Der richtige Zeitpunkt zum Handeln ist jetzt.
Alba, isländische Sprachwissenschaftlerin und Dozentin an der Universität in Reykjavík beschäftigt sich beruflich vorzugsweise mit kleinen, vom Aussterben bedrohten Sprachen. Als anerkannte Expertin auf diesem Gebiet nimmt sie häufig an internationalen Konferenzen über Kleinsprachen teil, die meistens in abgelegenen Regionen der Welt stattfinden. Albas Leben verändert sich grundlegend, als ihr die Dimension des CO2 - Ausstoßes ihrer beruflichen Flugreisen deutlich wird und dies der Anstoß zu einer völligen Neuausrichtung ihres Lebens wird.
Visionen folgen, einen Neustart wagen
Alba kauft ein zufällig entdecktes, abgelegenes Haus mit großem Grundstück auf dem Land und beschließt, dort ihr Baumpflanzprojekt zu verwirklichen, trotz der schwierigen äußeren Gegebenheiten in der kargen Landschaft. Fünftausendsechshundert Bäume, so viele braucht es, um den CO2 - Ausstoß ihrer Flugreisen eines Jahres zu kompensieren. Je tiefer sie in dieses Projekt einsteigt, desto mehr stellt sie ihr bisheriges berufliches Leben in Frage. Als eine frühere Affäre mit einem ihrer Studenten ihre wissenschaftliche Karriere zu belasten droht, kündigt sie ihre Stelle an der Universität. Alba findet ihren Platz in der Dorfgemeinschaft und engagiert sich ehrenamtlich als Sprachlehrerin für Flüchtlinge. Einer von ihnen, der sechzehnjährige Waise Danyel wächst ihr mehr und mehr ans Herz und wird schließlich ihr Pflegesohn. Gemeinsam mit Danyel gelingt es Alba, ihren persönlichen Garten Eden gegen alle äußeren Widrigkeiten entstehen zu lassen.
Gelungene Komposition
Die Autorin gestaltet den Roman um die Linguistin und ich - Erzählerin Alba sehr überzeugend und authentisch. Immer wieder lässt sie die Protagonistin eingestreute Phänomene der isländischen und Besonderheiten anderer „kleiner“ Sprachen erläutern. Albas Konzentration ist lange Zeit beherrscht von den Betrachtungen einzelner Wörter, ihrer Stämme, Deklinationen etc. Erst nach und nach kann sie sich davon befreien und zu innerer Ruhe finden. Alba gelingt es, sich von der viel beschäftigten Sprachwissenschaftlerin zur Gartengestalterin mit sozialem Engagement zu entwickeln. Die behutsame, ruhige Sprache und die beeindruckenden Naturbeschreibungen machen das Buch zu einem atmosphärisch stimmigen Leseerlebnis. Albas Traum vom Blick auf die zerbrechliche Erde, zu Beginn, und ihre Vision einer hoffnungsvollen Zukunft für die Schöpfung, am Ende, des Buches bilden einen gelungenen Handlungsrahmen.
Fazit
Die Geschichte einer engagierten Frau, die in der rauen Landschaft Islands die Chancen zum Neubeginn nutzt, dort ihren persönlichen Garten Eden erschafft und sich auf diese Weise selbst neu findet. Ein Hoffnung machendes Buch, absolut lesenswert.



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