Meeresrand von Véronique Olmi

Buchvorstellung

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Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel Bord de mer, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Kunstmann.

Bibliographische Angaben

  • Arles: Actes Sud, 2001 unter dem Titel Bord de mer.ISBN: 2742732497.121 Seiten.
  • München: Kunstmann, 2002.Übersetzt von Renate Nentwig.ISBN: 3888973082.117 Seiten.
  • München: btb, 2004.Übersetzt von Renate Nentwig.ISBN: 3-442-73229-8.125 Seiten.
  • München: Kunstmann, 2006.Übersetzt von Renate Nentwig.ISBN: 978-3888974151.126 Seiten.

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In Kürze:

Eine Mutter bricht mit ihren beiden Söhnen zu einer Reise auf. Sie freuen sich, aber es ist ihnen auch unheimlich. Sie waren noch nie weg, und Ferien sind auch nicht. Aber die Mutter ist fest entschlossen: Ihre Kinder sollen das Meer sehen, wenigstens einmal. Da spielt es keine Rolle, wie verlassen und trostlos der kleine Küstenort ist und sie von ihrem Hotelzimmer auf eine Betonwand schauen, nicht auf den Strand. Diese Reise hat sie geplant, auch wenn sie sonst nie planen kann. Sie werden ans Meer gehen und abends auf die Kirmes. Die Kinder sollen es gut haben. Bis sie kein Geld mehr hat und auch der Mut sie verlässt. Denn es ist eine Reise ohne Wiederkehr, eine Reise in das Herz der Verzweiflung.

Ihre Meinung zu »Véronique Olmi: Meeresrand«

Sagota zu »Véronique Olmi: Meeresrand«07.09.2015
"Einmal sollen ihre Kinder das Meer sehen, das hat sie sich fest vorgenommen. Es ist ihre erste Reise, eine Reise in das Herz der Verzweiflung." (Quelle: Buchrückentext)
Das Cover dieses 2002 im Antje Kunstmann-Verlag erschienenen Buches zeigt eine Meeresküste bei ruhigem Wetter - der Inhalt jedoch ist eher bei Windstärke 9 im inneren Herzen der Verzweiflung anzutreffen - in "Aufruhr"... Es handelt sich um das Début der bekannten französischen Dramatikerin Véronique Olmi, die mit zahlreichen Preisen zwischenzeitlich ausgezeichnet wurde.

Meine Meinung:
Sprachlich hat mich der Roman nicht fesseln können oder angesprochen: Es ist fast eine "einfache Sprache", in der die Autorin stilistisch wandelt, die jedoch thematisch hierdurch auch mit einer faszinierenden Eindringlichkeit aufwartet...
Es handelt sich um die düstere Beschreibung einer Frau, die unter Angst und Panikattaken leidet und durch ihre psychische Erkrankung mit der Versorgung ihrer Söhne Kevin (5) und Stanley (9) überfordert ist. Sie fühlt sich außerhalb der Gesellschaft stehend, ist gezwungen, von Sozialhilfe zu leben und erhält öfters Besuch von Sozialarbeiterinnen. Einerseits möchte sie eine liebevolle Mutter sein - und so sein wie die anderen, andererseits schafft sie dies nicht, da die "dunklen Strudel" sie immer wieder in die Tiefe hinabziehen, wobei sie zuweilen den ganzen Tag nur im Bett verbringen kann und ihre Jungs sich selbst versorgen müssen....Der Größere übernimmt teilweise die Rolle der Mutter und gibt acht auf seinen kleinen Bruder. Die Mutter, die sonst nicht zu Planungen fähig ist, plant eine Reise und fährt mit den zwei Jungs in eine kleine Stadt am Meer, bei Nacht und Nebel, damit "niemand sie sieht". Der Text ist wie gesagt sehr einfach und deutlich gehalten und beschreibt die Gefühle der Mutter, wenn eine Panikattacke "anrollt" und sie sich kaum dagegen zur Wehr setzen kann: Die Welt erscheint lebensfeindlich und die - namentlich nicht genannte - Mutter nimmt an, dass ihr Schicksal auch das ihrer beiden Jungs werden wird: Hier liegt das Motiv für ihr Verhalten, denke ich: "Damit die Welt nicht nach ihnen (den Jungs) greift, besser gesagt die "Feindseligkeit" der Welt" und sie keine Kälte, Schamgefühle, auch Wut erleiden müssen, überlegt sie sich etwas anderes für die beiden - damit ihnen letzteres erspart bleiben wird....
Véronique Olmi ist als Dramatikerin in Frankreich eine hoch angesehene Autorin und in ihrem Début "Meeresrand" sehe ich die Verletzlichkeit des Menschen, aber auch die Erkrankung einer von Ängsten und Panikattaken gepeinigten Mutter sehr authentisch portraitiert: Da ihre Ängste und ihr "Anders sein" stärker sind als ihr Wille und ihre Fähigkeit, "zu sein wie die anderen", sieht sie für sich keine andere Möglichkeit, ihre Söhne vor der "Feindseligkeit der Welt" zu retten und das Familiendrama nimmt seinen Lauf.....

Fazit:
Ein sehr verstörender, dramatischer Roman, der viele Fragen nach dem "warum?" für mich aufwirft - und sie offen lässt: Ich hätte mir mehr Informationen über die Vorgeschichte der Mutter von Kevin und Stan gewünscht, da sie vermutlich der Schlüssel zum Verstehen dieses Dramas ist. Ein Versuch literarischer Annäherung an eine (verbreitete!) psychische Erkrankung: Ein erschütternder, nachdenklich stimmender, gesellschaftlich reflektierender, aber auch lesenswerter Roman!Ich vergebe 3 Sterne und 75° auf der Werteskala.
Ostia2001 zu »Véronique Olmi: Meeresrand«26.07.2014
Abstossend! Unerhört! Was soll das nur? Das sind meine ersten Gedanken nach dem Lesen des Buches gewesen. Da fährt eine offenbar vollkommen unorganisierte Person mit ihren Kindern in eine graue Stadt am Meer, sie übernachten in einer Kaschemme, am nächsten Tag zwingt sie die Kinder im Regen an den Strand, bekommt einen Nervenzusammenbruch im Spelunken-Foyer, pleite ist sie obendrein, unsicher und desorientiert - schlicht: sie nervt -und zum Schluss wird es überraschend richtig krass. Wow. Kein Motiv, gar nichts. Wow. Mit dem Buch war ich nach der Lektüre erstmal fertig. Losgelassen hat es mich dennoch nicht. Und es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mich gefragt habe, was eigentlich mit all den Nebenfiguren losgewesen ist. Der Leser nimmt die Welt im Buch ausschliesslich mit den Augen der Mutter wahr und so werden andere Figuren auch nur in Nebensätzen gestreift, in Erinnerungen und Gedanken der Mutter oder durch ihre Erfahrungen mit diesen Personen. Die Lieblingslehrerin der Kinder oder die Sozialamtsmitarbeiterin zum Beispiel. Oder all die Typen, die ihr in den letzten Tagen begegnen. Ist da wirklich niemand gewesen, der gesehen hat, dass diese unsichere, verwirrte, verheulte und bargeldlose Frau mit zwei unpassend gekleideten, kleinen Kindern Hilfe braucht? Bin ich nicht selber - als Leser - einfach nur genervt von der Hauptperson gewesen, habe mit Unverständnis reagiert und ein klar nachvollziehbares Motiv vermisst,anstatt zu begreifen, dass diese Frau psychisch krank ist und Hilfe braucht? Und hätte nicht vielleicht der Hotelportier noch am letzten Tag etwas verändern können, wenn er nur hingesehen hätte? Das Buch ist bestimmt einiges -für mich ist es eine krasse Erfahrung gewesen, ein Spiegel. Absolut empfehlenswert.
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