Die Liebe, später

Die Liebe, später
Die Liebe, später
Wertung wird geladen
Marianne Schäper-Mürmann
781001

Belletristik-Couch Rezension vonFeb 2026

Eine Beziehung auf dem Prüfstand.

Nach ihrem plötzlichen Zusammenbruch in einer von ihr moderierten Radiosendung muss sich die 61-jährige Kora einer schweren Herzoperation unterziehen. Diese führt zu einem drastischen Einschnitt in ihrem Leben, danach ist für sie nichts mehr wie zuvor. Nach ihrer Reha liegt der Aufhebungsvertrag auf Koras Schreibtisch. Ihr Ehemann Anselm hat spontan sein Berufsleben in Berlin beendet, um mehr Zeit mit ihr verbringen zu können. Aus der gut austarierten Wochenendehe wird ein gemeinsamer Alltag in Köln. Die privaten und beruflichen Veränderungen werfen Kora völlig aus der Bahn und lassen sie an ihrer Ehe mit Anselm zweifeln. Ihr ganzes bisheriges Leben droht an der sich entwickelnden Distanz zwischen den beiden zu zerbrechen.

„Und weißt du zum Beispiel mit Sicherheit, ob das, was uns verbindet, genug ist?“

Kora und Anselm führen seit mehr als zwanzig Jahre eine gut funktionierende Beziehung; beide waren beruflich erfolgreich und verfügten durch die räumliche Trennung unter der Woche über ausreichend persönlichen Freiraum. Das Paar genoss die gemeinsame Zeit am Wochenende, liebte seine festen Rituale und schmiedete bereits Pläne für den Ruhestand. Doch dieser kommt für Kora nun zu plötzlich, die permanente Nähe zu Anselm belastet sie und lässt sie von Freiheit und Abstand zu ihm träumen. Während Anselm voller Tatendrang seinen lang geplanten Libellenteich im Garten in Angriff nimmt, flüchtet Kora an die Orte ihres früheren Lebens und zieht sich in die ehemalige Junggesellinnenwohnung ihrer früh verstorbenen Mutter in Berlin zurück. Sie sucht dort die Begegnung mit den Menschen, die in ihrem früheren Leben eine Bedeutung für sie hatten. Nach ihrer Rückkehr kommt es zum Eklat zwischen ihr und Anselm.

In die Handlung eingeschoben sind Rückblicke auf Koras Krankenhauszeit, die trotz nüchterner Erzählweise die für sie einschneidende Erfahrung von Gebrechlichkeit anschaulich machen und sie ihre bisherigen Gewissheiten infrage stellen lässt.

Neben der Geschichte Koras gibt es einen zweiten Erzählstrang, der von dem Verschwinden Leonies, der Ehefrau von Koras langjährigem Freund Felix handelt. Koras Recherchen nach ihrem Verbleib und Leonies Gründen für ihr Verschwinden werfen genau die Fragen auf, die auch sie selber derzeit umtreiben.

„Was wissen Liebende jemals wirklich voneinander? Was können sie überhaupt voneinander wissen?“

Das Streben Koras nach Abstand in ihrer Ehe spiegelt sich in der sachlichen, distanzierten Sprache der Erzählerin, die das Geschehen aus Koras Perspektive schildert. Die in die Handlung wiederholt eingestreuten „Fünf Punkte“, die insbesondere Koras Beziehung zu Anselm und zu Paarbeziehungen generell analysieren, unterstreichen diese Distanziertheit, indem sie wie eine nüchterne Bestandsaufnahme und ein recht emotionsloses Abwägen wirken.

Leider gelingt es der Autorin nicht, die beiden Hauptfiguren Kora und Anselm überzeugend darzustellen. Werden die Beiden zunächst als harmonisches Paar, voller gegenseitiger Zuneigung und als reflektiert handelnde Charaktere geschildert, so erscheint ihr Verhalten im Verlauf des Romans konstruiert und unglaubwürdig. Koras Fragen nach der Tragfähigkeit ihrer Beziehung zu Anselm und ihren eigenen Zukunftswünschen sind zwar völlig nachvollziehbar. Die mangelnde Kommunikation des Paares darüber, Koras Flucht nach Berlin und das Schweigen über ihre Beweggründe wirken jedoch ebenso wie Anselms Reaktion darauf künstlich und nicht überzeugend.

Fazit

Ein thematisch interessanter und sprachlich gelungener Roman, der trotz nicht vollständig überzeugender Hauptfiguren lesenswert ist.

Die Liebe, später

Gisa Klönne, Rowohlt

Die Liebe, später

Ähnliche Bücher:

Deine Meinung zu »Die Liebe, später«

Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

Film & Kino:
The Crown - Staffel 3

Die Queen in ihrer vordergründig repräsentativen Rolle ist eine zeitgeschichtliche Ikone, sodass der Erfolg der seit 2016 bei Netflix laufenden Serie „The Crown“ nicht verwundert. Die dritte Staffel markiert allerdings einen Umbruch: Die Royal Family ist in den 60er-Jahren angekommen und viele Rollen werden neu besetzt, da auch die Blaublüter nicht vor dem Altern gefeit sind. Titel-Motiv: © Des Willie / Netflix

zur Film-Kritik