Hingabe bis zur Selbstaufgabe.
Constantin Lieb beleuchtet einen kurzen Zeitabschnitt im Leben von Ernst Ludwig Kirchner und seiner Lebensgefährtin Erna Schilling. Es sind die letzten Monate im Haus Wildboden vor der großen Tragödie.
Nicht mehr aufzuhalten
Die politischen Veränderungen in Deutschland wirken sich auch auf das Leben des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner und seiner Partnerin Erna Schilling aus. Sie bedrohen ihre Existenz und belasten die ohnehin schon schwierige Beziehung des Paares zusätzlich. Erna versucht mit aller Kraft, Kirchner vor der Außenwelt und ihren Anforderungen zu schützen.
„Doch natürlich war er da. Kirchner war immer da, in ihrem Kopf, in ihren Gedanken, ununterbrochen beschäftigte sie sich mit ihm“
Ernst Ludwig Kirchner ist krank und von seiner Morphiumsucht gezeichnet. Er verlangt Erna alles ab. Sie wiederum ahnt bereits das Unabwendbare. Noch kann sie ihn beruhigen, ihn beschützen und ihm Raum zum Arbeiten verschaffen. Wie lange ihr dies noch gelingen wird, ist nur eine Frage der Zeit.
Ruhig und sachlich
Das Besondere an diesem Roman von Constantin Lieb ist die Sachlichkeit, mit der er die letzten Monate vor der Tragödie schildert. Im Mittelpunkt steht Erna Schilling, die ihr eigenes Leben für Kirchner im Grunde aufgegeben hat. Sie ist Organisatorin, Haushälterin, Kameradin und Lebenspartnerin zugleich. Allerdings begegnet Kirchner ihr nicht immer mit Respekt und Liebe. Entsprechend viel muss sie ertragen. Von diesen Schwierigkeiten und Herausforderungen erzählt der Autor.
„Askese und Aufopferung, Selbstaufgabe und Inszenierung, alles Begriffe, die sie mit ihm in Einklang bringen konnte, aber Liebe?“
Lieb streift die politischen Veränderungen in Kirchners Heimatland nur am Rande und konzentriert sich bewusst auf die Tage im Haus Wildboden in der Nähe von Davos. Zugleich flicht er Sequenzen aus der Gegenwart mit ein, wodurch die Handlung etwas von ihrer Schwere verliert. Schließlich beschreibt er, wie Erna nach Kirchners Tod wieder zu sich selbst findet, ohne sich von ihrer großen Liebe zu distanzieren. Ein versöhnlicher Abschluss.
Fazit
Constantin Liebs Roman „Wildboden“ fängt die schwierige Paarbeziehung und die Welt der Kunst in Kirchners letzter Lebensphase besonders eindrücklich ein. Dabei setzt der Autor auf eine sachliche Darstellung, von der die tragische Geschichte profitiert.



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