Das Herzenhören von Jan-Philipp Sendker

Buchvorstellungund Rezension

Das Herzenhören von Jan-Philipp Sendker

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel Das Herzenhören, bei Goldmann.

Bibliographische Angaben

  • --: Goldmann, 2004 unter dem Titel Das Herzenhören.ISBN: 3-442-45726-2.288 Seiten.

    'Das Herzenhören' ist erschienen alsals HC nicht erhältlicherschienen als TBals CD nicht erhältlich

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    In Kürze:

    Eine der großen Liebesgeschichten unserer Zeit, die schon Hunderttausende Leserinnen begeisterte und stetig neue Leser findet: Die Suche nach ihrem vermissten Vater führt Julia Win von New York nach Kalaw, einem malerischen, in den Bergen Burmas versteckten Dorf. Ein vierzig Jahre alter Liebesbrief ihres Vaters an eine unbekannte Frau hat sie an diesen magischen Ort geführt. Hier findet sie nicht nur einen Bruder, von dem sie nichts wusste, sondern stößt auch auf ein Familiengeheimnis, das ihr Leben für immer verändert.

    Das meint Belletristik-Couch.de: »Poetisch und berührend«91Treffer

    Rezension von Rita Dell´Agnese

    »Eine Liebesgeschichte, die in ein magisches Birma entführt«: Das Zitat auf dem Buchcover von »Das Herzenhören« ist nicht unbedingt dazu angetan, dem Roman einen zweiten Blick zu gönnen. Doch genau das sollte tun, wer offen ist für eine höchst poetische, berührende Geschichte. Tatsächlich präsentiert der Autor Jan-Philipp Sendker eine Liebesgeschichte. Aber eine, die sich weitab vom gängigen Schema bewegt. Als sich Mi Mi und Tin Win begegnen, sind sie beide Außenseiter der Gesellschaft. Die beiden Heranwachsenden sind handicapiert. Während Tin Win sein Augenlicht verloren hat, kann Mi Mi nicht gehen. In Birma bedeutete dies, keine Zukunft zu haben. Doch die Beiden lernen, mit ihren Sinnen und ihrer Kraft das jeweilige Defizit beim anderen auszugleichen und auf diese Weise einem Gleichklang der Herzen zu folgen. Da aber wird Tin Win aus seiner Welt gerissen und mit einer ganz anderen Wirklichkeit konfrontiert. Ohne, dass er sich dem Neuen hätte Verschließen können, bleibt die in Birma zurückbleibende Mi Mi das Zentrum seines Denkens. Bis ihn die Ereignisse zwingen, einen anderen Weg zu gehen.

    Es ist keineswegs so, dass die ersten Zeilen des Buches bereits auf die Feinheiten der Geschichte schließen lassen. Zunächst sieht sich der Leser mit der Geschichte der New Yorker Anwältin Julia Win konfrontiert. Die junge Frau muss sich damit auseinander setzen, dass ihr Vater vor vier Jahren seiner Familie von einem Moment auf den anderen den Rücken kehrte. Eine Ausgangslage also, die dem Schema einer leicht lesbaren aber kaum Aufsehen erregenden Geschichte entspricht. Selbst als Julia auf einen alten Liebesbrief stößt und damit erstmals eine Ahnung davon bekommt, dass ihr Vater Einiges vor seiner Familie verborgen hatte, bewegt sich der Autor noch auf unspektakulärem Terrain. Bis zu jenem Zeitpunkt, als Julia der Spur ihres Vaters bis in dessen ursprüngliche Heimat Birma folgt. Dort begegnet sie dem Alten U Ba, der sie erwartet zu haben scheint. Und damit taucht der Leser unvermittelt in die eigentliche Geschichte ein.

    Jan-Philipp Sendker entpuppt sich als feinfühliger und vor allem begnadeter Erzähler. Es gelingt ihm, die Welt von Mi Mi und Tin Win auf eine Art darzustellen, die weder Raum für Kitsch noch für Langeweile lässt. Die Geschichte der Beiden wird auf eine ungeschminkte, direkte Weise erzählt, der ein besonderer Zauber inne wohnt. Denn gerade der Verzicht auf jedes schnörkelige Detail, jede übertreibende Schilderung macht »Das Herzenhören« zu einem Stück Poesie. Der Leser vermag später nicht zu sagen, ob es das Selbstverständnis ist, mit dem sich die beiden Außenseiter begegnen, das Vertrauen, mit denen sie sich aufeinander verlassen oder die Fähigkeit, eigene Beschränkungen durch die Kraft eines anderen zu überwinden: die Geschichte fasziniert und fesselt. Längst vergessen ist die etwas plumpe Ankündigung auf dem Cover. Selbst jene, die zwar stille Geschichte mögen, den Liebesgeschichten selber aber kaum etwas abgewinnen können, werden sich dem speziellen Rhythmus dieser Erzählung kaum entziehen können.

    Es ist keine große Literatur, die Jan-Philipp Sendker hier vorlegt. Aber es ist ein wunderschöner Roman, der beweist, dass es durchaus Liebesgeschichte gibt, die nicht dem vermuteten Klischee folgen. Und die weit mehr zu erzählen haben, als nur die Geschichte zweier Menschen, die sich finden, sich wieder verlieren und doch nie voneinander getrennt sind. »Das Herzenhören« tritt auch den Beweis an, dass die Zeit der großen Erzähler längst noch nicht vorbei ist und es zumindest dieser Autor schafft, die Herzen seiner – den leisen Tönen gegenüber offenen – Leser hören zu lassen.

    Rita Dell´Agnese, Juni 2012

     

     

    Ihre Meinung zu »Jan-Philipp Sendker: Das Herzenhören«

    Baldur Tomandl zu »Jan-Philipp Sendker: Das Herzenhören«02.03.2017
    Ich meine, der Autor hatte sich vorgenommen, wieder einmal große Literatur entstehen zu lassen. Hätte die offizielle Kritik entsprechend geschrieben, man hätte mich überzeugen können und ich hätte mich gerügt, weil ich nicht fähig war, das Buch zügig von vorne bis hinten zu lesen. Das gelang mir nur bis Kapitel zehn, danach begann ich quer zu gelesen, aber immer wieder vor und zurück, letztendlich hatte ich dann doch alles gelesen und ich habe jeden Satz bewundert. Das Buch hat mich mit manchen Details (welche? - verrate ich nicht) auch persönlich angesprochen und es hat mir die Einheimischen in Birma sympatisch näher gebracht.
    johnde zu »Jan-Philipp Sendker: Das Herzenhören«28.06.2016
    Ich habe das Buch aufgrund der Empfehlung von mehreren Arbeitskolleginnen gelesen. Diese kitschige, gefühlsdusselige Geschichte war für mich aber ungeniessbar. Kann sein, dass ich als Mann dafür einfach weniger empfänglich bin. Oder ich spreche auf den Exotik-Groove weniger an. So oder so: für mich war das Buch Schrott und ich kann die Lektüre nur für ganz schwache Momente empfehlen. Ist für mich auf dem Niveau Rosemunde Pilcher in Buch-Form.
    Peter Faesi zu »Jan-Philipp Sendker: Das Herzenhören«19.06.2016
    Gefeiert als Beweis, dass die Zeit der grossen Erzähler nicht vorbei ist - wer hatte den jemals ans Ende dieser Zeit geglaubt? -, stellt sich doch die Frage, wie man diesen Erstling einordnen soll. Rosamunde Pilcher ist es offensichtlich nicht, Nicolas Sparks immerhin lässt grüssen und am ehesten kommt einem Jojo Moyes in den Sinn. Aber ich habe den ganz grossen Verdacht, dass "Herzenhören" nichts anderes als reinster Paulo Coelho auf burmesisch ist. Wer beim Film "Ziemlich beste Freunde" vor Rührung geweint hat, wird auch bei Sendker auf seine Rechnung kommen.
    Leseteufel zu »Jan-Philipp Sendker: Das Herzenhören«29.08.2015
    Der Roman ist sicher stilistisch einwandfrei und nicht mit Rosamunde Pilcher-Kitsch zu vergleichen, aber die Geschichte an sich ist ziemlich unglaubwürdig. Eine derart beständige Liebe, wie sie hier beschrieben wird, entspricht einfach nicht der menschlichen Natur.
    Als Leser wundert man sich über viele Ungereimtheiten. Warum hat Tin Win Julias Mutter geheiratet ?Dass sie ihn unbedingt wollte, ist doch keine Erklärung dafür und widerspricht auch der angeblich so großen Liebe des Protagonisten zu Mi Mi. Warum hat er nicht auch Briefe aus New York an Mi Mi geschrieben? Diese hätten eine sofortige Klärung bewirkt, aber dann wäre das Buch auch schon zu Ende gewesen.Es gibt noch mehr solcher Fragen, auf die ich aber nicht eingehe, weil dann der Schluss verraten würde.
    Engelhardt Angela zu »Jan-Philipp Sendker: Das Herzenhören«22.05.2015
    Ich hatte das Buch schon gelesen - den Tipp dafür aus einer XY-Zeitschrift... nun habe ich es mir noch einmal bestellt (ausgeliehen und nicht zurückbekommen). Es ist die allerschönste Geschichte der Welt - ich lese viel und habe noch nicht wieder etwas Vergleichbares gefunden! Selbstverständlich (ich muss dann immer alles genau wissen) kann man sich im Internet die dazu passenden Bilder aus Myanmar ansehen - und das Gelesene erwacht zum Leben! Warum ich dieses Buch nie auf der Bestsellerliste gefunden habe, weiß ich nicht (ich arbeitete im Buchhandel). Ich wünsche mir, dass dieses Buch noch viele viele Leser findet, weil es das Herz auf wunderbare Weise berührt und man es garantiert nie mehr vergißt!
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