Der Preis der Treue von Diane Brasseur

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel Les fidélités, deutsche Ausgabe erstmals 2015 bei dtv.

Bibliographische Angaben

  • Paris: Allary Editions, 2014 unter dem Titel Les fidélités.176 Seiten.
  • München: dtv, 2015.Übersetzt von Bettina Bach.ISBN: 978-3423260695.176 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: DAV, 2015.Gesprochen von Ulrich Noethen.ungekürzte Lesung.ISBN: 3862315150.176 CDs.

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In Kürze:

Seit einem Jahr lebt ein vierundfünfzigjähriger verheirateter Pariser Anwalt im emotionalen Ausnahmezustand: Er hat sich in die deutlich jüngere Alix verliebt. Was mit spielerischer Leichtigkeit begann – wiederentdeckte flirrende Erotik, der Reiz des Doppellebens, der Flirt mit einem Neubeginn –, wird mit der Zeit zu einer wachsenden Belastung. Sein Dilemma: Er ist nicht nur verrückt nach Alix, mit der er sich endlich wieder rundum lebendig fühlt, er liebt auch seine Frau. Eines Morgens zieht er sich in sein Arbeitszimmer zurück, in der festen Absicht, endlich eine Entscheidung zu treffen.

Das meint Belletristik-Couch.de: »Zwischen zwei Frauen«68

Rezension von Rita Dell´Agnese

Kann man gleichzeitig zwei Frauen lieben? Der Protagonist aus Diane Brasseurs Roman Der Preis der Treue steht vor gerade dieser Frage. Er erzählt, wie er sein Leben splittet: Während der Woche lebt der Anwalt in Paris an der Seite der jungen Geliebten Alix, das Wochenende verbringt er mit seiner Frau und der Tochter in Marseille. Das Doppelleben zollt seinen Tribut. Immer öfter stellt sich der Protagonist die Frage, wo seine Zukunft liegt. Fest entschlossen, seine Frau zu verlassen und sein Glück ganz an der Seite von Alix zu suchen, gerät er ins Wanken, sobald er in die vertrauten Bahnen zurück gekehrt ist. Er erkennt, dass die junge Geliebte ihn im gewissen Sinne jung erhält – er aber dafür einen hohen Preis zu zahlen hat. Denn es wird ihm auch bewusst, dass Alix auch für jüngere Männer attraktiv ist und er einst auf verlorenem Posten stehen könnte. Also tendiert er dazu, reumütig ganz in den Schoss der Familie zurück zu kehren und Alix zu vergessen. Doch die Eifersucht spielt ihm einen Streich: Der Protagonist vermag es nicht, der jungen Geliebten zu entsagen und sich auf seine Ehe zu beschränken. In diesem Dilemma gefangen versucht der Mittfünfziger, eine Lösung zu finden, bei der er nicht verliert.

Ein Sympathieträger ist der Protagonist nicht gerade. In salopper Ich-Form erzählt er dem Leser von seiner Unentschlossenheit, zu welcher der beiden Frauen er sich nun stärker hin gezogen fühlt. Dabei entpuppt er sich sehr schnell als Egoist. Es ist nicht die Liebe, die ihn bei den beiden Frauen hält, sondern die mangelnde Bereitschaft, auf eine von ihnen zu verzichten. Im vollen Bewusstsein, dass er damit beide Frauen verletzt, zieht er sein Doppelleben weiter. Alix leidet darunter, dass ihr Geliebter die Feiertage mit seiner Frau verbringt. Diese wiederum scheint zu ahnen, dass es im Leben ihres Mannes noch jemanden gibt. Die Autorin, die sich hier in die Rolle des betrügenden Ehemannes versetzt, stellt die Welt der beiden Frauen sehr geschickt dar. Sie macht sichtbar, dass Ehefrau wie Geliebte im Prinzip Betrogene sind. Denn die Unfähigkeit des Anwalts, sich für eine der beiden Frauen zu entscheiden, legt sich drückend auf die jeweilige Beziehung nieder.

Es ist an sich eine kurze Zeitspanne, die die Autorin hier umreißt. Sie vermag viel in diese Zeit hinein zu setzen, zeichnet die Ménage à trois geschickt nach. Doch leider verharrt sie in diesem ersten Bild, das sich schon nach wenigen Seiten abzeichnet. Über den ganzen Roman hinweg schaukelt nun die Meinung des Protagonisten zwischen den beiden Frauen hin und her, ohne wirklich zu einem vernünftigen Ende zu kommen. So wird sich mancher Leser nach der Schluss-Szene unvermittelt fragen: »Was kommt jetzt!« So unschlüssig, wie der Protagonist über das ganze Buch hinweg war, so bleibt das Ende in der Luft hängen. Die Leser können sich selber zurechtlegen, wie die Geschichte enden könnte. Je nach Sympathie und Verständnis für den Protagonisten mag man sich den Ausgang nach eigenem Gusto festlegen.

Diane Brasseurs Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig. Sie schreibt in kurzen, oft abgehackten Sätzen und lässt viel Raum zwischen den Aussagen, so dass man sich manchmal zusammen reimen muss, wovon der Protagonist gerade spricht. Zusammen mit dem kurzen Roman, der auf den ersten Blick viel, auf den zweiten etwas weniger viel erzählt, ist der Schreibstil wenig dazu angetan, diesen Roman zu etwas Außergewöhnlichem zu machen. Das Hin- und Her ermüdet, die einfach Wortwahl ist zwar unproblematisch zu lesen, jedoch dadurch auch unspektakulär und ohne Überraschungen. So bleibt Der Preis der Treue eine Lektüre, die zwar etwas Langeweile vertreiben kann, nicht aber zu den Werken gehören dürfte, die man immer wieder gerne zur Hand nimmt. Dazu hätte ein wenig mehr Tiefgang gehört.

Rita Dell´Agnese, Juni 2015

Ihre Meinung zu »Diane Brasseur: Der Preis der Treue«

Karlheinz zu »Diane Brasseur: Der Preis der Treue«11.01.2016
Ein 54-jähriger Anwalt ist verheiratet mit Kind und hat eine deutlich jüngere Geliebte, Alix. Als der Anwalt mit seiner Familie nach New York reist setzt er sich vorher an seinem Schreibtisch und macht sich Gedanken über Alix und sein Leben.
Das nur 176 Seiten kurze Buch ist sehr ungewöhnlich, denn es handelt sich um einen Monolog des Anwaltes, von dem wir bis zum Ende nicht wissen wie er heißt. Es werden keine Namen außer der von Alexis genannt, auch erfährt der Leser wenig vom wirklichen Geschehen, es fließen zwar immer wieder Dinge ein, aber dennoch viel zu wenige um die Zusammenhänge vollständig zu verstehen.
Der Schreibstil der Autorin bzw. die gute Übersetzung passt zur Handlung und ist für einen Debüt Roman vielversprechend. Dennoch ist es aufgrund des Monologes manchmal schwierig den Gedankengängen zu folgen, hier wird der Leser schon gefordert, damit er nicht ganz die Richtung verliert. Ich konnte keinen roten Faden erkennen der durch das Buch führt. Es handelt sich vielmehr um verschieden Aspekte die nur die Verbindung, nämlich Alix haben.
Fazit: Selten habe ich ein so ungewöhnliches Buch entdeckt. Klang der Klappentext noch sehr ansprechend, ist das Buch dann doch wirklich abstrakt. Alles wir nur angedeutet allerdings nichts geklärt.
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