Das Mädchen im roten Kleid von Fiona McIntosh

Buchvorstellungund Rezension

 deutsche Ausgabe erstmals 2018.

Bibliographische Angaben

    • München: Blanvalet, 2018.Übersetzt von Theda Krom-Linke.ISBN: 978-3734105692.544 Seiten.

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    Das meint Belletristik-Couch.de:76

    Rezension von Monika Wenger

    Der erste Weltkrieg ist vorüber, es ist November 1918. In einem Militärspital in London liegt ein Soldat mit Gedächtnisverlust. Seine äusseren Verletzungen sind gut verheilt. Aber er kann sich nicht erinnern, wie und wo er verletzt worden ist. Eines Tages entschliesst sich Jonesy, wie er vom Pflegepersonal genannt wird, aus dem Hospital zu verschwinden und sich selber auf die Suche nach seiner Identität zu machen. Im Garten des Krankenhauses trifft er auf Eden Valentine. Die Tochter eines jüdischen Schneiders hat für ihren Vater Besorgungen im Hospital erledigt. Eden lässt sich von Jonesy überreden und hilft ihm, diesen Ort zu verlassen.

    Das Pflegepersonal des Militärhospitals Edmonton in London erklärt Jonesy, dass er im Schlaf noch einmal die Zeit in den Schützengräben verarbeitet. Daher rühren die Albträume und die Schweissausbrüche in der Nacht. Er kann sich jedoch nicht erinnern und versucht verzweifelt, die Traumfetzen festzuhalten, damit er endlich feststellen kann, wer er ist und woher er kommt. Das Pflegepersonal geht anhand seiner Verletzungen und den angelegten Verbänden davon aus, dass er längere Zeit in einem Feldlazarett gelegen haben muss. Wahrscheinlich in Flandern. Jonesy gelingt es mit Hilfe von Eden Valentine das Krankenhaus zu verlassen. Weit davon entfernt, selbständig zu sein, nehmen Eden und ihr Vater Jonesy bei sich auf. Mit kleinen Arbeiten und Botengänge soll er sich langsam wieder in die Welt eingliedern, verbunden mit der Hoffnung, dass die Erinnerungen mit dem Alltag zurückkehren werden.

    Eden und Jonesy verlieben sich und werden ein Paar. Eigentlich ist Eden dem jüdischen Anwalt Ben Levi bereits seit Kindertagen versprochen. Doch sie widersetzt sich der elterlichen Anordnung und heiratet Jonesy. Nach der Heirat nimmt er den Namen seiner Frau an und nennt sich fortan Tom Valentine. Er scheint der geborene Unternehmer zu sein und hat ein feines Gespür für Geschäfte. Innert kurzer Zeit organisiert er das Stofflager seines Schwiegervaters neu. Dieser hat eine grosse Menge Stoffballen vor dem Krieg einkaufen können, konnte sie dann aber wegen fehlendem Auftragseingang nicht verarbeiten. Tom gelingt es, die besten Stoffballen zu einem vorteilhaften Preis an die berühmten Schneider der Savile Row zu verkaufen und so seinem Schwiegervater wieder zu einer gewissen Liquidität zu verhelfen.

    Ausserdem denkt Tom sehr fortschrittlich. Er unterstützt seine Frau in ihren Unabhängigkeitsbemühungen und bestärkt sie in dem Wunsch ein eigenes Schneideratelier zu eröffnen. In dieser Zeit eher ungewöhnlich, da doch das Schneider-Handwerk fest in Männerhand ist.

    Trotz seines geschäftlichen Erfolges kämpft Tom noch immer gegen seine Panikattacken an und wünscht sich sehnlichst sein Erinnerungsvermögen zurück. Und dann stürzt er während einer Besorgung unglücklich auf der Strasse. Dieser Sturz bringt ihm sein Gedächtnis wieder – endlich. Doch nun weiss er nicht mehr, wo beziehungsweise wer er in der Zeit zwischen dem Ende des Krieges bis zu seinem Sturz war.

    Der Roman nimmt den Leser mit nach London im Jahr 1918. Die Nachwehen des ersten Weltkrieges sind noch überall spürbar. Erst ganz langsam kommt das Räderwerk der Gesellschaft und der Wirtschaft wieder in Gang. Überall sind die Entbehrungen und Einschränkungen noch spürbar. Die Standesunterschiede spielen trotz den widrigen Umständen in dieser Zeit eine grosse Rolle. Ebenso die Zugehörigkeit zu einer Religion. Und mitten in diese Aufbruchstimmung und diese gesellschaftlichen Strukturen setzt die Autorin die tragische Liebesgeschichte der Jüdin Eden und des Soldaten Jonesy.

    Die Autorin Fiona McIntosh stammt ursprünglich aus Brighton, England. Mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen lebt sie heute in der Nähe von Adelaide, im Süden Australiens.

    Monika Wenger, September 2018

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