Leuchtfeuer: Die Schwestern vom Waldfriede

  • Penguin
  • Erschienen: Juni 2022

 - TB, 550 Seiten

- Bd. 2 [Waldfriede-Saga]

Leuchtfeuer: Die Schwestern vom Waldfriede
Leuchtfeuer: Die Schwestern vom Waldfriede
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Monika Wenger
72

Belletristik-Couch Rezension vonAug 2022

Flucht und Neubeginn

Potsdam, 1925: Lilly Wegner verlässt als fünfzehnjährige bei Nacht und Nebel ihr Elternhaus. Ein wohlwollender Schaffner rät ihr, die Missionsschwestern am Bahnhof in Berlin aufzusuchen. Bei ihnen finde sie Schutz und könne dann weitersehen. Fünf Jahre später erhält Lilly eine Anstellung bei Dr. Louis Conradi in der Klinik Waldfriede in Berlin-Zehlendorf.

Ein langer Weg

Die Missionsschwestern haben sich Lilly angenommen und sie konnte eine Ausbildung als Krankenschwester in der Charité absolvieren. Fünf Jahre später verliert sie wegen der Wirtschaftskrise ihre Anstellung. Das ist besonders schlimm, weil Lilly auf ihr kleines Einkommen angewiesen ist. Tagelang durchforstet sie am Kiosk die Zeitungen nach einer Stelle. Endlich wird sie fündig: Die Klinik Waldfriede sucht eine Krankenschwester. Das Vorstellungsgespräch läuft nicht nach Lillys Wünschen, doch schlussendlich wird sie als Kinderkrankenschwester eingestellt.

Erstmals arbeitet Lilly nun mit Kindern. Diese sind an Knochentuberkulose erkrankt und verbringen Wochen und Monate in der Klinik. Zu Beginn ist Lilly noch sehr zurückhaltend, doch sie lernt rasch und sie verfügt über ein glückliches Händchen mit den Kindern. Mit der Zeit geht Lilly in ihrer Arbeit auf und arrangiert sich immer besser mit ihrem etwas kauzigen Vorgesetzten. Ein grosse Hilfe ist ihr Schwester Hanna Richter, die Sprechstundenhilfe des Klinikleiters Dr. Conradi.

«Ich komme aus Friedensau», sagte sie dann. «das liegt in der Nähe von Magdeburg und wurde 1899 von unserer Gemeinschaft gegründet. Sie betreibt dort eine grosse Lehranstalt und ein Sanatorium. Beinahe alle Schwestern, die hier arbeiten, gehören der Friedensauer Schwesternschaft an.» (Quelle: Roman)

Im zweiten Buch über die Klinik Waldfriede, die von der Gemeinschaft der Siebenten-Tages-Adventisten, einer Freikirche, geführt wird, steht die Kinderkrankenschwester Lilly Wegner im Vordergrund. Corina Bomann hat ihre Geschichte in der Zeit von 1925 bis 1936 angesiedelt. In dieser Zeit verstärkt sich die Wirtschaftskrise rasant und die Nazis ergreifen schleichend die Macht in Deutschland. Das hat auch für das Waldfriede einschneidende Folgen: Dr. Conradi muss immer wieder die Glaubensgemeinschaft verteidigen und richtigstellen, dass diese nicht zum Judentum gehört. Die Drohung, die Klinik zu schliessen, hängt jedoch wie ein Damoklesschwert über der Institution. Auf Geheiss muss der Klinikleiter allen jüdischen Angestellten kündigen. Das hat für das Waldfriede einschneidende Folgen. Die Abteilung für die Behandlung der Knochentuberkulose muss geschlossen werden. Das verändert auch das Leben von Lilly Wegner, die für ihr Lebensglück gleich an zwei Fronten kämpft.

«Da haben sie recht, aber die Welt wäre vielleicht ein besserer Ort, wenn es mehr Menschen gäbe, die Vertrauen verdient hätten.» (Quelle: Roman)

Die historischen Hintergründe hat Corina Bomann sehr schön mit der fiktiven Geschichte verknüpft. Auch die Chronik des Waldfriede fügt sich perfekt ein, so dass das Gesamtbild gelungen ist. Mit über sechshundert Seiten ist das Buch kein Leichtgewicht, liest sich aber im Schnelltempo.

Fazit

Eine gelungene Verknüpfung von Historie, Chronik und Fiktion. Leichtfüssig und unterhaltsam, ist der dicke Wälzer im Nu gelesen.

Leuchtfeuer: Die Schwestern vom Waldfriede

, Penguin

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