Wildhonig

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Monika Wenger
701001

Belletristik-Couch Rezension vonJul 2024

Das Risiko, sich selbst zu werden.

Die Geschichte von Jodie Picoult und Jennifer Finney Boylan ist von Dualität geprägt. Es sind nicht nur zwei Autorinnen, die gemeinsam einen Roman geschrieben haben. In diesem Buch geht es auch um die Lebensgeschichte zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Zwei Lebenslinien, die sich kreuzen und zwei bewegende Schicksale.

Wer Zweifel sät

Olivia McAfee ist vor einiger Zeit mit ihrem Sohn Asher in ihr Elternhaus zurückgekehrt. Der Rückkehr in ihre Heimat war die Trennung von ihrem gewalttätigen Ehemann vorausgegangen. Nach dem Tod ihres Vaters hatte sie sich um dessen Bienen und Imkerei gekümmert. Nun hat sie sich damit eine Existenz aufgebaut. Inzwischen ist sie In ihrer Heimatstadt für ihre Imkereiprodukte bekannt und verkauft diese auf Wochenmärkten. Olivias Sohn Asher ist in der Abschlussklasse und plant, aufs College zu gehen. Da lernt er Lily Campanello kennen und verliebt sich in sie. Asher weiß aber nicht, dass Lily ein Geheimnis verbirgt. Ihr Verhalten ist manchmal widersprüchlich. Das macht den Beginn ihrer Liebesgeschichte schwierig. Und dann ist Lily tot. Nach einer ersten Befragung durch die Polizei wird Asher nach Hause geschickt, um kurz darauf verhaftet zu werden. Für Olivia steht die Welt Kopf. Mit allen Mitteln versucht sie, die Unschuld ihres Sohnes zu beweisen. Bis sie selbst zu zweifeln beginnt.

Viele Themen, wenig Ertrag

Der Roman der beiden Autorinnen beginnt mit der Geburt von Olivias Baby. Sie hatte sich ein Mädchen gewünscht, aber es wurde ein Junge, Asher. Dann wechselt die Zeitebene und Olivia erzählt von ihrer Imkerei. Von da an wird die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Olivia und Lily erzählt. Viele verschiedene und vielschichtige Themen werden angesprochen. Themen wie häusliche Gewalt, Diskriminierung, Transgender und mehr. Dabei springen die Autorinnen vor und zurück, erzählen nicht chronologisch. Dies wirkt verwirrend, da vor allem Lilys Geschichte rückwärts erzählt wird. Dennoch werden subtile Botschaften vermittelt, die zum Nachdenken anregen.

„Ich liebe sie, wie sie ist, und nicht wer sie war.“

Gut gemeint, aber die vielen Themen, die im Roman angesprochen werden, sind etwas zu viel des Guten. Vieles wird angerissen, aber nicht vertieft, so dass sich zuweilen eine gewisse Leere einstellt. Gerade weil die sozialkritischen Teile so wichtig sind, fällt es schwer, darüber hinwegzusehen. Die zum Teil ellenlangen Beschreibungen der Imkerei sind dagegen ermüdend, wenn auch im Grunde lehrreich. Auch die Rückblenden in die Vergangenheit von Olivia und Lily und ihr Weg in ihr neues Leben sind zu ausführlich. Hier haben sich die Autorinnen sehr verzettelt. Während man beim Lesen auf den Ausgang des Gerichtsverfahrens gespannt ist, springt die Geschichte immer wieder in die Vergangenheit zurück und unterbricht so den Spannungsbogen. Das ist auf Dauer frustrierend. Und dann ist man vom abrupten Ende überrascht.

Fazit

Eigentlich ein interessanter und auch wirklich spannender Roman, wären da nicht die langatmigen Passagen, die die Spannung im ungünstigsten Moment abfallen lassen. Außerdem haben sich die Autorinnen mit ihren vielen, wenn auch aktuellen und nicht unwichtigen Themen verzettelt. Abgesehen davon liest sich das Buch gut, erfordert aber etwas Ausdauer.

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