Die Wunderfrauen: Alles, was das Herz begehrt

Erschienen: Juli 2020

Bibliographische Angaben

- Bd. 1

- TB, 480 Seiten

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Julian Hübecker
Das Aufblühen der deutschen Gesellschaft

Buch-Rezension von Julian Hübecker Okt 2020

1953 in Starnberg: vier Frauen, die zuvor nicht viel Umgang hatten, begegnen einander durch unterschiedliche Umstände. Auch wenn man anfangs nicht immer herzlich ist, scheint das Schicksal sie immer wieder zueinander zu führen. Und so werden Stück für Stück ihre Geheimnisse aufgedeckt – nicht immer zum Gefallen der anderen ...

„Nein, ich denke eher an einen Gemischtwarenladen. Lebensmittel, Obst, Gemüse, Dinge des täglichen Bedarfs und natürlich ein paar Extras: Seidenstrümpfe, Zeitschriften, Schweizer Schokolade und Kaugummis.“

Der Anfang der 1950er ist eine ambivalente Zeit: Der Schrecken des Krieges und des Holocausts sitzt noch tief, so mancher wünscht sich sogar Hitlers Regime zurück; gleichzeitig keimt die Hoffnung auf ein besseres Leben, die Wirtschaft wächst und die Läden sind wieder gut gefüllt. Auch Marie Wagner wünscht sich, endlich ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. Aus ihrer Heimat Schlesien musste sie flüchten, nachdem die russische Besatzung sie von dort vertrieben hat – der Vater wurde zuvor erschossen. Auf dem Hof von Martin Dahlmann findet sie Unterschlupf und eine Arbeit. Endlich scheint es sich für sie zum Besseren zu wenden.

Martins Schwester Luise wohnt mit ihrem Mann Hans nur ein paar Straßen weiter. Gerade verstirbt die Schwiegermutter, sodass das Erdgeschoss endlich zur freien Verfügung steht. Denn Luise hat schon lange einen Traum: Sie möchte ihren eigenen Gemischtwarenladen betreiben. Das Erbe ihrer Schwiegermutter kommt da genau richtig, und auch ihr Hans lässt sich erweichen und erlaubt ihr, den Laden anzumelden.

Gleich gegenüber lebt Annabel von Thaler, Gattin des Chefarztes der Starnberger Seeklinik und Mutter des kleinen Friedrichs. Ihr geliebter Sohn ist der Mittelpunkt ihres Lebens, ihr Gatte jedoch ist ein Arbeitstier und nimmt sich nur wenig Zeit für sie. Dazu kommt, dass in ihr der Verdacht reift, dass er eine Affäre haben könnte - und sie hat schnell eine Ahnung: Helga Knaup, auszubildende Schwester in der Seeklinik und, wenn es nach Annabels Meinung geht, ein Flittchen. Doch Helga ist ein Freigeist, nicht das typisch sittsame Mädchen jener Zeit, die lieber ihren eigenen Traum vom Leben verwirklichen möchte …

Eine Zeitreise in die 50er

„Jede Frau ist eine Wunderfrau“ – was heute selbstverständlich erscheint, ist in den angehenden 1950ern noch lange nicht so. Die Emanzipation hat durch das Naziregime einen ordentlichen Dämpfer erhalten, die selbstbestimmte Frau gehört an den Herd, und sollte sie den verrückten Wunsch haben, einen Beruf auszuüben, muss sie erst noch den Gatten fragen. In diesem Buch erleben wir vier unterschiedliche Frauen, die, unterdrückt von den gesellschaftlichen Normen, versuchen, ihre eigenen Wege zu finden.

Stephanie Schuster gelingt es, charakterlich vier unterschiedliche Frauen zu porträtieren und irgendwie in Einklang zu bringen: Während Marie eher zurückhaltend ist und eine furchtbare Erfahrung mit einem amerikanischen Soldaten zu verarbeiten hat, ist Luise selbstbewusst und strebt nach etwas Größerem. Annabell von Thaler lebt in dem goldenen Käfig ihres Mannes; ihre einzige Aufgabe ist das Hüten ihres Kindes. Und Helga scheint ihre Rolle noch nicht gefunden zu haben, muss sich jedoch aufgrund ihres rebellischen Charakters gegen Vorurteile wehren.

Obwohl all die Charaktere manchmal sehr stereotyp wirken, offenbaren vor allem die vier Frauen immer mehr von sich und strafen die vermeintliche Eindimensionalität Lügen. Hier ist es schön, die unterschiedlichen Entwicklungen mitzuerleben. Am interessantesten fand ich tatsächlich Luise: Sie hat von allen am meisten über sich verraten und dabei interessante Einblicke in ihre Notizen gegeben, in der sie alle Ideen für ihren Laden sowie unterschiedliche Rezepte notiert hat. Dadurch hat man ein sehr realitätsnahes Gefühl jener Zeit bekommen.

Fazit

Es ist nicht der perfekte Einstieg (in einer Trilogie muss es auch immer Luft nach oben geben), dennoch fühlt man sich schnell in die 50er hineinversetzt und vom Aufblühen der deutschen Gesellschaft mitgerissen. Luise, Helga, Annabel und Marie sind wahrlich Wunderfrauen, die noch einiges zu erzählen haben werden!

Die Wunderfrauen: Alles, was das Herz begehrt

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Letzte Kommentare:
20.09.2020 10:17:39
leseratte1310

Dieses Buch ist der erste Band einer Trilogie und erzählt die Geschichte von vier Frauen in den Jahren des Wirtschaftswunders. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege. Obwohl sie sehr unterschiedlich sind, wollen sie alle in diesen Zeiten ihren Weg gehen und glücklich werden.
Luise Dahlmann will ihren Traum von einem Lebensmittelgeschäft verwirklichen. Dafür braucht sie allerdings die Zustimmung ihres Ehemanns, der sie machen lässt. Mit viel Einsatz gelingt es ihr, den Laden zu eröffnen. Annabel von Thaler Ist Ehefrau eines Arztes, fühlt sich aber in dieser Rolle nicht glücklich. Die aus Schlesien Vertriebene Marie Wagner möchte mit Pferden arbeiten, doch auf dem Gestüt will man keine Bereiterin. Daher nimmt sie eine Arbeit auf dem Hof von Luises Bruder an. Helga Knaup kommt aus gutem Haus. Sie will sich nicht verheiraten lassen, sondern auf eigenen Füßen stehen und eine Ausbildung als Krankenschwester zu machen.
Erzählt wird diese Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven, so dass man die Frauen mit ihren Denkweisen gut kennenlernt. Alle Charaktere waren authentisch und vielschichtig dargestellt. Obwohl nicht immer alles glatt läuft, fehlen mir doch die größeren Probleme, die der Geschichte Spannung verschafft hätte. Manche Gedanken und Handlungen konnte ich nicht so recht nachvollziehen. Auch war mir doch vieles zu detailliert dargestellt, so dass sich für mich Längen ergaben. Auch war alles ziemlich vorhersehbar.
Die Auswirkungen des Krieges sind noch zu spüren, aber es geht stetig bergauf. Es ist eine Zeit, in der es jungen Frauen nicht möglich war, selbstbestimmt ihre Entscheidungen zu treffen. Sie waren ab hängig von ihren Eltern und später von ihrem Ehemann. Wollten sie arbeiten, brauchten sie die Zustimmung.
Eigentlich lese ich gerne Bücher aus dieser Zeit, aber dieser Roman konnte mich nicht so recht packen. Mir fehlte da der Tiefgang.

05.09.2020 16:40:48
TochterAlice

Alles, was das Herz begehrt geht es für Luise Dahlmann in dem Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg, also in den 1950er Jahren. Sie möchte einen Gemischtwarenladen eröffnen, nicht gerade zur Freude ihres Mannes Hans.

Um sie herum drei andere Frauen - jede mit eigenen Träumen, Ideen - aber auch Sorgen und Nöten, ja Traumata, denn sie alle haben die schwere Zeit des Krieges noch gut in Erinnerung - Luise, deren jüngster Bruder Manni das Down-Syndrom hat und noch immer von so einigen Mitmenschen als nicht lebenswert bezeichnet wird. Marie, die aus Schlesien vertrieben wurde und der Furchtbares widerfahren ist.

Helga, das Mädchen aus reichem Hause, das sich aber - wenn es nach dem Willen ihres Vaters ginge - an einen Ehemann verkaufen müsste, der die familieneigene Schuhfabrik übernimmt.

Und Annabel aus dem westfälischen Münster, die nicht nur von ihrer neuen Heimat - in der sie doch schon einige Jahre zugebracht hat, befremdet ist.

Ich habe schon so einige Romane von der Autorin Stephanie Schuster gelesen und sie hat mich nie enttäuscht - härtere und "weichere" Krimis vor allem. Ja, diese Frau kann Spannung aufbauen und Neugierde schüren und das tut sie auch hier. Es sind interessante, wenn auch oft schmerzliche historische Tatsachen, die sie immer wieder in ihre Prosa einstreut - zum Leben in den 1950er Jahren, aber auch zum Zweiten Weltkrieg, dessen Schatten in den Jahren 1953 und 1954 noch weit greifen. Und zwar auf schaurige Art.

Ein toller Roman, bei dem lediglich einiges zu schnell abgefertigt wurde, was ich schade fand! Dennoch gibt es von mir eine (nahezu) uneingeschränkte Leseempfehlung!

06.08.2020 16:11:44
MarySophie

Handlung:
1953
Die Wirtschaftswunderjahre haben begonnen und für Luise, Helga, Marie und Annabel beginnt eine neuer Lebensabschnitt. Luise möchte gerne ein eigenes Lebensmittelgeschäft eröffnen und selbst das verkaufen, was es jahrelang nur in geringen Mengen zu erwerben gab. Dafür ist sie aber auf die Genehmigung ihres Mannes angewiesen, ohne diese würde ihr Traum in weite Ferne rücken.
Marie ist aus Schlesien geflohen und sucht eine neue Heimat. Und wird dabei immer von den Dämonen der Vergangenheit verfolgt.
Helga flieht vor einer arrangierten Zukunft vonseiten der Eltern und will ein selbstbestimmtes Leben führen. Sie beginnt eine Ausbildung zur Krankenschwester, doch genau dann trifft sie einen Mann, den sie nicht mehr vergessen kann.
Als vierte Dame im Bunde gibt es noch Annabel, Gattin eines angesehenen Arztes. Sie fühlt sich häufig einsam, hat keine Aufgaben im Haushalt und so bleibt ihr nur die Betreuung des Sohnes. Und dabei gibt es eine ständige Angst, dass ihr Mann ihr fremdgeht...
Immer wieder werden sich diese vier Frauen über den Weg laufen, manche nähern sich an, manche empfinden keine Sympathie füreinander. Doch langsam, aber sicher entstehen Freundschaften und die Frauen erkennen Gemeinsamkeiten und ähnliche Ambitionen.

Meinung:
Das Cover wurde perfekt an die Handlungszeit angepasst. Nicht nur farblich und die Mode der Frauen, sondern auch die Schriftart des Titels schreit für mich nach den 1950er Jahren. Ich mag diese Details gerne und muss sagen, dass mir das Bild immer besser gefällt, je länger ich es betrachte. Bei den Damen im Vordergrund finde ich es absolut gelungen, wie sie der Zeit entsprechend gekleidet, aber auch frisiert sind. Man erhält allein durch das Betrachten des Covers einen guten Eindruck. Was auch sehr gut passt ist, dass es vier Damen auf dem Cover gibt und der Roman dreht sich ebenfalls um vier komplett unterschiedliche Frauen. So kann man den Protagonistinnen ein jeweiliges Gesicht zuordnen und sie wurden für mich noch lebendiger.

Ich bin erst durch eine Vorstellung des Romans bei Vorablesen auf ihn aufmerksam geworden und die Inhaltsangabe hat mich wirklich direkt angesprochen. In dieser Woche gab es allerdings auch noch zwei weitere Bücher, die interessant klangen, ich hatte für jedes einen Leseeindruck verfasst und durfte mich über ein anderes Buch freuen. Als ich dann entdeckt habe, dass es bei Lovelybooks eine Leserunde geben wird, habe ich nicht lange gezögert, mich für ein Exemplar beworben und durfte mich diesmal darüber freuen.

Der Roman dreht sich um vier unterschiedliche Frauen, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen. Sie haben verschiedene Pläne und Ziele und gehen diese unabhängig voneinander an. Nach und nach verbinden sich die vier Erzählstränge, es gibt Zusammentreffen und Überschneidungen.
So ergeben sich vier Perspektiven, aus denen die Geschichte erzählt wird und anhand derer man einen Hauch der Stimmung von 1950 erfassen kann. Man erlebt vier Schicksale mit, die lebendig beschrieben werden und anhand derer man hautnah miterleben kann, wie sich die Gesellschaft entwickelt und welche Normen und Regeln damals noch üblich waren. Zudem erhält man so einen stärkeren Bezug zu den vier Damen und ich finde, man kann eine bessere Bindung zu ihnen aufbauen!

Mir hatte schon die Leseprobe hervorragend gefallen und bereits da ist mir aufgefallen, dass ein ganz lebendiger und genauer Schreibstil vorliegt, der mir richtig gut gefällt. Es gibt nicht nur eine interessante und detailreiche Darstellung der Damen, auch das Setting oder allgemein die Szenerien konnte ich mir bildreich vorstellen.
Ich würde sagen, dass die Sprache im Grunde recht einfach gehalten wurde, aber durch allerhand Andeutungen, historische Details und den Bayrischen Dialekt erhält sie Anspruch. Immer wieder gibt es Andeutungen zu kleinen Rätseln, die nicht sofort gelöst werden und teilweise auch nach dem Ende des ersten Bandes noch nicht vollkommen gelöst. Es ist also noch genügend Spannungspotenzial vorhanden, um sich bereits jetzt auf die weiteren Teile der Reihe zu freuen und bis dahin hat man allerhand Stoff zum spekulieren!
Der bayrische Dialekt taucht in einem für mich angenehmen Maß auf. Es gibt nicht zu viele Einstreuungen dessen und auch wenn man mit dieser Mundart nicht so bewandert ist, hatte ich absolut keine Probleme, um den Sinn des Gesagten zu verstehen. Durch die Einbindung dessen entsteht nicht nur Abwechslung, sondern auch viel Authentizität. Und außerdem passt es natürlich perfekt zum Handlungsort, dem Starnberger See.

Immer wieder gibt es in den Kapiteln ein paar Abschnitte rund um historische Ereignisse. Diese tauchten in einer angenehmen Anzahl auf und haben die eigentliche Handlung nicht überstrahlt. Zudem mochte ich es sehr, wie die Details in die Geschichte eingeflochten wurden und man die Informationen wie nebenbei wahrgenommen hat. So wurde der Lesefluss in keinster Weise beeinträchtigt und es hat einfach Spaß gemacht, die Geschichte zu lesen.
Vor allem von dem Lebensgefühl der 1950er Jahre bekommt man einen hervorragenden Eindruck. Nicht nur gesellschaftlich, sondern auch familiär gibt es einige Aspekte, die mir nicht bekannt waren und die mich dementsprechend überrascht haben. Ich konnte ohne Probleme in die Zeit eintauchen und durch Details wie die Mode oder die Ausstattung von Wohnungen und Häusern entstand vor meinen Augen ein lebendiges Bild.

Und auch die allgemeine Stimmung trägt nicht nur zu einem authentischen Bild bei, sondern auch dazu, dass man sich die Zeit noch besser vorstellen kann. Man merkt deutlich, dass die Welt rund um den Starnberger See in einem kleinen Aufruhr ist und der Fortschritt immer mehr einzieht, aber auch der Wunsch von Frauen, selbstbestimmter zu handeln. Man spürt deutlich die Aufbruchsstimmung der Damen, die nicht mehr ständig die Erlaubnis der Gatten einholen oder von den Eltern bestimmt werden, sondern ihre eigenen Entscheidungen treffen wollen. Die freier Leben wollen und nicht nur in der Welt, sondern auch der Gesellschaft einen Fortschritt sehen wollen. Und genau solch eine Stimmung ist zu spüren, was mir richtig gut gefallen hat. Es entsteht ein Roman, der einem in die Zeit der 1950er Jahre mitnimmt und man erfährt einen Hauch dessen, was die Menschen damals beschäftigt hat und mit welchem Lebensgefühl sie ausgestattet waren.

Anhand der Stimmung, aber auch zahlreicher historischer Details ergibt sich eine spannende Geschichte, die mit viel Authentizität daherkommt und viel Charme versprüht. Die Protagonisten erscheinen dadurch sehr lebendig und ihre Handlungen realitätsnah. Oft hatte ich das Gefühl, Lebensgeschichten zu lesen, die sich genauso abgespielt haben könnten und an keiner Stelle hatte ich Zweifel, dass das gerade Gelesene in irgendeiner Weise falsch sein könnte. Ich habe einfach vollkommen darauf vertraut, dass die Autorin eine perfekte Recherchearbeit geleistet hat und hatte dadurch viel Spaß am Lesen!

Als Setting dient fast durchweg die Gegend um den Starnberger See. Ich konnte mir jeglichen Ort, seien es Wohnhäuser oder die Seeklinik von Annabels Mann, die Natur oder den Bauernhof von Luises Bruder gut vorstellen. Eine jede Örtlichkeit hat eine genaue, aber nicht zu umfangreiche Zeichnung bekommen, sodass man ein ungefähres Bild hatte, aber auch seiner Fantasie Platz lassen kann. Manchmal kommt es auch vor, dass in bestimmten Gebäuden eine gewisse Stimmung vermittelt wird. Während diese in Luises Haus ziemlich hoffnungsfroh und modern erscheint, ist sie in Annabels Haus eher altmodisch und kühl. Auch dadurch wird den jeweiligen Gebäuden eine Lebendigkeit verliehen, die mir nochmals dabei geholfen hat, mir diese vorzustellen.

Bei den Protagonisten standen vor allem die vier Frauen Helga, Marie, Luise und Annabel im Vordergrund. Auf ihnen lag eindeutig das Hauptaugenmerk, alle anderen Personen nahmen eine untergeordnetere Rolle ein. Trotzdem hat man bei jedem einzelnen Charakter gemerkt, dass sich Gedanken um ihn gemacht wurden und so entstehen viele individuelle und unterschiedliche Wesen. Keiner gleicht sich und jeder hat andere Eigenarten, die ihn besonders machen und auszeichnen.
Am stärksten dargestellt waren die vier Damen, sie hatten den tiefgründigsten Charakter bekommen und sie lernt man auch im Verlauf des Romans am besten kennen. Hier fand ich es angenehm, dass mir nicht jede sofort sympathisch war, gerade mit Helga und Annabel hatte ich anfangs meine Probleme und brauchte einige Zeit, um sie positiver einzuschätzen und aktiver an ihrem Leben teilzunehmen. Zudem finde ich es sehr gelungen, wie die vier Handlungsstränge langsam miteinander verwoben werden und immer mehr Überschneidungen entstehen. Auf diese Weise kann man als Leser beobachten und miterleben, wie Freundschaften entstehen, aber auch, wie man Situationen falsch einschätzen kann und wie dadurch Missverständnisse entstehen.

Fazit:
Nach der sehr guten Leseprobe hatte ich natürlich einige Erwartungen und war richtig gespannt, endlich selbst das Buch zu lesen. Ich hatte mir bereits ein paar Gedanken bezüglich der Geschichte gemacht und wollte wissen, inwieweit diese am Ende zutreffen. Und ich muss sagen, dass ich sehr begeistert bin und mich unglaublich auf die nächsten beiden Teile freue. Nicht nur, weil das Ende recht offen und damit spannend gehalten wird, sondern weil mir die vier Protagonistinnen nach und nach immer sympathischer wurden und ich wissen will, was das Leben noch so für sie parat hält. Ich habe absolut keinen Aspekt, der mir nicht gefallen hat, sondern bin vollkommen zufrieden mit dem Roman. Ich kann nur eine große Empfehlung aussprechen und werde mich in Geduld üben muss, bis Band zwei und drei erscheinen...

02.08.2020 17:32:54
HexeLilli

Dies ist der 1. Band der Trilogie über die vier Wunderfrauen. Sie spielt in Bayern am Starnberger See. Die Kapitel erzählen abwechselnd ihre Geschichte, die Anfang der 50er Jahre spielt. Zwischendurch kreuzen sich oft ihre Wege. Schon am Cover kann man erkennen, wann die Story spielt und es sieht darauf aus, als wenn sie noch beste Freundinnen werden, trotz unterschiedlicher Herkunft und Charaktere.
Luise verheiratet mit Hans verwirklicht sich ihren Traum von einem Tante Emma Laden. Marie geflüchtet aus Schlesien findet ihr Zuhause bei Luises Brüdern auf einem Hof mit Ziegen und Schafen. Helga, reiche Fabrikantentochter entflieht der Enge ihres Elternhauses und lebt ihr Leben ohne Zwang und Moral. Annabel, Luises Nachbarin, verheiratet mit dem Chefarzt der Starnberger Seeklinik. Hat nur eine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es Mann und Sohn gutgeht.
Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen, schnell und flüssig zu lesen. Einiges kam mir aus meiner Kinderzeit noch sehr bekannt vor. Dieser erste Band schreit förmlich nach Fortsetzung, will man doch unbedingt wissen, wie es weitergeht mit den vier Wunderfrauen. Ich freue mich darauf und kann das Buch gerne empfehlen.

27.07.2020 11:12:32
Kerstin1975

Buchinhalt:

Deutschland, 1953: der Zweite Weltkrieg ist fast 10 Jahre vorbei und die Wirtschaftswunderjahre beginnen. In den Läden gibt es wieder so gut wie alles und es herrscht eine neue Aufbruchsstimmung, So auch bei vier Frauen, die sich alle einen Neubeginn nach dunklen Zeiten wünschen. Luise träumt von einem eigenen Gemischtwarenladen, Marie, die aus Schlesien vertrieben wurde, hofft auf eine neue Heimat am Starnberger See. Doch auch Helga, die Lernschwester in der Geburtsklinik und Annabell, die reiche Arztgattin – sie alle wollen nur eines: endlich wieder glücklich sein…



Persönlicher Eindruck:

Mit „Die Wunderfrauen“ ersinnt sich Stephanie Schuster eine meisterhafte Buchreihe, die ihren Anfang nimmt in den 50er Jahren, der Zeit der Nylonstrumpfhosen, Petticoats und Rock’n’Roll, aber auch des Neubeginns und des Aufbruchs. Hier stimmt einfach alles – es fällt schwer, das Buch beiseite zu legen, hat man einmal mit dem Lesen begonnen.

Im Mittelpunkt der Handlung, angesiedelt am Starnberger See und Umgebung, stehen vier starke Frauen, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen. Zunächst noch einzeln und jede für sich kreuzen sich ihre Wege immer wieder.

Luise hat den Traum von einem kleinen Laden. Endlich auf eigenen Beinen stehen – nach einer langen Zeit der Entbehrung volle Regale und bunte Bonbons in großen Gläsern: man sieht als Leser förmlich vor sich, wie der Tante-Emma-Laden aussehen soll, den sie sich wünscht. Und dann sind da noch Marie, die aus Schlesien vertrieben wurde und vielleicht die schlimmste Vergangenheit aller vier mit sich herumträgt, sowie die Lernschwester Helga, die nicht auf den Mund gefallen ist und Annabell, die Gattin des reichen Chefarztes der Seeklinik.

Alles passt hier wie feine Puzzleteile stimmig zusammen, die einzelnen Handlungsfäden sind kunstvoll und schlüssig, jederzeit nachvollziehbar miteinander verwoben und ergeben ein großes, wunderbares Ganzes.

Vieles aus der Erzählung erinnert an das, was unsere Eltern in ihrer Jugendzeit nach dem Krieg erlebt und erzählt haben. Der Roman schafft ein ganz eigenes, heimeliges Flair und es ist einfach ein Vergnügen, in die Seiten einzutauchen. Auch die Nebenfiguren, wie Manni, der jüngere Bruder von Luise, die bayerische Hebamme oder der GI Jack Miller sind liebevoll und tiefgängig angelegt.

Es gibt immer wieder Rückblenden, die das Vergangene beleuchten, wie den Holocaust und den Krieg, die Nazizeit, Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten oder auch das Trauma, das so mancher Kriegsheimkehrer mitbrachte. Das macht den Roman so einzigartig und lebendig, als wäre alles aus erster Hand erzählt und keine Fiktion. Der Cliffhanger am Schluss macht schon mehr als neugierig auf die Fortsetzung, einige Handlungsstränge sind offen geblieben und machen jetzt schon Lust auf mehr, denn „Alles, was das Herz begehrt“ ist der erste Teil einer Trilogie. Was hier in den 50er Jahren begann, nimmt im 2. Band seinen Lauf in den wilden Sechzigern und mündet schließlich in den Siebziger Jahren.

Ein wirklich großartiger Auftakt rund um Neubeginn, Emanzipation, Freundschaft und Familie, kleine Intrigen, Ehekrisen sowie kleine als auch große Wunder. Das Alles aber nicht ohne nachdenkliche Untertöne – eine absolute Leseempfehlung!

26.07.2020 22:28:45
AKR

Wunderbare Zeitreise in die 1950er Jahre
Mit dem ersten Band der Wunderfrauen Trilogie begeben wir uns in das Jahr 1953 in die Anfänge der Wirtschaftswunderjahre. Luise Dahlmann verliert ihre Stelle als Köchin, da das Camp, in dem sie arbeitet, aufgelöst wird. Luise wollte wieder arbeiten und ihr eigenes Geld verdienen. Sie möchte sich den Traum von einem Gemischtwarenladen erfüllen. Als ihre Schwiegermutter stirbt und ihr Geld hinterlässt, braucht sie nur noch die Genehmigung ihres Mannes Hans. In dieser Zeit des Neuanfangs trifft Luise immer wieder auf drei Frauen. Marie Wagner, die aus Schlesien geflohen ist und sich auf eine Stelle als Bereiter auf einem Gestüt beworben hat. Helga Knaup, die gegen ihr Elternhaus rebelliert, dieses verlässt und eine Ausbildung als Lernschwester in der Seeklinik beginnt. Als letztes tritt in diesen Kreis die Nachbarin und Arztgattin Annabel von Thaler. Alle vereint der Wunsch wieder glücklich zu sein.

Die Geschichte wird abwechselnd aus unterschiedlichen Perspektiven von den vier Frauen erzählt, so dass man immer dicht am Geschehen ist. In unregelmäßigen Abständen gibt es kurze Auszüge aus Luises Notizbüchern und Ladenkundealben mit Rezepten, allgemeinen Informationen und Tipps. Die Charaktere der Frauen sind alle sehr unterschiedlich. Luise ist zupackend und handelt sehr geschäftstüchtig, Marie ist zurückhaltend, denn sie hat viel auf der Flucht mit gemacht, ist zeichnerisch talentiert und liebt Tiere. Helga ist lebenslustig und genießt das Leben. Annabel ist bisher für mich noch schwer einzuschätzen. Zu Beginn war sie mir nicht sehr sympathisch, doch das hat sich im Laufe der Geschichte geändert.

Stephanie Schuster hat einen sehr anschaulichen lebendigen Erzählstil. Der damalige Zeitgeist ist sehr gut eingefangen. Obwohl die Kriegszeit noch in Erinnerung ist, sind die Wünsche und Lebensgefühle der Frauen hautnah spürbar.

Mir hat diese wunderbare Zeitreise in die 1950er Jahre ausgesprochen gut gefallen. Sie hat mir spannende Lesestunden bereitet, so dass ich nun auf die Fortsetzung dieser Reihe gespannt bin.

Film & Kino:
The Crown - Staffel 3

Die Queen in ihrer vordergründig repräsentativen Rolle ist eine zeitgeschichtliche Ikone, sodass der Erfolg der seit 2016 bei Netflix laufenden Serie „The Crown“ nicht verwundert. Die dritte Staffel markiert allerdings einen Umbruch: Die Royal Family ist in den 60er-Jahren angekommen und viele Rollen werden neu besetzt, da auch die Blaublüter nicht vor dem Altern gefeit sind. Titel-Motiv: © Des Willie / Netflix

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