Die New-York-Trilogie

Erschienen: Januar 1989

Bibliographische Angaben

  • New York: Penguin, 1990, Titel: 'The New York trilogy', Seiten: 471, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1989, Seiten: 374, Übersetzt: Joachim A. Frank

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Jeder der drei Romane der "New York-Trilogie" wirkt zunächst wie eine klassische, spannungsgeladene Kriminalgeschichte, die den Leser mit raffiniert ausgelegten "Ködern" in den Bann zieht. Aber bald scheinen die vordergründig logischen Zusammenhänge nicht mehr zu stimmen. Die Rollen der Täter und der Opfer, der Verfolger und der Verfolgten verschieben sich auf rätselhafte Weise. Schritt für Schritt wird der Beobachter - der Detektiv, Autor, Leser - aus seiner sicheren Distanz gelockt und in ein Spiel mit seinen eigenen Erwartungen verstrickt.

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Letzte Kommentare:
11.04.2019 15:50:25
Markus Wildenblanck

Meisterwerk der Postmoderne

Paul Auster gilt weithin als einer der besten amerikanischen Autoren der letzten Jahrzehnte, und dies ist sein berühmtestes Buch. Die New York-Trilogie besteht aus 3 Erzählungen, "Stadt aus Glas", "Schlagschatten", "Hinter verschlossenen Türen".

Dies sind der Form nach drei Kriminalgeschichten, die Variationen eines Themas durchspielen: die Suche und Beobachtung eines Menschen, die letzendlich zur Suche nach sich selbst und der Beobachtung, Reflexion und Bewertung des eigenen Lebens wird.

Auster knüpft für die Ausgangssituation an der ohnehin bereits düsteren Stimmung klassischer Hardboiled Krimis der 40er und 50er Jahre an, so wie die Chandlers oder Hammetts. Von Anfang an fühlt man sich wie in einem Film Noir mit Humphrey Bogart: Detektive treten in Aktion, geheimnisvolle Anrufe werfen Leben aus der Bahn, mysteriöse Femme Fatales treten ins Leben der Protagonisten. Vergangene, vergessene Erlebnisse werden wach und unvermutet wichtig Skurille Gestalten tauchen auf.

Doch von da an nimmt das Buch einen viel tieferen, verwirrenderen und teils noch düsteren Verlauf, als wir es am Anfang ahnen konnten. Dieses Buch zieht sämtliche Register der postmodernen Literatur: Querverweise, Zweifel, Verwischen der Grenzen zwischen der Welt des Buches und unserer Realität, Thematisierung von Nicht-Kommunizierbarkeit, Verlorenheit in der Welt, autobiographsiche Bezüge, selbstreferentielle Bezüge des Textes auf sich selbst. Anekdoten über bekannte Persönlichkeiten, Querverweise, und natürlich immer wieder die Frage nach der eigenen Identität, nach dem Verhältnis von Schicksal und Zufall, nach der Möglichkeit einer Geschlossenheit der eigenen Biographie.

Mich hat die schriftstellerische Fähigkeit Austers sehr beeindruckt. Obwohl von der Sprache her nicht schwierig, ist dies natürlich kein leichter Lesestoff. Postmoderne Literatur ist nie eine der Erbauung, eine Literatur der Sammlung, sondern eine der Zerrissenheit und der Auflösung. Wer daher nicht die angesprochenen Probleme bereits in sich angelegt fühlt, sollte vielleicht lieber zu angenehmerer Lektüre greifen. Für alle Suchenden und Zerrissenen jedoch gute Wahl, da am Ende auch so eine Art Katharsis erfolgt.

Dieses Buch steht ganz klar in der Tradition Kafkas und Max Frischs, und damit natürlich auf der Schulter von Giganten. Wenn die Themen auch nicht neu sind, so bin ich trotzdem sehr beeindruckt von Austers Schreibe, und gemeinsam mit Houellenbeq ist er wohl einer der besten "düsteren" Autoren der neueren Zeit.

Wem das Buch gefällt, rate ich zu "Im Land der letzten Dinge", das in eine ähnliche Kerbe schlägt.

29.09.2011 10:45:05
Stefan83

Drei Geschichten ohne wirkliches Ende? Erzählungen, die mehr Fragen stellen und offen lassen, als sie beantworten? Und doch ein moderner Klassiker? Nein, keine Widersprüche in sich, sondern Merkmale von Paul Austers erstem großem Werk, der Hochgerühmten "New-York-Trilogie", die mich nun endgültig zum Bewunderer dieses amerikanischen Autors hat werden lassen. Jeder der drei Romane wirkt zunächst wie eine klassische, spannungsgeladene Kriminalgeschichte, die den Leser mit raffiniert ausgelegten "Ködern" in den Bann ziehen soll. Doch dann verschieben sich die Perspektiven, scheinen die vordergründig logischen Zusammenhänge nicht mehr zu stimmen. Die Rollen der Täter und der Opfer, der Verfolger und der Verfolgten verändern sich auf rätselhafte Weise. Und mit ihm schließlich auch der Leser, der zwischen allen drei Handlungen eine Verbindung sucht, welche stets vorhanden und doch nie präsent ist. Die Geschichten seien kurz angerissen:

In "Stadt aus Glas" erhält Daniel Quinn, ein Kriminalautor, mitten in der Nacht den Anruf eines Fremd und wird auf Grund eines Missverständnisses in eine Affäre hineingezogen, die komplizierter und undurchsichtiger ist als alles, was er bisher in seinen eigenen Büchern geschrieben hat: Quinn wird, ohne dass ihm Zeit zum Nachdenken bleibt, als Detektiv unter den Namen Paul Auster zur Observierung ausgeschickt...

"Schlagschatten" wiederum ist Blues Geschichte, der von White den Auftrag erhält Black zu beobachten. Ohne über die Hintergründe aufgeklärt worden zu sein, lässt der junge Privatdetektiv sich auf den Fall ein und beschattet Black tag ein und tag aus. Bald muss er feststellen, dass seine bewährten Methoden nicht greifen und dass sich Realität und Täuschung nicht mehr ohne weiteres voneinander unterscheiden lassen...

"Hinter verschlossenen Türen" (Diese Geschichte hat mir persönlich am besten gefallen) erzählt vom spurlosen Verschwinden des Schriftstellers Fanshawe, dessen bester Freund aus frühester Kindheit die Rolle des Nachlassverwalters übernimmt und sich dafür einsetzt, dass Romane und Gedichte des Autors veröffentlicht werden. Er heiratet schließlich auch dessen Frau Sophie und dringt bei seinen Nachforschungen immer tief in Fanshawes Vergangenheit ein. Bis eines Tages die Welt für ihn zusammenbricht, als er den Hinweis bekommt, dass dieser noch lebt...

Auster hat sich in seinem Debütwerk augenscheinlich sehr an dem klassischen Detektivroman orientiert, der in allen drei Erzählungen deutlich durchschimmert, jedoch stets ohne Ende ist. Seine Figuren sind Menschen aus unserer Mitte und doch auch völlig anders. Sorgende Väter, trauernde Ehemänner, die aber alle am Grade zur Selbstzerstörung wandeln. Die augenscheinliche Normalität ist ein klug inszeniertes Trugbild, das nur kurz bestand hat, bis die Absurdität Einzug hält, das Schizophrene an die Oberfläche bricht. Worin hier für den Leser die Faszination besteht, ist wie immer schwer zu beschreiben, denn Auster schreibt rätselhaft, nebulös und bizarr. Er spielt mit den Erwartungen des Lesers, verschiebt Perspektiven wie Figuren beim Schach, legt falsche Fährten. Man könnte darüber in Verzweiflung geraten, würde er dies nicht so brillant, so meisterhaft tun. Unmöglich Austers Worten zu widerstehen, sich nicht von seinen Worten fesseln, in die Figuren, die Handlung, die Umgebung hineinziehen zu lassen. Dieses Buch beschäftigt den Leser, lässt ihn die Zeit vergessen und über das Ende der Lektüre hinaus mit Fragen beschäftigen, welche unser Herz berühren. Selten war Großstadtanonymität so lesbar, spürbar, hat das offene Ende einer Geschichte derart einsam gemacht. Über knapp 380 Seiten lebt und atmet man diese Geschichten, welche letztendlich einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen und doch in jeder Zeile die Macht des geschriebenen Wortes verdeutlichen.

Insgesamt ist die "Die New York Trilogie" ein grandioses, stilistisches Meisterstück über die zerbrechliche Normalität des Alltags, das gleichermaßen berührt, verwirrt und unterhält, und das völlig zu Recht als moderner Klassiker gilt. Unheimlich lesenswert und eine Empfehlung für alle Freunde von tiefgründiger Literatur