Super Sad True Love Story

  • Rowohlt
  • Erschienen: Januar 2011
  • New York: Random House, 2010, Titel: 'Super sad true love story', Seiten: 334, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2011, Seiten: 463, Übersetzt: Ingo Herzke
Super Sad True Love Story
Super Sad True Love Story
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Birgit Stöckel
80

Belletristik-Couch Rezension von Birgit Stöckel Sep 2011

Bedrückender Ausblick in eine erschreckend realistische Zukunft

Lenny Abramov lebt in New York in einer nicht näher bezeichneten, aber nicht allzu fernen Zukunft. Mit seinen 39 Jahren ist er ein Außenseiter, nicht sonderlich cool bzw. medien, wie es nun heißt, er hat Angst vor dem Tod und träumt vom ewigen Leben. Passend dazu arbeitet er für ein Unternehmen, das Dechronifizierungsbehandlungen anbietet, um ihre Kunden zu verjüngen und irgendwann das ewige Leben zu garantieren. Und er liebt Bücher, eine ungeheure Absonderlichkeit in seiner Welt. Während eines Aufenthalts in Rom lernt er Eunice kennen, eine junge koreanisch-stämmige Amerikanerin, die vollkommen in der technisierten Welt aufgeht. Während Lenny ihr sofort verfallen ist, nähert sich Eunice ihm nur langsam an. Doch Lenny kämpft um sie und ihre Beziehung, während die Welt um sie herum zerbricht …

Gekonntes Spiel mit heute bestehenden Ängsten

Gary Shteyngart entwirft in seinem Roman ein Szenario, das einerseits übertrieben dargestellt ist, andererseits nicht allzu weit von einer möglichen Realität entfernt ist, so dass es bedrückend wirkt und nachdenklich stimmt. Eine Welt, in der sicherlich kaum ein Leser dieser Rezension leben möchte, denn Bücher existieren so gut wie nicht mehr. Es gibt keine Verlage mehr und Texte werden nur noch gescannt, um wichtige Informationen zu erhalten. Bücher an sich sind stinkende Überbleibsel aus einer alten Welt.

Doch das ist nur eine relativ harmlose Veränderung. Der gläserne Mensch, den viele fürchten, ist Wirklichkeit geworden, man bekommt so ziemlich jede Information auf sein "Äpparät", eine Weiterentwicklung der heutigen Smart-Phones, sobald man sich in der Nähe eines anderen Menschen mit eingeschaltetem "Äpparät" befindet. Auch der gerade von den USA abgewendete Staatsbankrott spielt in der Geschichte eine wichtige Rolle, denn das Amerika des Romans ist pleite und in finanzieller Hinsicht fast komplett abhängig von China. Ebenso nehmen die zunehmende Verschuldung der Menschen und die sozialen Ungerechtigkeiten ihren Raum ein und führen schließlich zu Gewaltausbrüchen und Übergriffen.

Gary Stheyngart spielt gekonnt mit den Ängsten, die viele Menschen heute bereits bezüglich der im Internet zu findenden Daten, der zunehmenden Macht einiger Wirtschaftsunternehmen, der zunehmenden Staatsverschuldung und der verlogenen Politik plagen und treibt diese auf die Spitze.

Eine nicht sonderlich innovative Liebesgeschichte

Die Erzählweise ist vom Autor interessant gewählt. Das ganze Buch besteht zu einem Teil aus Tagebucheintragen von Lenny (ebenfalls eine Rarität in dieser Welt!) und zum anderen aus der Internetkommunikation von Eunice mit verschiedenen Personen. Somit wird die Geschichte hauptsächlich aus der Sicht dieser beider Personen erzählt, die man demzufolge auch am besten kennenlernt und die beide vielschichtig charakterisiert sind.

Die Idee dieser Liebesgeschichte an sich (zwischen einem älteren Mann und einer deutlich jüngeren Frau) ist nicht unbedingt als innovativ zu bezeichnen. Irgendwie hat man das alles schon einmal gelesen. Natürlich sind die Umstände andere, doch man könnte die zwischen Eunice und Lenny bestehende Problematik eines Generationenkonflikts problemlos in jede Zeit transportieren. Diese Unterschiede bestehen schließlich seit es die Menschheit gibt. Somit fällt dieser Teil auch gegen die Rahmengeschichte ab, doch da die Beziehung zwischen Eunice und Lenny nicht übertrieben oder kitschig dargestellt, sondern glaubhaft und nachvollziehbar erzählt wird, stört sie auch nicht sonderlich. Doch ist die Rahmenhandlung der eindeutig stärkere und tragende Teil dieses Buchs.

Insgesamt erzählt Super Sad True Love Story eine bedrückende und nachdenklich stimmende Geschichte, die einen nicht so schnell loslässt und über die man auch nach Beendigung der Lektüre noch nachdenkt. Dass die Liebesgeschichte nicht wirklich innovativ ist, ist eindeutig ein kleiner Minuspunkt, doch die faszinierende Rahmenhandlung an sich ist es wert, dieses Buch zu lesen.

Super Sad True Love Story

Gary Shteyngart, Rowohlt

Super Sad True Love Story

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