Niki de Saint Phalle und die Pracht der Frauen

  • Insel
  • Erschienen: Mai 2022
Niki de Saint Phalle und die Pracht der Frauen
Niki de Saint Phalle und die Pracht der Frauen
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Carola Krauße-Reim
68

Belletristik-Couch Rezension vonJul 2022

Nicht Fisch nicht Fleisch

Gabriela Jaskula ist promovierte Kunsthistorikerin und Journalistin. In ihrem siebten Roman verbindet sie das Leben von zwei Frauen – der fiktiven Restauratorin Martha Grünhold und der umstrittenen Künstlerin Niki de Saint Phalle.

Martha restauriert Nanas

Martha Grünhold ist eine der wenigen ihrer Zunft, die es verstehen Kunstwerke aus Kunststoff zu restaurieren. Jetzt soll sie sich dem riesigen „L‘ange protecteur“ widmen, der im Züricher Hauptbahnhof von der Decke hängt und dringend gereinigt werden muss. Zunächst geht Martha sehr kritisch ans Werk, nicht nur was die Plastik betrifft, auch die Künstlerin Niki de Saint Phalle ist ihr etwas suspekt. Doch je länger sie sich mit Saint Phalle, ihrem Leben und ihrer Kunst beschäftigt, desto größer wird ihr Interesse, bis sie sich zum Schluss als führende Restauratorin für die Werke dieser Künstlerin etabliert und ihr berufliches Leben ganz auf sie ausrichtet.

Niki de Saint Phalle

1930 wurde de Saint Phalle als Tochter eines adligen französischen Bankiers und einer Amerikanerin geboren. Lange lebte Niki bei ihren Großeltern in Frankreich, doch ihre Kindheit war geprägt von vielen Umzügen, die ihr nicht ermöglichten Wurzeln zu schlagen und heimisch zu werden. Als Jugendliche wurde sie mehrere Jahre vom Vater missbraucht, was sie nach eigenen Angaben alternativlos zur Kunst brachte: „Ich umarmte die Kunst als Erlösung und Notwendigkeit“ (Ausstellungskatalog München 1987).

Ab 1956 wurde man durch ihre Schießbilder auf sie aufmerksam, die für sie eine Art Befreiungsakt waren. Doch wirklich berühmt wurde Saint Phalle durch ihre Nanas – riesengroße Frauen-Plastiken aus Kunststoff, bunt bemalt mit barocken Formen und enorm provokant. Sie zeigen die ganze Weiblichkeit einer Frau: tief verwurzelte Kraft kombiniert mit überschäumender Lebenslust und innerer Weisheit. „Alle Macht den Nanas“ - das war fortan das Motto der Künstlerin, die in diesem Stil auch einen s.g. Tarotgarten in der Toskana gestalten wollte. Niki de Saint Phalle hat auch in Deutschland ihre Spuren hinterlassen, vor allem in Hannover, der Stadt, an deren Leineufer drei wunderbare Nanas stehen und der sie weitere 300 ihrer Werke vermachte. Saint Phalle starb 2002 in San Diego, gezeichnet durch die lange Arbeit mit Kunststoffen.

Warum nicht gleich eine Biografie?

Gabriela Jaskulla hat zwei Protagonistinnen in ihrem Buch: Martha und Niki. Durch Martha macht sie die ganze Problematik rund um das Werk und der Künstlerin selbst fest. Sie lässt Martha gerade die Nanas hinterfragen, zeigt die Probleme der Restaurierung und führt aufgrund Marthas anfänglicher Skepsis in die Biografie der umstrittenen Künstlerin ein. Dabei blickt die Restauratorin während ihrer Arbeit zurück auf das Leben von Niki, die dann wiederum noch eigene Einblicke in ihre Vergangenheit zulässt. Das ist manchmal etwas verwirrend und führt zu der Frage, warum die Autorin den Umweg über eine Romanbiografie gegangen ist. Marthas berufliche Beschäftigung mit Saint Phalles Skulpturen ist zwar ganz interessant, jedoch ist das alles nur Aufhänger für die Biografie und Werkschau der Künstlerin.

Jaskulla schreibt sehr interessant und einnehmend, doch hätte sie so auch eine reine Biografie verfassen können, vor allem, da sie viel Kunstwissen bei ihrer Leserschaft voraussetzt, indem sie reichlich andere Künstler nennt, ohne diese näher vorzustellen. Damit ist das vorliegende Buch weder Fisch noch Fleisch – für reine Romanleser zu spezifisch und für Fachbuch-Interessierte zu wenig.

Fazit

Eine Romanbiografie, die für sachlich Interessierte zu belletristisch sein dürfte und für eine marginal an Niki de Saint Phalle interessierte Leserschaft zu spezifisch. Jedoch schafft Jaskulla es auf jeden Fall, Aufmerksamkeit für die Künstlerin und ihr Werk zu wecken. 

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