Und jetzt lass uns tanzen von Karine Lambert

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016 unter dem Titel Eh bien, dansons maintenant!, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Diana.

Bibliographische Angaben

  • Paris: Éditions Jean-Claude Lattès, 2016 unter dem Titel Eh bien, dansons maintenant!.224 Seiten.
  • München: Diana, 2017.Übersetzt von Pauline Kurbasik.ISBN: 978-3-453-29191-1.224 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: RandomHouse Audio, 2017.Gesprochen von Iris Berben.ungekürzte Ausgabe.4 CDs.

'Und jetzt lass uns tanzen' ist erschienen alserschienen als HCals TB nicht erhältlicherschienen als CDerschienen als eBook

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In Kürze:

Beinahe wären sie einander nie begegnet: Marcel, der den Sternenhimmel liebt, und Marguerite, die nur dem Tag Schönheit abgewinnen kann. Er, für den nur die Freiheit zählt, und sie, die ausnahmslos allen Regeln folgt. Doch dann verlieren beide ihre langjährigen Ehepartner. An diesem Wendepunkt in ihrem Leben treffen Marguerite und Marcel aufeinander und stellen überrascht fest, dass sie über die gleichen Dinge lachen. Wagen sie es auch, noch einmal zu lieben?

Das meint Belletristik-Couch.de: »Von Maguy zu Marguerite: Die Entdeckung der wahren Liebe«80

Rezension von Kathrin Plett

Am Anfang ist es die große Liebe, doch nach einigen Jahren ist irgendwie die Luft raus. Die Beziehung bietet nichts neues mehr, man lebt sich auseinander, das Interesse füreinander sinkt und die anfänglichen Aufmerksamkeiten lassen nach. Oft folgt dann die Trennung. Doch was ist, wenn die Ehe von Beginn an nicht mehr wie eine eingegangene Verbindung war, jeder seine Aufgabe hat und dies über all die Jahre konstant bleibt? Ein konkreter Anlass zur Trennung findet sich dann selten. Vor allem nicht in traditionellen Beziehungen, in denen die Frau vom Mann abhängig war, nichts anderes kannte, wurde diese Art des Zusammenlebens dann nicht selten bis zum Tod eines der Partner gelebt und die wahre Liebe nie kennengelernt. Eine zweite Chance für die echte Liebe bietet sich leider nicht jedem, doch im Falle von Marguerite führt eine kleine Begegnung zu großen Veränderungen …

Nach Jahren der »Zweckehe« war Liebe für Marguerite eher etwas praktisches. Sie kümmerte sich um die häuslichen Dinge und Henrys Wohlergehen, er sorgte für die finanzielle Seite und hatte im Haus das Sagen. Als er stirbt, ist das zwar zunächst eine Leere, doch eigentlich fühlt sie sich auch befreit, nach einer Ehe, in der einander gesiezt wurde und sie sich seinen Regeln anzupassen hatte. Dass sie sich schließlich doch noch einmal verliebt, hätte sie nie gedacht. Doch als sie Marcel begegnet, der so ganz anders ist als Henry, fühlt sie sich auf eine magische Weise zu ihm hingezogen. Er, für den nur die Freiheit zählt, und sie, die ausnahmslos allen Regeln folgt. Beide stellen überrascht fest, dass sie über die gleichen Dinge lachen. Doch von ihren Familien und dem Bekanntenkreis wird diese neue Beziehung zunächst sehr kritisch gesehen und stößt vor allem bei Marguerites Sohn auf wenig Zustimmung. Wagen sie es dennoch, noch einmal zu lieben?

Mit ihrem neuesten Werk ist Karine Lambert eine einfühlsame und gefühlvolle Geschichte gelungen. Anders als in vielen Romanen steht bei ihr nicht die Suche nach der Liebe nach tausend vergeblichen Versuchen oder eine chaotische Beziehung im Vordergrund, sondern eine zarte Liebe im hohen Alter, die jedoch nichts von der Intensität und tiefe einer Beziehung in jungen Jahren vermissen lässt. Besonders positiv fallen dabei ihre beiden sympathischen Protagonisten Marguerite und Marcel auf, die auf den ersten Blick nicht gegensätzlicher sein könnten. Marcel liebt den Sternenhimmel, Marguerite kann der Nacht nichts abgewinnen. Sie lebt nach strengen Regeln, ein Abweichen vom Plan kam für sie bisher nicht in Frage. Marcel ist spontan, frei und lässt sich von Normen nicht einengen. Es ist spannend dabei zuzusehen, wie sich nach und nach Marguerites Charakter entwickelt, sie sich von den vielen Jahren im engen Ehekorsett frei macht und zu ihrer wahren Persönlichkeit findet, die so lange unter der Oberfläche verborgen bleiben musste. Abwechselnd erzählt die Autorin dabei aus der Perspektive ihrer beiden Hauptfiguren, sodass keine der beiden Perspektiven zu kurz kommt. Sprachlich ist der Roman wohl ausformuliert, lässt sich leicht und zügig lesen.

Alles in allem eine lesenswerter Roman voller Gefühle und Liebe, der sich bestens für ein paar schöne Stunden eignet.

Kathrin Plett, Juni 2017

Ihre Meinung zu »Karine Lambert: Und jetzt lass uns tanzen«

Sagota zu »Karine Lambert: Und jetzt lass uns tanzen«17.06.2017
"Und jetzt lass uns tanzen" von Karine Lambert ist im Diana-Verlag 2017 (HC, gebunden) erschienen. Übersetzt wurde der Roman aus dem Französischen von Pauline Kurbasik.Es ist der zweite Roman der Autorin, die in Frankreich bereits Erfolge erzielen konnte und nun erstmals ins Deutsche übersetzt wurde.Es handelt sich um einen Roman über 'späte Liebe', aber auch über Selbstbestimmung seines Lebens bis ins hohe Alter hinein, das mit sehr sanften und äußerst sensiblen Klängen literarisch brilliert.

"Beinahe wären sie einander nie begegnet. Marcel, der den Sternenhimmel liebt, und Marguerite, die nur dem Tag Schönheit abgewinnen kann. Er, für den nur die Freiheit zählt, und sie, die ausnahmslos allen Regeln folgt. Doch dann verlieren beide ihre langjährigen Ehepartner. An diesem Wendepunkt in ihrem Leben treffen sie aufeinander und stellen überrascht fest, dass sie über die gleichen Dinge lachen. Wagen sie es auch, noch einmal zu lieben?"(Quelle: Buchrückentext)

Meine Meinung:

Die beiden Hauptprotagonisten Marguerite und Marcel sind mir auf Anhieb sympathisch; der Autorin gelingt es in sehr sensibler Weise, beide Charaktere zu beschreiben:

Marguerite, deren Leben durch ihren Mann, einem Notar, sehr vorbestimmt war und die sich zeitlebens seinen Regeln unterwarf, überlegt nun im hohen Alter von 78 Jahren nach seiner Beerdigung, was sie mit ihrem restlichen Leben anfangen solle.... Sie vertraut sich ihrem Hausarzt an, der ihr eine Thermalkur in den Pyrenäen verschreibt... Ihr Sohn Frédéric, selbst verheiratet mit Carole, reagiert mit Unverständnis und nicht nur im beruflichen Leben ist er das Abbild seines gestrengen Vaters. Dennoch fährt Marguerite, die sich mit ihrem Enkel Ludovic bestens versteht; die Beziehung zu ihrem Sohn allerdings ist schwieriger...

Marcel, der als Kind mit seiner Familie aus Algerien nach Frankreich emigrierte und Nora, eine Nachbarstochter, die sich ihnen anschließen, ist von Kindertagen an in Nora verliebt und die beiden werden ein glückliches Paar; in späten Jahren verreisen sie oft mit dem Scrabble-Club, dem sie beide mit Leidenschaft angehören. Auf einer Reise nach Nizza wird Nora durch einen tragischen Unfall Marcel nun jäh entrissen....
Die Fassungslosigkeit Marcels, die sich nach einem solchen Verlust in einem Menschen abzeichnet, ist von Karine Lambert wunderbar beschrieben worden; ebenso die Tatsache, dass Marguerite sich auch erleichtert fühlt, und noch immer an ihre Schwester Hélène denkt, die sie sehr liebte - und die dem Leben zugewandt war, bis ein Unfall sie früh aus dem Leben riss....

Marguerite und Marcel treffen nun in einer Thermalbad-Kur aufeinander und begegnen sich zufällig auf der Terrasse: Sie stellen fest, dass sie über die gleichen Dinge lachen können und sofort ist eine gewisse Sympathie füreinander da. Marcel lädt Marguerite ein, nach der Kur noch einige Tage gemeinsam zu verbringen und die beiden alten Menschen kommen sich näher...

Mit viel Feingefühl und leisen Tönen erzählt dieser Roman von der Entwicklung zweier alter Menschen, die einen Verlust erlitten haben, jedoch hier nicht für den Rest ihres Lebens in eine Art Schockstarre verfallen, sondern sich ganz langsam aufeinander zu bewegen (das Cover porträtiert dies sehr treffend). Es sind sanfte, aber zuweilen auch sehr herzergreifende Töne, die das Alter und Älterwerden beschreiben; Marguerite und Marcel lernen sich kennen - und mögen. Marguerite kürzt ihr Haar und lässt den strengen Knoten - und damit ihr altes Leben - im Frisiersalon, bevor sie Marcel wiedertrifft. Hierin liegt auch ein gewisser Mut, das Leben nochmals neu zu beginnen. Während Marcel eher Unterstützung in seiner Tochter findet, die Liaison zu Marguerite betreffend, stellt Frédéric hier für Marguerite eine große Herausforderung dar:
Besonders gut gefallen mir die detaillierten Beschreibungen, wo sich die Rollen/Beziehungen von Eltern und Kinder oftmals ins Gegenteil verkehren und besorgte Kinder, die auch überreagieren, ihren Eltern alles verbieten möchten, was Spaß und Freude machen könnte, dies hat sicher einen sehr realen Hintergrund ("in Wirklichkeit will er nur an Dein Tafelsilber" - O-Ton Frédéric). Letztendlich lernt der Sohn durch die Mutter, mal die Krawatte und die Steifheit seines Lebens abzulegen ;)
Es gibt wunderschöne Sätze über das Älterwerden "den neuen Rhythmus annehmen" (Zitat S. 141) und den zentralen, zeitlosen Satz:

"Manche Begegnungen begleiten einen bis ans Lebensende".

Marguerite und Marcel haben durch viel Mut und die Fähigkeit, erneut zu lieben, noch viele schöne Jahre miteinander, die sie mit Reisen verbringen, so oft sich ihnen die Möglichkeit bietet.

Fazit:
Ein wunderschöner Roman mit leisen Tönen voller Ehrfurcht vor dem Leben selbst, über das Älterwerden, den Verlust und auch den möglichen Neubeginn. Eine feinsinnige, teils humorvolle und poetisch geschilderte "Verkettung von Umständen" mit lebensbejahenden und mutigen Auswirkungen auf die beiden liebenswerten Protagonisten; auch ein Beweis in Romanform, dass Liebe kein Alter kennt. Von mir eine unbedingte Leseempfehlung und 5 Sterne!
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