Schnellübersicht der aktuellen Belletristik-Couch

Die stillen Trabanten von Clemens Meyer

Aktuelle Empfehlung: Die stillen Trabanten

Ohne Fanfaren und Goldstaub. Clemens Meyer braucht keine marktschreierischen Effekte, sein Geschick und seine Ruhe im Umgang mit Emotionen machen aus Erzählungen über Randfiguren unserer Gesellschaft eine Schatztruhe, die schwer wiegt und dabei nur wenig Glanz verbreitet. Seine Figuren sind Vergessene und Übersehene, auf die sonst kein Rampenlicht, sondern nur das schwache Licht einer Straßenlaterne aus alter Zeit fällt. Unsicher gehen sie ihres Weges, zweifeln wohl an den Versprechungen der Zukunft und schauen vorsichtig hinter sich, bevor sie ebenso vorsichtig einen weiteren Schritt voran wagen. Ungewöhnlich authentisch und echt werden sie dadurch.

Lieblingsbuch: Adolph Menzel. Auf der Suche nach der Wirklichkeit

Lieblingsbuch: Adolph Menzel. Auf der Suche nach der Wirklichkeit

Denkt man an Friedrich den Großen, denkt man an den Feldherren, den preußischen Staatsmann, den aufgeklärten Monarchen, der Philosophen und Künstler zu seiner Tafelrunde einlud, man denkt an den Verfasser des Anti-Machiavelli, der selbst zum Unterdrücker wurde, man denkt auch an den Verfasser verschiedener Flötenkonzerte. Eine schillernde, vielfältige, mitunter widersprüchliche Persönlichkeit, die auch heute noch viele Menschen in ihren Bann schlägt. Nicht nur aufgrund der Geschichten um seine Person und seine Taten ist Friedrich der Große heute eine wichtige Figur der preußischen und deutschen Geschichte, sondern auch aufgrund der Bilder, die von seiner Vielfältigkeit zeugen. Er ist noch immer präsent, man kann ihn noch immer bewundern, weil er uns auf großen und kleinen Bildern in äußerst lebhafter Form dargebracht wird. Dieses Verdienst gebührt Adolph Menzel, dem großen realistischen Maler, dessen Werke unsere Ideen von Friedrich dem Großen und vom 19. Jahrhundert maßgeblich prägen.

Weitere aktuelle Besprechungen auf der Belletristik-Couch:

Niagara Motel von Ashley Little

Niagara Motel (Ashley Little)

Sie kam aus Mariupol erzählt an sich die Geschichte der Mutter, die sich 1956, vom Leben zermürbt, dem Tod in der Regnitz überlässt. Vorausgegangen sind bittere Jahre der Deportation aus der Ukraine, der Zwangsarbeit in Leipzig und des Lebens in einem Ghetto, unerwünschte Überbleibsel eines Krieges, vor dem man endlich die Augen verschließen möchte und dessen Gräuel sich nach den bitteren Jahren niemand mehr stellen mag. Die beiden in der Wohnung zurückgelassenen Töchter, zu diesem Zeitpunkt 10 und 4 Jahre alt, verlieren nach und nach die Erinnerung an die gebrochene Frau, die Unerwünschte in einem fremden Land, von ihrem Mann verlassen, der sich als Sänger fernab der Familie eine neue Existenz sucht. Dennoch mag die ältere der beiden Mädchen, Natascha nicht aufgeben. Sie sucht nach dem Hintergrund ihrer Mutter, zunächst nur oberflächlich, dann immer beharrlicher. Von Kathrin Plett

Hagard von Lukas Bärfuss

Hagard (Lukas Bärfuss)

Sie kam aus Mariupol erzählt an sich die Geschichte der Mutter, die sich 1956, vom Leben zermürbt, dem Tod in der Regnitz überlässt. Vorausgegangen sind bittere Jahre der Deportation aus der Ukraine, der Zwangsarbeit in Leipzig und des Lebens in einem Ghetto, unerwünschte Überbleibsel eines Krieges, vor dem man endlich die Augen verschließen möchte und dessen Gräuel sich nach den bitteren Jahren niemand mehr stellen mag. Die beiden in der Wohnung zurückgelassenen Töchter, zu diesem Zeitpunkt 10 und 4 Jahre alt, verlieren nach und nach die Erinnerung an die gebrochene Frau, die Unerwünschte in einem fremden Land, von ihrem Mann verlassen, der sich als Sänger fernab der Familie eine neue Existenz sucht. Dennoch mag die ältere der beiden Mädchen, Natascha nicht aufgeben. Sie sucht nach dem Hintergrund ihrer Mutter, zunächst nur oberflächlich, dann immer beharrlicher. Von Sebastian Riemann

Sie kam aus Mariupol von Natascha Wodin

Sie kam aus Mariupol (Natascha Wodin)

Sie kam aus Mariupol erzählt an sich die Geschichte der Mutter, die sich 1956, vom Leben zermürbt, dem Tod in der Regnitz überlässt. Vorausgegangen sind bittere Jahre der Deportation aus der Ukraine, der Zwangsarbeit in Leipzig und des Lebens in einem Ghetto, unerwünschte Überbleibsel eines Krieges, vor dem man endlich die Augen verschließen möchte und dessen Gräuel sich nach den bitteren Jahren niemand mehr stellen mag. Die beiden in der Wohnung zurückgelassenen Töchter, zu diesem Zeitpunkt 10 und 4 Jahre alt, verlieren nach und nach die Erinnerung an die gebrochene Frau, die Unerwünschte in einem fremden Land, von ihrem Mann verlassen, der sich als Sänger fernab der Familie eine neue Existenz sucht. Dennoch mag die ältere der beiden Mädchen, Natascha nicht aufgeben. Sie sucht nach dem Hintergrund ihrer Mutter, zunächst nur oberflächlich, dann immer beharrlicher. Von Rita Dell'Agnese

Kompass von Mathias Enard

Kompass (Mathias Enard)

Franz und Sarah sind Orientalisten, er kommt aus Wien, sie aus Paris. Bei gemeinsamen Forschungsaktivitäten lernen sie sich kennen und Franz verliebt sich in Sarah. Die lebensfrohe und offene Art von Sarah tut es ihm an, sie wird zu einem Engel für ihn. Wenn im Hintergrund die Sonne untergeht, erstrahlt ihr Gesicht in goldenem Glanz, wird eingerahmt wie ein Gemälde Leonardo da Vincis. Ein Zauber geht von ihrer Schönheit, aber auch von ihrem vitalen Wesen aus. Sarah hat ein unstillbares Interesse an ihrem Forschungsgegenstand, sie ist Forscherin mit Leib und Seele, kann nie genug sehen und lesen. Sie reist, um zu forschen, ihre Freizeit verbringt sie in Museen und Ausstellungen. Ihre wissenschaftlichen Veröffentlichungen sind immer ungewöhnlich und höchst interessant, Franz ist jedes Mal fasziniert, wenn er einen von ihnen liest und natürlich liest er alle Artikel von Sarah. Von Sebastian Riemann

Vom Ende der Einsamkeit von Benedict Wells

Vom Ende der Einsamkeit (Benedict Wells)

Eine ganz normale Familie aus München: Vater, Mutter, drei Kinder. Bis zu jenem schrecklichen Tag, an dem ein Autounfall die drei Jugendlichen Jules, Marty und Liz zu Waisen macht. Die Geschwister müssen in ein Internat übersiedeln, wo sie – in unterschiedlichen Gruppen untergebracht – ihre Schulzeit fertig machen wollen. Für alle drei ist dies ein tiefgreifender Einschnitt in ihr Leben. Sie vermissen den familiären Zusammenhalt und rebellieren alle auf ihre eigene Weise gegen die neue Situation. Der bis dahin draufgängerische Jules – zieht sich in sich selber zurück und verschließt sich langsam. Marty, schon immer der "Intellektuelle" der Familie, wird zum Streber, der sich gegen seine Geschwister abgrenzt. Und Liz, bis dahin besonders von Jules behütet, befindet sich in freiem Fall. Von Rita Dell´Agnese

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