Weitere aktuelle Besprechungen im Juli auf der Belletristik-Couch:
Der Abend beginnt wie eine miese Stand-Up-Comedy-Show, mit flachen Witzen über Blondinen, Netanja, Sprüchen ins Publikum und zur Frau an Tisch sieben. Doch schon von Anfang an fädeln sich Misstöne ein, Witze, die etwas zu scharf und zu persönlich sind, die etwas zu böse und zu verletzend sind - doch noch lachen alle. Die Witze sind grob. Doch manchmal blitzt eine erstaunliche Weichheit durch, die später dafür sorgen wird, dass die Ausrichtung des Abends sich radikal ändert. Sobald es um seine Eltern geht, und zu denen kehrt er inmer wieder zurück, wird Dovele ernst. Von Claire Schmartz
Der Ruf des merkwürdigen Fallenstellers beginnt sich zu verbreiten in dem Dorf, in dem sich jede Neuigkeit schnell verbreitet. Er mietet sich in einer Wohnung ein und wird für einige Zeit zum extraordinären Bestandteil des Dorflebens, welches er mit seinen Fallen und Fallenfallen bereichert. Die Aufmerksamkeit steigt, schnell finden sich Anhänger des Fremden. Und alles beginnt und endet mit Literatur, ist ein verspielter Kommentar zum Literaturbetrieb, zur Literatour und den Literatten. Solcherart sind die Erzählungen, die Sasa Stanisic im vorliegenden Band versammelt, sie sind verspielt und raffiniert, gucken um die Ecke und manchmal zieht der Hase den Magier aus dem Zylinder. Oder es kommt erst gar nicht zur Vorführung der Zauberkünste, weil der dort vorne auf der Bühne zu verlegen und schüchtern ist, die im Publikum sich nicht für ihn interessieren. Von Sebastian Riemann
Sie ist fünfzehn, als der Tod sie mitnimmt, denn sie ist zu größerem bestimmt. Sie ist mehr als ein einfaches Mädchen, das zur Schule geht und sich mit Freunden trifft. Sie ist die Zeit. Ihr Leben in Winter ist nun vorbei, ihre Zukunft ist die Erde, auf der es zu diesem Zeitpunkt noch keine richtige Zeit gibt. Sie erwacht dort in einem Menschenkörper, lernt die Menschen und ihre Gewohnheiten kennen, die sie mit ihrer Unsterblichkeit jedoch alle überlebt, für die sie nicht zu fassen ist. Zusammen mit Kevin, dem Raum, David, der Beständigkeit und Shay, dem Abgrund, die wie sie aus Winter auf die Welt gekommen sind und ihr den Rahmen geben, denkt sie über das Leben und die Menschen nach. Von Kathrin Plett
Da die Geschichte irgendwo beginnen muss, wie Winterson schreibt, beginnt sie damit, dass der Barpianist Shep und sein Sohn Clo in einer heiß-schwülen Nacht in New Orleans Zeugen eines brutalen Mordes werden und in einer Babyklappe ein Mädchen und einen Aktenkoffer mit Unterlagen, 500.000 $ Bargeld, Schmuck, Diamanten sowie ein Notenblatt mit dem Namen Perdita finden. Shep nimmt alles mit und adoptiert das Baby auf unkonventionelle Weise. Nach Jahren verlieben sich Xenos Sohn Zel und Perdita ineinander. Sie machen sich daran, das Rätsel der Herkunft Perditas zu lösen. Von Almut Oetjen
Außerdem neu rezensiert im Juli:
- Australien & Neuseeland
- Deutschland
- Osteuropa
- USA & Kanada