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Monika Wenger
Im Wandel der Zeit

Buch-Rezension von Monika Wenger Aug 2020

Nach dem Tod von Onkel Josef hat Mimi Reventlow Laichingen in Begleitung von Anton Schaufler verlassen. Sie hat ihr Leben als Wanderfotografin wieder aufgenommen und reist mit ihrem ideenreichen Begleiter bis nach Berlin. Vieles ist im Wandel und die Leute lernen, selber mit einer Kamera umzugehen. Die Dienste von Mimi werden deshalb immer seltener beansprucht. Dafür entwickelt Anton immer wieder neue Geschäftsideen ganz nach dem Motto «Alte Wege öffnen keine neuen Türen.».

Auf der Suche nach neuen Geschäftsideen

Mimi reist gemeinsam mit Anton quer durch Deutschland auf der Suche nach Aufträgen als Wanderfotografin. Doch die Zeiten haben sich geändert und für die Fotografin wird es immer schwieriger, ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Statt Familienfotografien und Portraits macht Mimi Aufnahmen für Kataloge und Reklametafeln. Das entspricht ganz und gar nicht ihren Vorstellungen.

Für Anton jedoch sind die Zeiten wie geschaffen: er trifft mit seinem Postkartenhandel genau den Zeitgeist und das Leben als Marktfahrer gefällt ihm sehr. Und die Grossstadt Berlin ist genau sein Ding, denn «In Berlin steppt der Bär.».

Als Mimi eine Hochzeitseinladung von ihrer Freundin Bernadette erhält, nehmen Anton und sie diese an und kehren zurück auf die Schwäbische Alb. Sie wollen noch einmal die alte Heimat sehen, bevor sie sich endgültig in Berlin niederlassen. So ist ihr Plan, aber das Leben hat andere Dinge mit den Beiden vor.

Die Moderne trifft auf Althergebrachtes

Im dritten Band der «Fotografin-Serie» liegt der Schwerpunkt der Geschichte in der sich rasend schnell verändernden Gesellschaft. Die Autorin beschreibt die sich wahnsinnig schnell verändernden Lebensumstände in der Zeit um die Jahrhundertwende auf der Schwäbischen Alp wie auch in einer Grossstadt wie Berlin. Die Mobilität nimmt stetig zu und die technischen Neuerungen vereinfachen viele Arbeiten. Die Herausforderungen für die Menschen sind aber gewaltig und nicht immer zu deren Vorteil.

Eingebaut in die Geschichte ist auch die seit Jahrhunderten für die Schwäbische Alb so wichtige Schäferei. Schafe, welche im Wechsel der Jahreszeiten über die Albweiden getrieben werden und so die wertvolle Kulturlandschaft, eine einmalige Fauna und Flora, erhalten, sind ein wesentlicher Bestandteil des dritten Bandes der Fotografin. Anschaulich schreibt Petra Durst-Benning nicht nur über deren Haltung, sondern auch über deren Nutzung, die Herstellung und die Verwertung der Schafprodukte. Am Beispiel von Uniformen und deren Stoffqualität erfährt der Leser mehr zum Thema Schafwolle und wie wichtig die richtigen Züchtungen für ein qualitativ hochstehendes Schafvlies sind. In diesem Roman werden gar Schafe aus Südfrankreich zwecks Qualitätsverbesserungen zu Fuss auf die Schwäbische Alb gebracht.

Mit dem Thema Uniformen verbindet Petra Durst-Benning dann gleich auch die Geschichte vom Truppenübungsplatz auf der Schwäbischen Alb. Dieser ist heute nicht mehr in Betrieb, kann aber besichtigt werden. Ein äusserst interessantes Stück Zeitgeschichte. Durch die Verbindung von Dorfgemeinschaft und Militär gelingt es der Autorin sehr anschaulich die einzelnen Abhängigkeiten aufzuzeigen.

Nicht ganz einordnen lassen sich die wenigen Einblicke in das Leben von Antons Freund Alexander, welcher in den beiden ersten Bänden einen wichtigen Platz eingenommen und sich als Künstler zwischenzeitlich einen Namen gemacht hat. Die Beschreibung seiner Welt an der Kunsthochschule und die Vereinnahmung durch einen Förderer beziehungsweise Mäzen, wirken im ersten Moment fremd und abstrakt. Sie scheinen nicht ganz zu passen und dennoch zeigen sie sehr genau den riesigen Kontrast zu Antons Welt.

Fazit:

Auch das dritte Buch über Mimi Reventlow ist vor dem geschichtlichen Hintergrund gesehen sehr interessant. Die Jahrhundertwende mit den sich rasch verändernden Lebensumständen, deren Auswirkungen und der gewaltige technische Fortschritt bilden den Schwerpunkt. Doch irgendwie fehlt es ein wenig an Würze und zwischendurch stellen sich Längen beim Lesen ein. Aber wie auch im ersten und zweiten Band ist es unterhaltsam, dem Lebensweg von Mimi Reventlow zu folgen.

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