Villa Fortuna

Erschienen: Mai 2021

Bibliographische Angaben

- TB, 448 Seiten

Couch-Wertung:

87
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Julian Hübecker
Belmonte als Ort der Neuanfänge

Buch-Rezension von Julian Hübecker Mai 2021

Johanna wächst behütet in einem kleinen Dorf im Allgäu auf. Doch ihre unbeschwerte Jugend endet, als sie unbeabsichtigt schwanger wird. Ihre Familie verhält sich ihr gegenüber kalt und distanziert; nur ihr älterer Bruder Max hält zu ihr. Doch ihre Schwangerschaft wird das Ende in vielerlei Hinsicht bedeuten, ehe sie in Belmonte, Italien, ein neues Leben beginnt ...

„Das musste die Italienerin sein, die heute Nacht im Zimmer nebenan in den Wehen gelegen hatte, und es war ihr Kind, das der Bestatter gerade mit sich nahm.“

Wieder einmal ist Belmonte der Ort, wo Vergangenheit und Gegenwart aufeinander treffen: Diesmal ist es Johanna, die in einer abgelegenen Hütte Ruhe sucht und nur ihre Hunde als Gesellschaft braucht. Doch eines Tages taucht ein Amerikaner auf und behauptet, ihr Sohn zu sein. Jener Michael wurde adoptiert, seine Adoptiveltern zogen bald in die USA. Auch wenn Johanna einen direkten Bezug zu Michael hat, weiß sie doch, dass er unmöglich ihr Sohn sein kann. Sein Auftauchen führt sie in eine Vergangenheit zurück, die sie lange Zeit wegzuschließen versuchte.

1975 träumt Johanna noch von ihrer Urlaubsliebe Emilio. Doch als er erfährt, dass sie schwanger ist, meldet er sich nicht mehr zurück. Zumindest von ihrer Mutter, zu der sie immer ein gutes Verhältnis pflegte, erhofft sie sich Unterstützung. Doch auf einmal wird sie in der Familie als Aussätzige behandelt, über die sich das Dorf das Maul zerreißen wird. Daher soll sie ihre Schwangerschaft geheim halten. Als diese schließlich nicht mehr zu verheimlichen ist, kommt Johanna in das Entbindungsheim für gefallene Mädchen. Was sie nicht weiß: Hier geborene Kinder werden zur Adoption freigegeben. Über diesen Verlust soll sie nie hinwegkommen - bis sie schließlich die ganze Wahrheit erfährt …

Ein Drama auf mehreren Ebenen

Antonia Riepp konnte bereits mit ihrer deutsch-italienischen Familiensaga Belmonte begeistern, die nach dem Ort benannt ist, in dem es sich nach einer dramatischen Vergangenheit offenbar sehr gut leben lässt. Das italienische Flair spürt man jedenfalls sehr deutlich. Nun versucht Johanna hier ihre Vergangenheit zu vergessen. Dabei hütet sie ein Geheimnis, das unmittelbar mit einer anderen Frau aus dem Ort zu tun hat – das an dieser Stelle aber noch nicht verraten werden soll.

Die Autorin schafft es mit Leichtigkeit, die unterschiedlichen Erzählstränge zu verknüpfen, ohne allzu viel zu früh vorwegzunehmen. So wirkt über lange Zeit das Buch gar nicht wie eine Familiensaga, bis schließlich aus der Sicht einer weiteren Protagonistin erzählt wird, die ein tragisches Bild um das Entbindungsheim liefert und eine Richtung einschlägt, mit der man nicht rechnet. Riepps süffiger, kraftvoller Schreibstil trägt diese Geschichte auf besondere Weise, bis sie schließlich bittersüß ein Ende findet.

Fazit

Eine Familiensaga mit einigen überraschenden Wendungen, die aber ein schlüssiges Gesamtbild ergeben und ein dramatisches, aber auch befriedigendes Leseerlebnis bescheren.

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