Das unaufhaltsame Fließen von Christian Haller

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017 bei Luchterhand.

Bibliographische Angaben

  • München: Luchterhand, 2017.ISBN: 978-3630875576.256 Seiten.

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    Das meint Belletristik-Couch.de: Suchen und Schaffen. Ein autobiografischer Künstlerroman82

    Rezension von Sebastian Riemann

    Ein junger Mann sucht seinen Platz im Leben. Er fühlt sich oft unsicher, weißt nicht, wohin er seine Schritte lenken und welchen Vorbildern er folgen soll. Ihm fehlt Orientierung, aber auch der innere Antrieb. Er will sich gerne ins wilde Leben werfen und etwas erleben, weiß aber nicht, wie er es anstellen soll. Seine Zurückhaltung und seine permanenten Zweifel erschweren die Entscheidungen, die er treffen muss und von denen er sich Wandel erhofft. Kaum kommt ihm eine Idee, wie er endlich am Leben teilhaben kann, schon verfliegt die Euphorie des ersten Momentes und macht einer düsteren Grübelei Platz, die ihn wieder vom Miteinander seiner Umgebung entfernt. Meistens bleibt er mit seinen Gedanken allein, überlegt hin und her, ohne am Ende selbst zu handeln. Er, der junge Christian Haller, ist meistens ein Beobachter des eigenen Lebens, schaut lieber zu, anstatt selbst einzugreifen und die eigene Sicherheit zu riskieren.

    Christian Haller hat einen Künstlerroman geschrieben, über sein jüngeres Ich, seine Freundin Pippa, die Schauspielerin, und das Streben nach künstlerischer Entfaltung. Es ist ein Roman des Suchens und Schaffens in einer Welt voller Zweifel. Denn die Unsicherheit des jungen Schriftstellers Haller ist das zentrale Motiv, das sich durch das Buch zieht. Es ist eine doppelte Unsicherheit, die zum einen die literarische Produktion des Schriftstellers betrifft und zum anderen den Weg des jungen Mannes. Er weiß nicht wohin mit sich und weiß nicht, worüber er schreiben soll. Ihm fehlt das Material zum Schreiben, da ihm die Teilnahme am Leben fehlt. Er muss etwas erleben, um über etwas schreiben zu können. Jedoch sieht er sich als weißes Blatt, unbeschrieben und langweilig. So ringt er mit sich und den Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten. Seine Freundin Pippa ist ihm dabei die wichtigste Ansprechperson, da sie über jene Energie und Entschlossenheit verfügt, die ihm selbst fehlen, die er aber so gerne besitzen würde, um im Leben nicht zögerlich und unsicher voranzuschreiten. Pippa spielt am Theater und hat klare Vorstellungen von ihrer Arbeit. Erfolge und Rückschläge nimmt sie gleichermaßen an, kämpft sich durch die Hindernisse, die sich ihr bieten, und verfolgt ihre Ziele. Läuft es gut, bleibt sie mit beiden Füßen auf dem Boden und verliert sich nicht in wilden Fantasien. Sie ist stark und weiß, was sie will. Wenn Christian ihr gegenüber sitzt und mal wieder nicht weiter weiß, redet sie ihm ins Gewissen, versucht ihn von Zweifeln zu befreien und zum Handeln zu ermutigen. Immer wieder fordert sie ihn auf, sich auf das eigene Schreiben zu konzentrieren, aber der junge Haller überhört den Ratschlag und macht lieber andere Pläne.

    Da er unsicher in Bezug auf den eigenen Lebensentwurf und das eigene Schreiben ist, sucht er Halt im Werk eines verstorbenen Schriftstellers, den er zufällig entdeckt. Er will dessen Nachlass ordnen und vor unangebrachten Veränderungen durch die Witwe bewahren. Anstatt mit all seiner Kraft selbst zu schreiben, stürzt er sich in das Werk eines anderen und verweist das eigene Schaffen in die zweite Reihe. Pippa versucht ihn, von der Idee abzubringen, kann aber nicht mehr machen, als ihn zu ermahnen.

    Jahre später geschieht dann, was kaum noch zu erwarten war. Der junge Haller stürzt sich ins Leben und nimmt an gesellschaftlichen Veränderungen teil. Er wird zum Abteilungsleiter einer großen Stiftung ernannt, die sich mit den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft befasst. Er reist um die Welt, trifft sich mit allerhand Intellektuellen und Wissenschaftlern, organisiert große Kongresse und ist immer am Puls der Zeit. Er ist angekommen.

    Das unaufhaltsame Fließen ist der zweite Teil der Autobiografie Christian Hallers. Schon in Die verborgenen Ufer beschrieb er sein Leben. Nun knüpft er daran an und befasst sich mit dem jungen Schriftsteller, der seinen Weg suchte, auf Umwegen ins Leben und in die Turbulenzen der gesellschaftlichen Veränderungen fand, letztendlich zu dem Schriftsteller wurde, der er sein wollte. Es ist ein ehrliches Buch, in dem man dem Autor nahe kommt, sein Wesen und seine Beweggründe verstehen lernt. Man erkennt Christian Haller als Künstler, der nach Wegen sucht, um sich auszudrücken, der nach Erfolg und Anerkennung strebt, der immer wieder zweifelt, aber auch nicht aufgibt, sondern voranschreitet. Man teilt Freud und Leid mit ihm, versteht sein Zögern und Pippas Mahnungen.

    Sebastian Riemann, Dezember 2018

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