Schnellübersicht der aktuellen Belletristik-Couch

Nussschale von Ian McEwan

Belletristisches Buch des Monats April: Nussschale

Das Kind ist nicht von schlechten Eltern und doch sind seine Eltern schlecht, sehr schlecht sogar. Sie lieben ihn nicht, kümmern sich nicht um ihn. Am liebsten würden sie auf ihn verzichten. Der Kleine reift im Bauch seiner Mutter heran, wächst und gedeiht. Er entwickelt sich prächtig. Nur seine Eltern interessiert das nicht. Meistens bemerken sie ihn nicht, da sie zu sehr mit den eigenen Angelegenheiten beschäftigt sind und überhaupt wenig übrig haben für die Idee der Familie. Mutter und Vater leben getrennt, doch das ist nur der Anfang des Problems. Während der heranwachsende Sohn an Größe gewinnt, denkt der Vater nur an seine Gedichte und seinen Verlag für junge Poeten, die Mutter wird zur Mörderin und will meistens die trüben Gedanken in frischen, leichten Weinen ertränken.

Interview mit Christopher Ecker

Interview mit Christopher Ecker

Ein willenloser Protagonist, mit dem man sich schwer tut und dessen Welt man nicht leicht durchschaut. Christopher Ecker spricht im Interview mit Sebastian Riemann über sein neues Buch, dessen Herausforderungen und düsteren Tiefen.

Weitere aktuelle Besprechungen im April auf der Belletristik-Couch:

Die Manns - Geschichte einer Familie von Tilmann Lahme

Die Manns - Geschichte einer Familie (Tilmann Lahme)

Wer war Thomas Mann? Zweifellos einer der größten Literaten des deutschsprachigen Raums. Aber auch ein Mann, der es verstand, seinen Namen zu verkaufen, seine Berühmtheit zu nutzen, um reiche Freunde zu großzügigen Zuwendungen zu veranlassen. Thomas Mann war nicht zuletzt Familienvater, der seine Gunst höchst einseitig an die Kinder verteilte. Die vielen Facetten des Literaten in eine Biographie zu verpacken, die sich liest wie ein vielschichtiger Roman, ist keine leichte Aufgabe. Mann-Kenner Tilmann Lahme hat sich dieser Sache gestellt, und sie mit Bravour gelöst. Von Rita Dell´Agnese

Im Schatten das Licht von Jojo Moyes

Im Schatten das Licht (Jojo Moyes)

Einst hat Henri seine Karriere als hoffnungsvoller Dressurreiter beim Cadre Noir an den Nagel gehängt, um seiner großen Liebe nach England zu folgen. Nun lebt er mit seiner Enkelin alleine in einer bescheidenen Wohnung, seine Frau und seine Tochter sind bereits tot. Weil Sarah spürt, dass der alte Mann sich nichts sehnlicher wünscht, als zu erleben, dass seine Enkelin den gemeinsamen Traum nun verwirklicht, setzt sie alles auf eine Karte. Unter Henris Anleitung bildet sie ihren Hengst Boo aus. Er soll ihr Ticket ins Cadre Noir werden. Da trifft sie ein harter Schlag: Henri wird nach einem Schlagfanfall ins Krankenhaus eingeliefert. Von Rita Dell´Agnese

Der Bahnhof von Plön von Christopher Ecker

Der Bahnhof von Plön (Christopher Ecker)

Willenlos schleppt er sich durch die Stadt, um seinen neuen Auftrag anzunehmen. Treffpunkt und Uhrzeit wurden am Telefon geklärt. Ein japanisches Restaurant. Er darf sich gern etwas zu essen bestellen oder ein alkoholfreies Getränk. Lieber keinen Alkohol, er hat die Neigung, sich ohne Sinn und Maß zu betrinken, ganze Tage, ganze Wochen lang. Am liebsten wäre er auch zuhause geblieben, im Bett mit einer oder zwei Flaschen, dazu eine Packung Zigaretten. Aber der Anruf zwang ihn, sich aufzumachen, sich ins East Village zu begeben. Wenn das Telefon klingelt, hat er keine andere Wahl. Ein Auftrag ist ein Auftrag. Von Sebastian Riemann

Es waren Habichte in der Luft von Siegfried Lenz

Es waren Habichte in der Luft (Siegfried Lenz)

Nach dem Ersten Weltkrieg, während des finnischen Bürgerkriegs (1918), haben Kommunisten in Finnland die Macht übernommen und führen Säuberungsaktionen durch. Schüler denunzieren Lehrer; die werden verhaftet, ihnen wird vorgeworfen, "abgestandene, gefährliche Dinge zu lehren". Der Russe und Lehrer Stenka, der seit vierzehn Jahren in Finnland lebt, flieht aus dem Gefängnis in Kalaa vor den Bolschewisten ins finnisch-russische Grenzgebiet nach Karelien. Er gibt an, in der Verwaltung eines Sägewerks gearbeitet zu haben und findet Unterschlupf sowie einen schlecht bezahlten Job im Geschäft des Blumenhändlers Leo. Er teilt sich eine Kammer mit Erkki. Die linientreue Manja, Erkkis Verlobte, arbeitet beim Bürgermeister und versucht Erkki zum Verrat Stenkas zu überreden. Von Almut Oetjen

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