Zärtlich von Belinda McKeon

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel Tender, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Ullstein.

Bibliographische Angaben

  • London: Picador, 2015 unter dem Titel Tender.448 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2016.Übersetzt von Eva Bonné.ISBN: 978-3-550-08128-6.448 Seiten.

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In Kürze:

Als Catherine und James sich kennen- lernen, ist es Seelenverwandtschaft von Anfang an. Beide sind sie aus der irischen Provinz in die aufregende und liberale Stadt Dublin gekommen, Catherine als Studentin der Literaturwissenschaft, James, um Fotograf zu werden, und beide stürzen sich mit derselben Neugier und Leidenschaft ins Leben. Doch während Catherine in ihrer neuen Umgebung aufblüht, ist es für James selbst im vermeintlich offenen Klima der Großstadt unmöglich, zu seiner Homosexualität zu stehen. Sein Geheimnis schweißt die beiden noch enger zusammen, aber dann verliebt sich Catherine in James, auch wenn sie ahnt, dass ihre Liebe aussichtslos sein wird.

Das meint Belletristik-Couch.de: »Die Zerbrechlichkeit der Freundschaft«85Treffer

Rezension von Kathrin Plett

Einen besten Freund oder eine beste Freundin zu haben, ist ein großes Glück, auf das es sich aufzupassen lohnt. Wie traurig ist es doch, wenn eine Freundschaft durch mangelnde Pflege wie zu wenig Kontakt oder Interesse am Leben des anderen langsam zerbricht. Meist sind diese Freundschaften gleichgeschlechtlich und bestehen oft noch aus Kindertagen. Besteht die Freundschaft zwischen Mann und Frau, kann es komplizierter werden. Unterschiedliche Interessen sind da noch das kleinste Problem. Viel schwieriger wird es, wenn aus freundschaftlicher Nähe Liebe wird. Noch komplizierter wird es, wenn diese Liebe nur einseitig ist, was nicht selten das Ende der gemeinsamen Freundschaft bedeutet. Aber was tun, wenn es dennoch passiert?

Endlich raus aus der irischen Provinz und rein ins Abenteuer der Stadt Dublin! Sowohl Catherine als auch James teilen die gemeinsame Herkunft, als sie sich zu Beginn ihres Studiums kennenlernen. Für beide ist direkt klar: Sie sind Seelenverwandte, haben ähnliche Ideale und Vorstellungen, sodass sie sich blind verstehen. Während Catherine Literaturwissenschaft studiert, will James Fotograf werden. Doch einen großen Unterschied gibt es zwischen den beiden: Für Catherine stehen alle Türen offen, sie blüht auf und will so viel wie möglich vom Leben mitnehmen. James tut sich schwer, er ist homosexuell und sieht keine Möglichkeit in seiner aktuellen Umgebung zu seiner Sexualität zu stehen und sich zu outen. Sein Geheimnis schweißt die beiden noch enger zusammen, sie tauschen sich über gut aussehende Männer aus und verbringen umso mehr Zeit zusammen. Aber dann verliebt sich Catherine in James, auch wenn sie ahnt, dass ihre Liebe aussichtslos ist. Auch wenn James teilweise eine körperliche Liebesbeziehung zulässt, macht dies die Sache nur noch schlimmer. Beide verstricken sich immer haltloser in eine von widersprüchlichen Gefühlen durchzogene intensive Beziehung und steuern unaufhaltsam auf die unvermeidliche Katastrophe zu …

Belinda McKeon ist mit ihrem Roman eine interessante Liebesgeschichte gelungen, die einen ganz anderen Aspekt von Liebe aufgreift. Schon zu Beginn ist klar, dass Catherine und James unter normalen Umständen kein Paar werden, da James schwul ist. Dass Catherines Gefühle zu James jedoch schnell nicht mehr rein freundschaftlicher Natur sind, ist deutlich zu erkennen. Misstrauisch und leicht eifersüchtig beäugt sie James Beziehungen, ohne sich lange Zeit selbst einzugestehen, dass sie mehr will, als eine reine Freundschaft. Der Autorin gelingt es, diese Veränderung zwischen den beiden gekonnt darzustellen. Über mehrere Jahre hinweg, die jeweils sehr umfangreiche Kapitel darstellen, begleitet sie ihre beiden Protagonisten. Sie beginnt ihr Werk mit dem Jahr 1997, dem sie die Überschrift »Wach« gibt. Erst gute 100 Seiten weiter setzt mit »Mondschaum und Silber« der zweite Abschnitt im Jahr 1998 ein, in dem es dann auch einzelne kleine Kapitel gibt. Es folgen die Abschnitte »Romanze« und »Ohne Titel«, bis am Schluss der letzte Abschnitt »Frieze« ins Jahr 2012 führt. Das in so vielen Jahren einiges passieren kann, ist leicht vorzustellen. Sprachlich ist der Roman gut zu lesen, die Autorin schreibt in oft kurzen und leicht verständlichen Sätzen, die häufig die Gedanken Catherines beinhalten, sodass es nicht schwerfällt, sich in die Figuren und ihre Gefühle hineinzuversetzen:

»Gib her«, sagte Catherine und riss ihm die Blätter aus der Hand. Er grinste sie an, und für den Bruchteil einer Sekunde verstand sie, was James gemeint hatte – Emmet war tatsächlich attraktiv, auf seine eigene Weise. Seine Haut war makellos rein, seine Augen dunkelblau, die Gestalt schlank und jetzt in diesem Moment an Catherines Schreibtisch gelehnt; aber er war irgendwie unscheinbar; an Jungen wie ihn hatte sie nicht gedacht, als sie sich ihre Tuscheleien mit James vorgestellt hatte.

Insgesamt ein schöner Liebesroman, bei dem die Frage: »Werden sich Catherine und James am Ende doch noch kriegen?« fast bis zum Ende offen bleibt.

Kathrin Plett, Februar 2017

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