The Booksellers

Film-Kritik von Carola Krauße-Reim / Titel-Motiv: © mindjazz pictures

Einblick in die Welt der New Yorker Antiquariate und Sammlungen

The Booksellers dürfte wohl der erste und bisher einzige im Kino gezeigte Dokumentarfilm über Buchliebhaber, Händler und deren Läden sein. Die Premiere fand 2019 auf dem New York Filmfestival statt - genau der richtige Ort, denn im Mittelpunkt stehen die Buch-Antiquariate und Sammlungen dieser Mega-City. In 99 Minuten entführt Regisseur D.W. Young den Zuschauer in diese Welt der Individualisten, lässt zahlreiche von ihnen zu Wort kommen und blickt sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft der Läden für gebrauchte Bücher.

Die Branche kämpft ums Überleben

Viele der heute noch existierenden Antiquariate für Bücher in New York sind Familienunternehmen, die schon seit Generationen bestehen. Bevor das digitale Zeitalter auch in der Buchbranche Einzug hielt, suchten Bookscouts landesweit nach seltenen oder interessanten Büchern; Messen zogen Liebhaber an, und in New York gab es eine ganze Straße lang einen Buchshop neben dem nächsten. Das Internet lies die Preise für antiquarische Bücher ins Bodenlose fallen, und viele Geschäfte mussten aufgeben.

Zurzeit scheinen vor allem gutbetuchte Kunden die Branche am Leben zu erhalten, die entweder exotische Bücher abgöttisch lieben oder seltene Exemplare als Wertanlagen sehen. Der Blick in die Zukunft ist so auch unter den Händlern geteilt: Die einen sehen sie sehr pessimistisch und prophezeien dem Buch, als Artefakt zu enden, die anderen sehen die Lage optimistischer und hoffen auf die jüngeren Generationen von Lesern.

Hier sind Individualisten am Werk

Im Film werden einige der Händler und Sammler vorgestellt: Jim sammelt eigentlich alles, von der ausgestopften Möwe über Geldbeutel bis hin zu Büchern. Diese können einfach nur schön sein oder aber einen enormen Wert besitzen; finden kann man das Ganze in drei riesigen Lagerhallen. Henry sammelt nur Science Fiction, aber das vom Plakat bis zum Buch. Und dann gibt es noch die Sammlerin, die nur Literatur von Frauen für Frauen sammelt. Oder eine andere, die Gefallen an allem rund um den Hip-Hop gefunden hat. Sie sind genauso unverbesserliche Individualisten wie die Händler, die ihnen zu ihren guten Stücken verhelfen. Die immer noch von Männern dominierte Zunft wird so langsam durch die Weiblichkeit erobert. Im Film kommen alle zu Wort und jeder zeigt seine Sicht auf die Branche.

Man sollte Englisch verstehen können, sonst …

Man sollte (amerikanisches) Englisch gut verstehen können, denn der Film ist nicht synchronisiert; lediglich eingeblendete Untertitel sind auf Deutsch. Es wird sehr schnell gesprochen, ergo muss man sich beim eventuellen Lesen der Übersetzung ganz schön sputen. Das könnte zum Problem werden: Wenn man sich auf die eingeblendeten Texte konzentrieren muss, dürfte man vom eigentlichen Film kaum etwas mitbekommen - und das wäre sehr schade, denn es werden neben wunderbaren alten Fotos der Geschäfte und ihrer Inhaber auch die Gegenwärtigen gezeigt. Und die können sich sehen lassen – sowohl die Geschäfte als auch ihre Besitzer, denn die sind genauso einzigartig wie ihre Bücher. Von leicht snobistisch bis völlig weltfremd ist hier alles zu finden.

Leider setzt der Film die Kenntnis der New Yorker Buchszene voraus, denn kaum jemand wird mit Namen vorgestellt und wenn, dann nur mit Vornamen. Viele Personen dürften dem europäischen Publikum unbekannt sein. Der Film wurde wohl hauptsächlich für den amerikanischen Markt und für Kenner der Szene produziert. Dennoch ist es interessant, einen Einblick in diese Welt der Buch-Fetischisten zu erlangen, in der man sich scheinbar nur mit ausreichend gefüllter Kreditkarte bewegen kann. Denn tausende von Dollar für ein Buch oder für die notwendige Verstärkung der häuslichen Deckenkonstruktion wegen übermäßigem Gewicht der Buchregale auszugeben, ist nicht jedem möglich.

Fazit

The Booksellers entführt in die Welt der New Yorker Händler und Sammler antiquarischer Bücher. Doch nur wer wirklich Interesse an Büchern hat und zudem einigermaßen die englische Sprache versteht, dürfte Spaß an diesem Film haben. Denn er ist nicht synchronisiert, und um 99 Minuten lang Interesse an Informationen über den Buchmarkt zu halten, setzt es schon eine ausgedehnte Bibliophilie voraus. Doch wer das alles mitbringt, dürfte von diesem Film begeistert sein.

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Fotos: © mindjazz pictures

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