19. Internationales Literaturfestival Berlin

Vom 11. bis 21. September 2019 herrschte in Berlin wieder einmal der literarische Ausnahmezustand: zum 19. Mal trafen sich Literaturschaffende und Literaturliebhaber im Zeichen des roten Kommas.

Seit seiner Gründung 2001 hat sich das Internationale Literaturfestival Berlin schnell zu einem Top-Event für Lesebegeisterte entwickelt, das sich mittlerweile fest im Veranstaltungskalender der Hauptstadt etabliert hat. Auch dieses Jahr fanden wieder 28.000 Interessierte den Weg zu den zahlreichen Veranstaltungen. Hier wurden an diversen Orten zeitgenössische Prosa und Lyrik, Graphic Novel, Kinder- und Jugendliteratur, aber auch Nonfiction gelesen und diskutiert. Neben Dekolonisierung und Sex, setzte man sich im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2019 mit dem Thema der Künstlichen Intelligenz auseinander, und als ganz besonderes Schmankerl lasen zehn Lyriker*innen in der „Langen Nacht der Poesie“ aus ihren Werken.

Aber auch die Menschenrechte spielten dieses Jahr eine Rolle: nach dem Aufruf des ilb und des PEN-Zentrums zur Unterstützung der Demokratiebewegung in Hongkong versammelten sich am 21.9. zahlreiche Zuhörer auf dem Bebelplatz in der Nachbarschaft der Humboldt-Universität, um bei Lesungen ihre Solidarität auszudrücken.

Ocean Vuong liest aus seinem Roman

Mich hat es am 18.9. ins Kulturquartier Silent Green gezogen. Schon der Veranstaltungsort in einem ehemaligen Krematorium ist etwas Besonderes, die ausverkaufte Veranstaltung mit Ocean Vuong war es aber auch.

Mit On Earth We‘re Briefly Gorgeous (Auf Erden sind wir kurz grandios) hat Vuong einen weltweit viel beachteten und hochgelobten Debüt-Roman vorgelegt. Sehr zurückhaltend, fast schon schüchtern stellte er sich den Fragen von Moderator Toby Ashraf. Er nahm sich Zeit für seine Antworten und gab Auskunft über seine Arbeit, seine Familie und die Auswirkungen seiner Bildung auf sein Verhältnis zu ihr. Dabei waren seine mit humorvollen Anekdoten geschmückten Ausführungen so elaboriert, feinsinnig und gefühlvoll, dass nicht nur der Moderator auf einen Mitschnitt der Veranstaltung hoffte.

Bei der Lesung aus seinem Roman merkte man ihm dann den Lyriker an. Mit gut justierter Stimme, exakter Betonung und nuanciertem Vortrag zog er den Zuhörer gleich in seinen Bann und in das Leben des Protagonisten Little Dog. Die Lesung aus der deutschen Übersetzung durch den Schauspieler Marcel Kohler verblasste dagegen, und wäre besser durch eine weitere von Vuong ersetzt worden. Nach mehr als eineinhalb Stunden beendete eine Signier-Stunde das Event.

Fazit:

Das Literaturfestival Berlin hat mich voll und ganz überzeugt. Programm, Autoren, Veranstaltungsorte und die Möglichkeit des Austausches mit anderen Literaturbegeisterten – alles war stimmig. Ich werde nächstes Jahr wiederkommen und dann mehr Zeit und mehr Veranstaltungen einplanen, denn eines ist gewiss: das ilb wird wieder ein Highlight am Literaturhimmel werden!

von Carola Krauße-Reim (09.2019)