Schnellübersicht der aktuellen Belletristik-Couch

Neringa oder Die andere Art der Heimkehr von Stefan Moster

Belletristisches Buch des Monats Juni: Neringa oder Die andere Art der Heimkehr

Großvater Jakob war Pflasterer, er legte in seiner Heimatstadt in der deutschen Provinz hölzernes Pflaster aus. Ein solider Mann, bodenständig, tüchtig und gewissenhaft bei der Arbeit, manchmal jedoch das Opfer von Wut. Einmal versuchte er seine Frau zu töten. Nicht geplant, nicht berechnend, sondern im Affekt, weil sie ihm furchtbar auf die Nerven ging, so dass er einen Schornstein nach ihr warf. Kurzschlusshandlung. Aber eigentlich war Opa Jakob ein ruhiger und geselliger Mann, so zumindest wird er in Erzählungen dargestellt und so erinnert sich der Protagonist des Romans an den alten Pflasterer. Ein durchaus liebenswerter Mann.

Lieblingsbuch: Radetzkymarsch (Joseph Roth)

Lieblingsbuch: Radetzkymarsch (Joseph Roth)

Die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn war die Heimat des Schriftstellers Joseph Roth und in ihr siedelte er große Teile seiner Literatur an. Der Radetzkymarsch ist dabei kein beliebiges Beispiel für diesen Heimatbezug, er ist der große, der einzig wahre Nachruf auf das Reich, in dem Roth aufwuchs und arbeitete, und das er zugrunde gehen sah. Kein anderes Werk widmete er so ausdrücklich dem Untergang und dem Verschwinden der Doppelmonarchie.

Graphic Novel: Votes for Women - Der Marsch der Suffragetten (Mary M. Talbot, Bryan Talbot & Kate Charlesworth)

Graphic Novel: Votes for Women - Der Marsch der Suffragetten (Mary M. Talbot, Bryan Talbot & Kate Charlesworth)

In Votes for Women wird die Geschichte von Sally Heathcote erzählt, die als junges Dienstmädchen in das Haus von Emmeline Pankhurst kommt. Zwar hat sie sich zuvor nie viel für Politik interessiert, doch verfolgt sie die Aktivitäten im Haus ihrer Herrin mit großer Neugier. Mit dem Wahlspruch Votes for Women versucht die Gruppierung den Frauen Englands mehr Freiheit und das Wahlrecht zu erstreiten. Schließlich schließt sich auch Sally den Suffragetten an, wie die Aktivistinnen genannt werden. Demonstrationen, Schlägereien und Inhaftierungen gehören zum Alltag, doch der Einsatz der Frauen zeigt keinen Erfolg, die Regierung bleibt bei ihrer konservativen Linie. Die Frauen erkennen, dass sie radikalere Mittel anwenden müssen, um an ihr Ziel zu gelangen...

Weitere aktuelle Besprechungen im Juni auf der Belletristik-Couch:

Krähengekrächz von Monika Maron

Krähengekrächz (Monika Maron)

Es gibt so endlose wie nutzlose Diskussionen über die Schädlichkeit und die Nützlichkeit von Krähenvögeln, darüber, ob sie gesellschaftlich oder bezogen auf die Landwirtschaft allein einen positiven Wert haben, wie viele als Schädlinge definierte Tiere sie fressen, die auf Getreidefeldern, Rasenflächen und Bäumen plündernd umherziehen. Es wurden Statistiken erstellt, zu welchen Tageszeiten Rabenvögel Sommer- und Wintergetreidefelder pickend oder grabend heimsuchen. Aus anderen Untersuchungen weiß man, dass Krähenvögel gerne Walnüsse essen. Die Schriftstellerin Monika Maron macht sich diese Vorliebe der Vögel zunutze. Sie hat einmal gesagt, sie könne die Welt manchmal besser verstehen, wenn sie sie durch Tiere sehe. Von Almut Oetjen

Winterdreieck von Julia Deck

Winterdreieck (Julia Deck)

Wenn das Leben gerade einmal nicht so läuft, einem der eigene Job nicht mehr gefällt oder man einfach keine Lust mehr darauf hat, täglich aufzustehen, sich bei der Arbeit abzumühen um doch nur die irgendwann gemachten Schulden abzuzahlen, wäre es nicht schlecht, die alte Identität abzulegen und in eine neue zu schlüpfen. Einfach einen neuen Namen annehmen und fortan ein schöneres, angenehmeres Leben führen und keine Sorgen mehr haben. Echt schade, dass dies in Wirklichkeit nicht möglich ist. Oder etwa doch? Von Kathrin Plett

Unsühnbar von Marie von Ebner-Eschenbach

Unsühnbar (Marie von Ebner-Eschenbach)

Maria Comtesse Wolfsberg ist verliebt in den Frauenhelden Felix Tessin, den ihr Vater jedoch ablehnt. Er möchte, dass sie den Grafen Hermann Dornach heiratet. Maria folgt dem Wunsch ihres Vaters, entspricht damit auch den Wiener Aristokratieregeln. Graf Dornach ist keiner der unangenehmen männlichen Zeitgenossen, die seine Welt bevölkern, er liebt seine Frau, die sich ihrem vom Vater vorbereiteten Schicksal ergibt, im Wohlstand lebt und Mutter wird. Als Maria Tessin wieder begegnet, lässt sie sich von diesem weniger zum Sex verführen als nötigen und wird schwanger. Von Almut Oetjen

Eine Therapie für Aristoteles von Melanie Sumner

Eine Therapie für Aristoteles (Melanie Sumner)

Aristoteles Thibodeau, genannt Aris, ist zwölfeinhalb Jahre alt und anders, als es der Name vermuten lässt, kein Junge. Da Schreiben ihre große Leidenschaft und sie der Auffassung ist, in diesem Bereich besonders viel Talent zu haben, beschließt sie, auch als Therapie für sich, einen Roman zu verfassen. Eine Therapie ist ihrer Meinung nach notwendig, da sie seit dem Tod ihres Vaters in einer eher mäßig interessanten Kleinstadt festsitzt, wo sie sich um das komplizierte Liebesleben ihrer Mutter kümmern muss. Nicht zu vergessen ihr Job als Koerzieherin ihres kleinen Bruders Max, für dessen Therapie schon das gesamte Geld der Familie draufgeht, sodass für sie nichts mehr übrig bleibt. Außerdem ist da noch ihr eigene Liebesbeziehung, um die es seit dem Umzug ihres Freundes nicht zum Besten steht. Von Kathrin Plett

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