Schnellübersicht der aktuellen Belletristik-Couch

Die Geschichte der Baltimores von Joël Dicker

Belletristisches Buch des Monats September: Die Geschichte der Baltimores

Mit Die Geschichte der Baltimores hat Joël Dicker drei Jahre nach seinem hochgelobten Bestseller Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert einen weiteren Roman rund um den jungen Schriftsteller Marcus Goldman veröffentlicht. Wie auch in seinem ersten Werk lässt Dicker die Geschichte aus der Sicht seines Protagonisten erzählen, wie er bereits auf der ersten Seite mit den Worten "Ich bin der Schriftsteller. So nennen mich alle. Meine Freunde, meine Eltern, meine Familie, selbst mir unbekannte Menschen, wenn sie mich in der Öffentlichkeit sehen." deutlich werden lässt. Marcus ist der einzige Sohn der Goldmans. der Montclair-Goldmans, um genau zu sein. Denn es gibt da auch noch die Baltimore-Goldmans, die aus seinem erfolgreichen Onkel, seiner ebenso erfolgreichen Tante und ihrem hochbegabten Sohn Hillel bestehen. Aus der Familienkonstellation erwächst viel Spannung, die den jungen Marcus prägt.

Lieblingsbuch: Oben das Feuer, unten der Berg

Lieblingsbuch: Oben das Feuer, unten der Berg

Der Hauptkommissar sucht einen Serienmörder, der Frauen tötet und ihnen sämtliche Körperöffnungen zunäht. Schon seit langem ist er hinter ihm her, bekommt ihn aber nicht zu fassen. Hinter das Motiv kommt er nicht und auch sonst tut er sich schwer, eine Spur zu finden. Es fehlen dem Hauptkommissar schlichtweg die Anhaltspunkte, die ihm aus dem Dunkel, in dem er tappt, helfen können. Ein alter Mann erscheint dann plötzlich auf der Dienststelle und bringt die Wende in dem Fall. Er will seine Tochter beschützen, die das nächste Opfer sein wird, deshalb kommt er zur Polizei. Den Mörder kennt er auch. Ein Glücksfall für die Ermittler, die erst nicht recht glauben können, was ihnen der alte Mann erzählt, und dann noch ungläubiger schauen, da er tot vom Stuhl fällt, bevor er ihnen alles erzählen kann. Die Tochter trägt den Namen Theresa und hat einen Bruder, der von ihr getrennt aufwuchs.

Graphic Novel: Madgermanes

Graphic Novel: Madgermanes

Drei Gastarbeiter wurden unter vielerlei Versprechungen in die Deutsche Demokratische Republik gelockt. Man würde sie dort ausbilden, ihnen nützliches Fachwissen geben, das sie zu qualifizierten Arbeitern machen würde. So wurde es ihnen in ihrer Heimat Mosambik erzählt und die drei waren begeistert von der Idee, sagten zu, wie es tausende Landsleute taten. Doch die Realität im Realsozialismus war ernüchternd für die jungen Leute, die nur wenige Vorstellungen erfüllt aber viele Hoffnungen enttäuscht fanden. Die Arbeit war anders als versprochen und auch fehlte es an Herzlichkeit im sozialistischen Bruderland. Hinzu kamen die ungemein kalten Winter. Doch daheim war es nicht besser, es tobten Kämpfe und die Menschen waren sich ihrer Leben nicht sicher. Die drei Gastarbeiter waren hin und her gerissen, fühlten sich fremd und unwohl, wollten aber nicht zurückkehren.

Weitere aktuelle Besprechungen im September auf der Belletristik-Couch:

Du sagst es von Connie Palmen

Du sagst es (Connie Palmen)

Die Begegnung von Sylvia und Ted ist der Beginn einer Amour fou wie sie beispielhafter nicht sein könnte. Die beiden sind sofort in Bann gezogen, werfen alle Konventionen über Bord und stürzen sich eine Beziehung, die die Beiden an den Rand ihrer Kräfte treiben sollte. Was Ted zunächst nicht ahnte, später nicht richtig einordnete und schließlich mit brutaler Konsequenz erleben musste: Sylvias Todessehnsucht, die sich bereits in verschiedenen Suizidversuchen niedergeschlagen hatte, bevor sie Ted kennen lernte, sollte sich bald als übermächtig erweisen. Zurück bleibt der fassungslose Ehemann, der sich einer unglaublichen Schuldzuweisung gegenüber sieht. Warum konnte er Sylvia nicht davon abbringen, sich ebenso selbstverständlich, wie sie sich im Leben alles genommen hatte, den Tod auszuwählen? Ted versucht, sich nach dem Tod seiner Frau neu zu finden. Von Rita Dell'Agnese

Boy von Wytske Versteeg

Boy (Wytske Versteeg)

Versteeg setzt sich mit dem Schlimmsten auseinander, das Eltern zustossen kann: dem Tod ihres Kindes. Mit einer sehr klaren und ohne viele Beschreibungen auskommenden Stimme schildert sie die Hilflosigkeit und die Ohnmacht einer Mutter, die ihren Sohn verloren hat, ohne zu wissen, was genau passiert ist. Die Trauer. Die brennende Ungewissheit, die vom konstanten Hinterfragen der eigenen Schuld und Verantwortung durchwoben wird. Die Mutter liebte ihren Sohn und wollte das Beste für Boy, wollte ihn dazu anspornen erfolgreich zu sein: es geht ja schliesslich um seine Zukunft. Doch das verhinderte nicht, ja war vielleicht einer der Auslöser dafür, dass die beiden sich entfremdeten: In seiner Pubertät verschloss sich Boy, wurde ungelenker. Von Claire Schmartz

Die schönen Fremden von Mircea Cartarescu

Die schönen Fremden (Mircea Cartarescu)

Mircea Cartarescu ist ein rumänischer Schriftsteller und schreibt darüber, was es heißt, ein rumänischer Schriftsteller zu sein. Über Skurriles und Bemerkenswertes weiß er dabei zu berichten im Ausland und daheim in Rumänien. Dem Leser wird ganz Unterschiedliches geboten, alles jedoch mit viel Schwung und ohne Schwierigkeiten geschrieben – d.h. so gut geschrieben, dass man meint, es wäre ohne Schwierigkeiten geschrieben. Gemeinsam ist den drei Geschichten das Leid des Ich-Erzählers, der manchmal unter seiner eigenen Vorstellungskraft, manchmal unter den unmöglichen Bedingungen zu leiden hat. Staunen und lachen kann man da und will immer weiter lesen. Mit vielen Drehungen und Wendungen weiß der Autor sein Publikum zu unterhalten. Das Abschweifen wird bei ihm zur Kunst und zum essentiellen Bestandteil des Schreibens. Von Sebastian Riemann

Mein Name ist Leon von Kit de Waal

Mein Name ist Leon (Kit de Waal)

Wenn Kinder nicht mehr bei ihren Eltern leben können und aus ihrer eigenen Familie herausgenommen werden müssen, liegt meist eine lange und traurige Geschichte hinter ihnen. Vernachlässigung, Misshandlung oder Überforderung machen es jedoch bisweilen erforderlich, diesen Schritt zu gehen um ihnen anderswo ein besseres Leben zu ermöglichen. Auch wenn dies objektiv betrachtet die beste Lösung ist, den Kindern danach ein Stück mehr Normalität und Sicherheit geboten werden soll, ist das subjektive Empfinden der Kinder nicht selten anders. Genau so ergeht es Leon, dessen Mutter schon mit sich allein überfordert ist und sich nicht um Leon und seinen kleinen Bruder Jake kümmern kann... Von Kathrin Plett

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