Tausend kleine Träume

  • Knaur
  • Erschienen: Mai 2022

- OT: Em & Me

- aus dem Englischen von Simone Jakob & Anne-Marie Wachs

- TB, 336 Seiten

Tausend kleine Träume
Tausend kleine Träume
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Monika Wenger
81

Belletristik-Couch Rezension vonJul 2022

Dringend neuer Job gesucht

Erweist sich der Rauswurf aus Gios Café als Wegbereiter für Delphine Jones’ neues Leben? Erst einmal ist es ein Desaster. Wie gut, dass es noch den zweiten Job als Putzfrau gibt. Delphines’ Finanzen sind seit Jahren aus dem Lot und sie bräuchte dringend eine gut bezahlte Arbeit. Aber das ist absolutes Wunschdenken.

Nun muss sie sich schleunigst um eine neue Einnahmequelle kümmern. Schliesslich ist sie verantwortlich für ihren Vater und ihre elfjährige Tochter Em. Ihr Vater ist nach dem Unfalltod seiner Ehefrau, Delphines Mutter, in eine tiefe Depression gefallen und lebt meistens in seiner eigenen Welt. Delphine ist mit sechzehn Jahren schwanger geworden und musste die Schule ohne Abschluss beenden. Vater und Tochter sind ihr Lebensmittelpunkt und so kämpft sie Tag für Tag, damit es ihren Liebsten gut geht. Da bleibt vieles auf der Strecke – auch tausend kleine Träume.

Der Wendepunkt

Mit aktiver Unterstützung von Tochter Em und deren Lehrerin Roz erhält Delphine einen Job in Selassies Restaurant. Die Anstellung scheint ein Wendepunkt zu markieren. Ems Lehrerin Roz, häufige Besucherin im Restaurant, motiviert Delphine, ihren Abschluss nachzuholen und ein Studium in Betracht zu ziehen. Doch noch ist Delphine nicht soweit.

Beth Morrey erzählt vom arbeitsreichen und komplizierten Leben einer jungen Frau, die mit dreizehn Jahren die Mutter verliert und mit sechzehn schwanger wird. Sie stellt ihre Träume hinten an und widmet sich mit Hingabe ihrer Tochter und ihrem depressiven Vater. Die prekäre finanzielle Lage ist ein Dauerzustand und ohne Ausbildung bleiben Delphine nur schlecht bezahlte Jobs.

Diese Gratwanderungen zwischen Arbeit und Familie fliessen überzeugend in den Roman ein und zeigen das Leben einer einsamen Kämpferin. Zwischendurch flicht die Autorin Episoden aus der Vergangenheit ein. Zunehmend wird deutlich, wie Delphines Leben in Schieflage geraten ist. Die fehlende Mutter und Lebensberaterin, der in sich zurückgezogen Vater, der seine Tochter gewähren liess und das mangelnde Selbstbewusstsein eines Teenagers – eine unheilvolle Kettenreaktion setzt ein.

Zögerlich kündigt sich die Kehrtwende in Delphines Leben an. Auf einmal sind da Menschen, die einen positiven Einfluss ausüben. Sie nehmen Delphine wahr. Sie bestärken und unterstützen sie in ihren Zielen und Träumen. Menschen, die sie mit dem Herzen sehen. Nun scheinen Delphine Flügel zu wachsen.

«Es war, als wäre ein Ventil geöffnet worden, und nun strömten all diese Sehnsüchte heraus und überwältigten mich. Vor langer, langer Zeit hatte ich so hochgesteckte Ziele gehabt, aber ich hatte die Flasche zukorken müssen, sie auf das oberste Regalbrett gestellt, wo sie Staub angesetzt hatte.» (Quelle: Roman)

Delphine erzählt ihre Geschichte selber. Das verstärkt die Wirkung des Geschehens um ein Vielfaches. Ihre Wahrnehmung und ihre Sichtweise zeigen, wie die junge Frau versucht, ihr Leben zu meistern und manchmal beinahe verzweifelt. Irgendwann finden die Träume und Sehnsüchte einen Weg in das Bewusstsein und werden Wegbereiter. Der Roman ist leicht und flüssig geschrieben und mit einer exakt dosierten Prise Humor ausgestattet, so dass die Zeit beim Lesen nur so fliegt.

Fazit

Ein Roman, der aufzeigt, was die richtigen Menschen im Umfeld bewirken können. Wie der Einzelne über sich selber hinauszuwachsen vermag. Beth Morrey hat eine bewegende und berührende Geschichte geschaffen, die zeigt, wie Hoffnung, Ausdauer und die Liebe ein Leben verändern können.

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