auch die Sprache ist bemessen. Denn wie bei der japanischen Baumkunst werden in dieser kurzen Erzählung die Grundsteine früh gelegt, wachsen in knappen, präzisen Sätze aneinander. Von Claire Schmartz

Gott ist nicht schüchtern von Olga Grjasnowa

Gott ist nicht schüchtern (Olga Grjasnowa)

Als die syrische Revolution ausbricht, feiert Amal ihre ersten Erfolge als Schauspielerin und träumt von kommendem Ruhm. Zwei Jahre später wird sie im Ozean treiben, weil das Frachtschiff, auf dem sie nach Europa geschmuggelt werden sollte, untergegangen ist. Sie wird ein Baby retten, das sie fortan ihr Eigen nennen wird. Hammoudi hat gerade sein Medizinstudium beendet und eine Stelle im besten Krankenhaus von Paris bekommen. Er fährt nach Damaskus, um die letzten Formalitäten zu erledigen. Noch weiß er nicht, dass er seine Verlobte Claire niemals wiedersehen wird. Dass er mit hundert Wildfremden auf einem winzigen Schlauchboot hocken und darauf hoffen wird, lebend auf Lesbos anzukommen. In Berlin werden sich Amal und Hammoudi wiederbegegnen: zwei Menschen, die alles verloren haben und nun von vorn anfangen müssen. Von Sebastian Riemann

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