Votes for Women - Der Marsch der Suffragetten

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • -: Dark Horse, 2014, Titel: 'Sally Heathcote - Suffragette', Originalsprache
  • Köln: Egmont Graphic Novel, 2015, Seiten: 192, Übersetzt: Johanna Wais

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Kathrin Plett
Wahlrecht für alle!

Buch-Rezension von Kathrin Plett Jun 2016

Geht man in der Geschichte nicht einmal ganz 100 Jahre zurück, gerät man in eine Zeit, in der die Rechte von Frauen und Männern nicht nur gesellschaftlich, sondern auch politisch alles andere als gleich waren. Der amerikanische Bundesstaat Wyoming führte 1870 als erster das Frauenwahlrecht ein, doch dauerte es noch über 30 Jahre bis Finnland als erstes europäisches Land im Jahr 1906 ebenfalls seine Frauen zur Wahl gehen ließ. In Deutschland bekamen Frauen 1918 dieses Recht zugesprochen, gemeinsam mit Irland, Rumänien und Ungarn. In anderen Ländern, wie beispielsweise Großbritannien, mussten die Frauen zu dieser Zeit noch auf die Straße gehen und um ihren Anspruch kämpfen. Ab 1911 demonstrierten sie und wurden sogar gewalttätig. Bombenattentate und Brandanschläge sollten die notwendige Aufmerksamkeit beschaffen. Mit Hammern und Säcken voller Steinen zogen sie unter anderem durch das Regierungsviertel und schlugen Fenster ein. Erst 1928 war ihr Einsatz endlich erfolgreich und das Frauenwahlrecht wurde eingeführt.

In Votes for Women wird die Geschichte von Sally Heathcote erzählt, die als junges Dienstmädchen in das Haus von Emmeline Pankhurst kommt. Zwar hat sie sich zuvor nie viel für Politik interessiert, doch verfolgt sie die Aktivitäten im Haus ihrer Herrin mit großer Neugier. Mit dem Wahlspruch "Votes for Women" versucht die Gruppierung den Frauen Englands mehr Freiheit und das Wahlrecht zu erstreiten. Schließlich schließt sich auch Sally den Suffragetten an, wie die Aktivistinnen genannt werden. Demonstrationen, Schlägereien und Inhaftierungen gehören zum Alltag, doch der Einsatz der Frauen zeigt keinen Erfolg, die Regierung bleibt bei ihrer konservativen Linie. Die Frauen erkennen, dass sie radikalere Mittel anwenden müssen, um an ihr Ziel zu gelangen...

Mary Talbot ist eine international anerkannte Wissenschaftlerin. Ihre erste Graphic Novel wurde 2013 mit dem Costa Biography Award ausgezeichnet. Bryan Talbot schreibt und zeichnet seit über 30 Jahren Comics und Graphic Novels, gemeinsam mit Mary Talbot verfasste er bereits "Dotter of her Father's Eyes". Kate Charlesworths Comicstrips, Cartoons und Illustrationen erscheinen seit über drei Jahrzehnten sowohl Mainstream als auch in alternativen Publikationen, u.a. die preisgekrönte Graphic Novel "Nelson", die ein Gemeinschaftsprojekt von über 54 britischen Zeichnern darstellt.

Kaum vorstellbar, dass Frauen vor gar nicht allzu langer Zeit noch keine Wahlrecht hatten. Was uns heute selbstverständlich erscheint, musste erst hart erkämpft werden. In England dauerte es viele Jahrzehnte, bis die Proteste der Frauen endlich Erfolg hatten und das Recht auf die ganze weibliche Bevölkerung ausgeweitet wurde, nachdem ab 1918 erst nur Frauen von Hauseigentümern, Hauseigentümerinnen oder Mieterinnen von Wohnungen das Wahlrecht erhielten. Im Gegensatz zu den Männern, bei denen das Wahlrecht bei 21 Jahren lag, durften sie jedoch erst ab 30 wählen. Es dauerte noch bis 1928, bis alle Frauen ab 21 das allgemeine Wahlrecht erhielten. Mit ihrer Graphic Novel Votes for Women stellen Kate Charlesworth, Mary und Bryan Talbot diesen Teil der Geschichte anschaulich und facettenreich dar. Durch ihre detaillierten Zeichnungen, in denen sich viele Symbole aus der damaligen Zeit entdecken lassen, wird die Geschichte beinahe wieder lebendig und man taucht in die Zeit Englands kurz nach der Jahrhundertwende ein. Historisch genauesten recherchiert ist eine gut nachvollziehbar und leicht verständliche Chronologie der Ereignisse entstanden, die so wahrscheinlich kaum jemandem bekannt ist. Die Zeichnungen beschränken sich zum Großteil auf die Farben schwarz und weiß, einige Bilder werden jedoch um einzelne Farben ergänzt, wenn auf ein Symbol, ein Erkennungsmerkmal oder ähnliches hingewiesen werden soll oder etwas in den Mittelpunkt gerückt wird.

Alles in allem eine gelungene und interessante Graphic Novel, die noch einmal deutlich macht, welche Anstrengungen hinter dem heute für so selbstverständliche gehaltenen Wahlrecht stecken. Gerade in Zeiten von Wahlmüdigkeit ein Punkt, der nachdenklich machen sollte.

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