Paradise Ost von Jo McMillan

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel Motherland, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Ullstein.

Bibliographische Angaben

  • London: John Murray, 2015 unter dem Titel Motherland.352 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2016.Übersetzt von Susanne Höbel.ISBN: 978-3-550-08107-1.352 Seiten.

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In Kürze:

Als Jess mit ihrer Mutter Ende der 70er Jahre nach Ost-Berlin kommt, ist die Engländerin überrascht davon, wie anders die Welt jenseits des Eisernen Vorhangs aussieht. Für ihre Mutter geht ein Lebenstraum in Erfüllung: Endlich ist für die glühende Kommunistin der Sozialismus tatsächlich real existierend, ist die Lehrerin geachtet und nicht mehr belächelte Minderheit. Jess hingegen erfährt bald, was es heißt, im Land der Gleichen anders zu sein. Aus anfangs kuriosen Unterschieden werden kaum auszuhaltende Widersprüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit, und bald steht Jess vor einer schweren Entscheidung – zwischen ihrer Mutter und ihrer Freiheit.

Das meint Belletristik-Couch.de: »Sehnsucht nach der DDR«75

Rezension von Kathrin Plett

Die Mauer in Berlin. Zeichen eines geteilten Deutschlands. Auf der einen Seite der Westen mit allen Freiheiten, die es zum jeweiligen Zeitpunkt in Europa gab. Es durfte gereist werden, wohin man wollte, alles war ausreichend vorhanden und es herrschte eigentlich kein Mangel. Dem gegenüber stand die DDR, keine Ausreise, viele Waren waren nicht vorhanden oder nur kurzfristig und in geringen Mengen verfügbar und von überall her drohte Bespitzelung. Das jemand freiwillig in diesem Land leben wollte, der eigentlich ein freies Leben führen konnte, kam wohl nicht oft vor. Anders sah es für Kommunisten mit Leib und Seele aus. Für sie war die DDR, in der der Sozialismus real existierte, das Ideal. Kommunisten wie Jess und ihre alleinerziehende Mutter, die in einer kleinen Stadt im monarchischen England leben und vom Pardise Ost träumen …

Ende der 70er Jahre reist Jess zum ersten Mal mit ihrer Mutter nach Ost-Berlin. Endlich lernt sie die Stadt kennen, von der ihr ihre Mutter schon seit so langer Zeit erzählt. Für ihre Mutter geht ein Traum in Erfüllung: Endlich kann die glühende Kommunistin den Sozialismus real erleben, Menschen begegnen, die sie für ihre politische Überzeugung nicht belächeln oder sogar ausgrenzen. Hier ist die Lehrerin endlich geachtet und wird mit ihren Ideen ernst nehmen. Jess hingegen erfährt bald, was es heißt, im Land der Gleichen anders zu sein. Kommt sie zunächst noch ganz gut zurecht und findet Anschluss, merkt sie schnell, dass wahre Beziehungen und Freundschaften über die Mauer hinweg eigentlich gar nicht erwünscht sind und auch innerhalb der Mauer zu viel Misstrauen herrscht. Bald steht Jess vor einer schweren Entscheidung – zwischen ihrer Mutter und ihrer Freiheit. Soll sie mit ihr für immer in die DDR ziehen oder allein in England zurückbleiben?

Jo McMillan lebte bereits in China, Malaysia und England. Momentan wohnt und arbeitet sie in Berlin. Sie ist Doktor der Philosophie. Paradise Ost ist ihr Debütroman und basiert in Teilen auf ihrer eigenen Kindheit.

Jo McMillans Geschichte ist angelehnt an ihre eigene Kindheit und die Geschichte ihrer Mutter. Wie sie selbst berichtet, wuchs ihre Mutter in Angst vor den Deutschen auf. Geboren 1937 erlebte sie als kleines Kind den Krieg. Als die Luftangriffe auf London begannen, wurde ihre Familie auseinandergerissen. Mit drei Jahren wurde sie mit ihrer vier Jahre älteren Schwester nach Devon geschickt, wo sie zunächst bei einer Frau unterkamen, die sie jedoch nach kurzer Zeit wegschickte, da sie mit den traumatisierten Kindern nicht zurecht kam. Bei der nächsten Station kamen sie bei einer Frau unter, die schon viele Kinder aufgenommen hatte, bevor sie schließlich noch zu einem Mann kamen, der die Kinder misshandelte. Der Anblick von Kriegsgefangenen, die Angst, der Verlust der Heimat und Familie prägten sie, sodass sie schließlich nicht mehr an das politische System Englands glauben konnte und die Versprechen des Sozialismus bei ihr auf offene Ohren stießen. Hier beginnt Jo McMillans Roman, bei dessen Protagonisten es sich um Mutter und Tochter handelt, angelehnt an Jo und ihre Mutter. Die Autorin erzählt von einer Mutter, die den Sozialismus über alles stellt, mit ihrer Tochter jeden Samstag morgen Parteizeitungen verkauft und kaum Käufer findet. Selbst am Feierabend, wenn sie die Zeitungen verschenkt, gibt es kaum Interessenten. McMillan beschreibt, wie die beiden schließlich für Sommerkurse nach Berlin fahren und sich ihr Leben durch diese Reisen verändert.

Sowohl inhaltlich als auch sprachlich ist der Roman nicht immer einfach zu lesen. Viele Sprünge erfordern eine hohe Aufmerksamkeit des Lesers, um nicht den roten Faden zu verlieren. Außerdem treten viele Personen und Namen auf, die es sich zu merken gilt. Die Sätze sind so gestaltet, dass es auf jedes Wort ankommt, sodass genaues Lesen erforderlich ist.

Behält man den Durchblick, ist es vor allem vor dem Hintergrund, dass es sich um eine auf autobiografische Erfahrungen beruhende Geschichte handelt, ein interessanter und lesenswerter Roman, der den Krieg und die Auswirkungen auf die Menschen aus einer ganz anderen Perspektive zeigt, als es sonst der Fall ist.

Kathrin Plett, Juli 2016

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