Die Fotografin - Bd. 4: Die Stunde der Sehnsucht

Erschienen: September 2020

Bibliographische Angaben

- HC, 480 Seiten

Couch-Wertung:

75
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Monika Wenger
Unruhige Zeiten und große Not

Buch-Rezension von Monika Wenger Dez 2020

Nach dem Brand in der Druckerei ist es der Fotografin Mimi Reventlow und ihrem Geschäftspartner Anton Schaufler mit Hilfe der Einwohner Münsingens gelungen, den Betrieb wieder zum Laufen zu bringen. Die Auftragsbücher sind voll und alles scheint gut zu gehen. Doch überraschend verschärft sich die politische Lage, und der Erste Weltkrieg bricht aus ...

Wiederaufbau

Nach und nach werden die Männer - jung oder alt - an die Front eingezogen. Die Frauen müssen schauen, dass die Äcker bestellt und die Familien versorgt werden; gleichzeitig müssen sie ihre Männer in den Betrieben und Geschäften vertreten und deren Arbeiten erledigen.

«Bereiche, die nicht als kriegsrelevant angesehen wurden, wurden stillgelegt – dadurch gewann man Kapazitäten für die Produktion kriegswichtiger Güter. In den Kontoren waren es nun Frauen, die im Chefsessel sassen und mit kühlem Kopf disponierten, planten und rechneten.»

Je länger der Krieg dauert, desto größer wird die Not. Es fehlt schlicht an allem, und ein Ende ist nicht in Sicht.

Für Mimi hat die Beschäftigung ihrer Arbeiter oberste Priorität, und sie sucht auch unter erschwerten Bedingungen nach Aufträgen, damit die Druckerei läuft. Das ist nicht einfach, und sie muss mehr als einmal über ihren Schatten springen und gegen ihre innere Überzeugung handeln. Dazu gehört auch, dass sie militärische Dokumente druckt, damit die ArbeitnehmerInnen etwas Geld verdienen können. Gemeinsam mit Bernadette, ihrer Freundin, und der Schäferin Corinne versucht sie alles, um die Not der Münsinger Bevölkerung wenigstens ein wenig zu lindern. Das belastet die drei Frauen nicht nur körperlich - es ist auch eine Bewährungsprobe für ihre Freundschaft.

Anton ist derweil als Sanitäter an der Front im Einsatz. Dort hilft er den Verwundeten, so gut es eben geht. Obwohl das Leiden rundherum groß ist, versucht er den verletzten Soldaten ein wenig Hoffnung und Menschlichkeit zu vermitteln. Doch das Elend nimmt stetig zu, und Antons Zuversicht schwindet von Tag zu Tag.

«Immer wenn du denkst, du hast alles gesehen, passiert etwas, was noch schlimmer ist als alles zuvor.»

Die Autorin Petra Durst-Benning ist auch im vierten Band ihrem Stil treu geblieben. In diesem Teil der Fotografin-Saga kämpfen ihre beiden Hauptfiguren vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges für ihre Druckerei. Schon bald wird daraus ein Überlebenskampf, denn der Krieg verlangt von allen das Äußerste. Die Männer kämpfen in den Schützengräben und erleben Schreckliches.

«Uns alle hier werden die Gräuel des Krieges ein Leben lang begleiten. Ich sage dir – nur wenn wir tot sind, werden wir das Ende des Krieges gesehen haben.»

Zuhause kämpfen die Frauen an den unterschiedlichsten Fronten, damit das Leben einigermaßen funktioniert. Da ist viel Ideenreichtum und Erfindergeist gefragt. Doch die Not ist überall und Hunger ein ständiger Gast. Trotz der vielen Schicksalsschläge, den Entbehrungen und den Rückschlägen halten die Menschen in Münsingen zusammen. Wie ein roter Faden zieht sich das Gefühl von Zusammenhalt und Gemeinschaft durch die Geschichte. Das gibt emotionalen Auftrieb und macht die Lektüre eines kriegerischen Umfeldes leichter.

Fazit

Viele historische Details zum Ersten Weltkrieg hat Petra Durst-Benning in diesem vierten Teil der Fotografin-Saga verarbeitet. Die Lektüre ist interessant und spannend aufgebaut und zeigt, wie wichtig der Zusammenhalt für die Gemeinschaft ist, sie stärkt und trägt. Und wie Liebe und Freundschaft unterstützen und über vieles hinweghelfen können. Der Roman ist leicht zu lesen und unterhaltsam.

Die Fotografin - Bd. 4: Die Stunde der Sehnsucht

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