Tage ohne Cecilia

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Monika Wenger
93

Belletristik-Couch Rezension vonOkt 2022

Rückschau und Neuausrichtung

Ein älterer Mann wartet in Lissabon auf die Ankunft seiner Frau Cecilia. Während eines Aufenthalts in der Stadt am Tejo haben sich die beiden in einem ruhigen Quartier eine Wohnung gekauft. Sie soll ihr neuer Rückzugsort werden, soll die Erinnerungen tilgen, die nach den schrecklichen Ereignissen in New York im September 2001 noch immer quälend im Raum stehen. Der Ich-Erzähler ist Frührentner. Die ihm im Übermass zur Verfügung stehende Zeit nutzt er für den Umzug.

Während er Cecilias Ankunft herbeisehnt, erzählt er aus seinem Leben. Der Umzug von New York und das Einrichten der neuen Wohnung verkürzen ihm dabei die Wartezeit. Seine Frau ist eine renommierte Forscherin im Gebiet der Neurologie und möchte ihr Projekt in den Staaten abschliessen, bevor sie nach Europa kommt. Doch die Zeit zieht sich hin und es stellt sich die Frage, wann und ob Cecilia kommt.

«Ich habe mich bemüht, alles in dieser Wohnung für unser Leben hier einzurichten, für Cecilias Rückkehr, für ein möglichst angenehmes Warten auf das Ende der Welt, das täglich näher rückt, vielleicht sogar für ein glückliches Überleben nach der Katastrophe.» (Quelle: Roman)

Zwei Städte – zwei Leben

Antonio Muñoz Molina erzählt bildhaft und detailliert von den beiden Grossstädten Lissabon und New York. Mit ihm spaziert man durch die Strassen und Gassen, nimmt die Stimmung auf und wähnt sich vor Ort. Er ist ein genauer Betrachter und Beobachter und weiss dies in Worte zu fassen. Während den Rundgängen durch Lissabon und den Ereignissen in New York flicht er Wissenschaftliches aus Cecilias Alltag ein und baut den Spannungsbogen geschickt auf.  Es scheint, als ob Cecilia ihre Ankunft hinauszögert. Es verdichten sich die Hinweise, dass die Geschichte eine überraschende Wendung nehmen könnte. Der Ich-Erzähler verheddert sich in seinen Erinnerungen, wird misstrauisch, ängstlich und kapselt sich ab. Und noch immer ist Cecilia nicht gekommen.

Die subtilen Veränderungen, die immer drängender werdenden Fragen, beschreibt der Autor in einer Intensität und Raffinesse, die ihresgleichen suchen. Nichts scheint mehr klar, aber vieles ungeklärt – Fragen, die alle erst am Schluss beantwortet werden. Oder doch nicht?

Fazit

Spannend und tiefgründig ist die Geschichte über das Warten, die Angst und die Erinnerung. Es ist ein vielschichtiger Roman, der sich zweier unterschiedlicher Städte als Symbole für die zwei Welten des Ich-Erzählers bedient. Eine intensive und raffinierte Erzählung über einen vereinsamenden Menschen.

Tage ohne Cecilia

, Penguin

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