Die ferne Hoffnung von Ellin Carsta

Buchvorstellungund Rezension

Die ferne Hoffnung von Ellin Carsta

.ISBN-10: 1542047889, ISBN-13: 978-1542047883.

Bibliographische Angaben

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Das meint Belletristik-Couch.de: Kraftloser Auftakt einer Familiensaga45

Rezension von Lisa Reim

Die Autorin Petra Mattfeldt, alias Ellin Carsta, kann man wohl zurecht zu einer der umtriebigsten Schriftstellerinnen des Landes zählen. Gleich unter drei Namen veröffentlicht sie wie am Fließband Krimis, Thriller, Fantasy, Science Fiction und Historische Romane. Ihr neues Werk „Die ferne Hoffnung“ ist der erste Teil der „Hansen-Saga“ und Carstas Beitrag zum aktuellen Trend der Familienepen.

Hamburg, 1888: Nach dem Selbstmord des Patriarchen steht die Kaufmannsfamilie Hansen vor dem finanziellen Ruin. Den Brüdern Robert, Georg und Karl fällt die schwierige Aufgabe zu das Familienunternehmen zu retten. Ihre einzige Hoffnung liegt im fernen Kamerun: Mit dem Kauf einer Kakaoplantage hofft die Familie auf den dringend benötigten Geldsegen. Also startet Robert mit seiner Frau und den beiden Töchtern ins Abenteuer in Kamerun, Georg bleibt mit seiner Familie in Hamburg und regelt die Geschäfte, Karl reist nach Wien, um Abnehmer für den Kakao zu akquirieren. Scheinbar gute Aussichten, doch schon bald bricht für die Familie eine turbulente Zeit voller Herzschmerz, Intrigen und Schicksalsschlägen an. Am Ende scheint nicht nur der Fortbestand der Firma gefährdet. Auch die Hansens selbst müssen sich den Konsequenzen ihres Handelns stellen.

Mit diesem geschichtlich geprägten Setting hat sich die Autorin diesmal keinen Gefallen getan. Obwohl aufgrund ihres literarischen Oeuvres durchaus vertraut mit dem Genre des historischen Romans, hat Ellin Carsta lieber heutige Maßstäbe in die damalige Zeit projiziert, statt sich um geschichtliche Akkuratesse zu bemühen. Ihre Recherchen zu dem Buch, die sich auf die deutsche Kolonialgeschichte beschränken, wie das Quellenverzeichnis deutlich macht, hätte besser auch andere für den Roman relevante Bereiche abgedeckt. So oft wie die verarmten Hansens die kostspielige Reise von Deutschland nach Kamerun und wieder zurück antreten (einmal sogar nur mit drei Tagen dazwischen), könnte sich sogar in der heutigen Zeit wohl kaum eine Familie leisten. Außerdem hat die Autorin sehr rosige Vorstellungen davon, wie es in so genannten „Nervenkliniken“ der damaligen Zeit aussah.

Die Ergebnisse der Nachforschungen zur Kolonisation Kameruns hinterlassen innerhalb des Textes kaum Spuren. Vergeblich hofft man auf Hintergrundinformationen oder anschauliche Beschreibungen, die das Leben in einer Kolonie der 1880er Jahren greifbar machen würden. In diesem Zusammenhang erscheint besonders die gesellschaftlich konträre, uneingeschränkte Toleranz der Hansens gegenüber Kameruns Einheimischen mehr als nur utopisch. Warum die Hamburger Familie so ganz anders gesinnt ist, als ihre deutschen Siedlerkollegen oder sogar die damalige deutsche Gesellschaft, erschließt sich nicht im Geringsten. Das Ergebnis solcher unglaubwürdigen Darstellungen bar jeder Begründung ist eine verklärte Version historischer Ereignisse. Authentizität geht dabei vollkommen verloren.

Ein unausgereifter Sprachstil und eine Menge Füllwörter sind weitere Problematiken, auf die der Leser stößt. Eine flottere Erzählweise und ein abwechslungsreicheres Vokabular hätten dem Buch gutgetan. Durch sparsame bildliche Beschreibungen, haben besonders die Kamerun-Passagen Potential und Atmosphäre eingebüßt. Mehrmals zu wiederholen, wie atemberaubend die Landschaft ist, führt zu nichts, wenn man nicht auch beschreibt, wie diese Landschaft denn überhaupt aussieht. Viele Entwicklungen werden nur schnell abgehandelt und nacherzählt, anstatt in eine lebendige Handlung verpackt zu werden. Vor allem wurde auf den Dialog als handlungstragendes Element gesetzt. Doch bei einem Fokus auf gehaltlose Konversationen ist diese stilistische Taktik nicht unbedingt als Glücksgriff zu werten. Dementsprechend schwierig gestaltet sich der Zugang zu den Figuren. Charakterisierungen bleiben oberflächlich, Motivationen schleierhaft, Protagonisten eindimensional.

Ellin Carstas literarischer Eifer hat in diesem Fall ein dürftiges Ergebnis hervorgebracht. Die schwunglose Dramaturgie und das unglaubwürdige historische Setting bieten dem Leser leider nur ein wenig befriedigendes Leseerlebnis. In „Die ferne Hoffnung“ bleiben Spannung und Unterhaltung leider tatsächlich eine ferne Hoffnung.

Lisa Reim, Februar 2018

Ihre Meinung zu »Ellin Carsta: Die ferne Hoffnung«

Mr. Writing zu »Ellin Carsta: Die ferne Hoffnung«07.03.2018
Ich habe den Titel gelesen und war begeistert. Auf Plattformen wie Amazon konnte ich sehen, dass die Bewertungen ähnlich ausfallen. Ebenso gespannt war ich deshalb, was diese Seite sagen würde, da ich sonst beinahe immer mit den Rezensionen hier übereinstimme. Dann kam der Schock...
Ich kann dem Hauptbeitrag hier leider nicht ganz folgen. Was das geschichtliche Setting angeht, so mag Frau Reimvielleicht richtig liegen, vielleicht auch nicht. ich kenne mich einfach nicht genug aus, um mir hier ein Urteil zu erlauben. Ich kann nur sagen, was mein Gefühl war: Ich fand mich wirklich in die Zeit zurückversetzt, was gerade durch den für mich passenden und flüssigen Stil geschaffen wurde. Ich persönlich kann einfach nichts mit gestelzter Sprache anfangen, nur um einen historischen Hintergrund ausdrücken zu wollen. Hier wird viel besser der historische Kontext erfasst und dabei der Leser durch eine gute Sprache mitgenommen, wodurch zumindest ich stets bei den Figuren war und völlig mitgenommen wurde.
Hier wird außerdem angesprochen, dass man sich nicht in die Zeit oder den Ort versetzt gefühlt hat. Das kann ich nun wirklich nicht nachvollziehen. Für mich war es als würde ich neben den Figuren stehen und könnte alles fühlen und sehen, was um sie herum ist. Dabei wird zwar ein Setting gegeben, aber sich nicht in unaufhörlichen Detailbeschreibungen verloren, die mich in vielen Büchern einfach nur nerven.
Dazu muss ich sagen, dass die Autorin es schafft, manche Figuren unsympathisch wirken zu lassen, was logisch in Anbetracht unserer heutigen Sicht ist. Das Welt- und Rassenbild war eben ein anderes. Dennoch wird auf den bekannten "erhobenen Zeigefinger" verzichtet. Wieder andere Figuren sehen die indigene Bevölkerung tatsächlich als normale Menschen, was skandalös wirkt, ich aber viel lieber lese als ein durchgehendes Angefeinde. Auch hier möchte ich noch einmal sagen, dass ich mich wohl nicht genug auskenne, um beurteilen zu können, inwieweit dies der Realität entspricht, aber ich lese Belletristik auch nicht als Ersatz für ein historisches Sachbuch.
Somit noch einmal zum letzten Punkt: die Personen. Was Ellin Carsta in all ihren Büchern meiner Meinung nach toll macht, ist die Darstellung mehrerer Charaktere, die nie schwarz-weiß bleiben. Man hat unterschiedliche Personen, die man sympathisiert und wechselt häufiger mal die Seiten. Das finde ich persönlich sehr spannend, besonders wenn manche Motivationen erst später geschildert werden und man eben genau wie eine Figur im Buch nicht alles Informationen von vorn herein erhält. Wo bleibt das Leseerlebnis, wenn man sich den Hauptpersonen immer im Wissen überlegen fühlt?

Ich möchte noch ein letztes Mal betonen, dass das nur meine Meinung ist. Ich kann völlig nachvollziehen, dass Geschmäcker unterschiedlich sind und gerade bei Büchern eine Gratwanderung zwischen den Interessen der Leser vorprogrammiert ist. Dennoch ist mir schleierhaft, wie man dieses Buch lesen kann und danach ernstgemeint behauptet, dass Ellin Carsta hier ein dürftiges Ergebnis hervorgebracht habe, Ich habe schon mehrere Bücher von ihr gelesen und dieses hier hat mir am besten gefallen. Ich persönlich bin sehr gespannt, wie die Reise der Hansens weitergeht und habe die ferne Hoffnung, dass das nächste Mal eine Bewertung erfolgt, die weniger boshaft ist und neutraler Stärken und Schwächen aufzeigt.
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