Das Grand Hotel: Die mit dem Feuer spielen

Erschienen: März 2021

Bibliographische Angaben

- TB, 512 Seiten

- Bd. 2

Couch-Wertung:

78
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Alexandra Hopf
Rückkehr ins Grandhotel

Buch-Rezension von Alexandra Hopf Apr 2021

Bernadette von Plesow führt weiterhin ihr Hotel mit fester Hand, und die Geschäfte laufen blendend. Aber auch wenn sie nach außen hin stark wirkt, ist sie doch sehr von ihrer Trauer niedergedrückt. Der erneute Schicksalsschlag, den sie verkraften muss, lastet schwer auf ihr; der Verlustes ihres Sohnes Alexander wird verstärkt durch die Tatsache, dass sie sich im Streit getrennt haben. Während alle glauben, Alexander sei durch einen tragischen Unglücksfall zu Tode gekommen, kennt einzig Constantin Plesow den wahren Grund, warum sein Bruder gestorben ist. Während er wie gewohnt seine zwielichtigen Geschäfte in Berlin führt, verfolgt er nur ein Ziel:  sich an den Verantwortlichen für Alexanders Tod zu rächen.

Als Josephine nach Binz zurückkehrt und ihrer Mutter eröffnet, sich zukünftig mehr im Hotel miteinzubringen und ihre Künstlerkarriere hinten anzustellen, gibt das Bernadette wieder Auftrieb, und Josephines Anwesenheit tut ihr sichtlich gut. Plötzlich taucht aber noch jemand in Binz auf: Johannes Blumberg, ein unehelicher Sohn von Leopold von Plesow, und damit ein vermeintlicher Schwager von Bernadette. Was ist der Hintergrund seines Besuches? Geht Gefahr von ihm aus? Und kommt er hinter das dunkle Geheimnis von Karl Plesow?

Familiensaga geht gewohnt unterhaltsam weiter

Nach genau einem Jahr Wartezeit geht die Geschichte der Familie Plesow weiter. Trotz der längeren Zeitspanne findet man recht schnell wieder ins Geschehen zurück. Dies liegt zum einen am Prolog: Hier ist der Brief von Bernadettes Mann abgedruckt, der im ersten Band eine Schlüsselrolle einnahm und das dunkle Familiengeheimnis der Plesows beschreibt; zum anderen aber auch an den  geschickt eingefügten Rückblicken, was sich bisher ereignet hat. Somit könnte man sich auch ohne Vorkenntnis des ersten Bandes zurechtfinden - dies ist aber nicht wirklich empfehlenswert, zumal die Protagonisten doch eine beachtliche Entwicklung durchmachen.

Erschien Josephine im ersten Teil noch als sehr verwöhnt und als hätte sie nur ihre Malerei im Kopf, wirkt sie nun sehr sympathisch und bodenständig. Die harte Bernadette wahrt zwar immer noch diesen Schein, zeigt aber hier neuerdings mehr Gefühle, was ihr Erscheinungsbild beim Leser positiv beeinflusst. Der Sohn Constantin, der in Berlin das Hotel Astor und das dazugehörige Varieté führt, bekommt diesmal deutlich mehr zu tun; er zeigt sich immer noch eiskalt und abgebrüht - anders könnte er in dem zumeist illegalen Milieu, in dem er sich bewegt, gar nicht bestehen. Der Leser erhält wieder tiefe Einblicke in die brutale Unterwelt Berlins - doch man sieht auch Constantins weiche Seite, die ihm durchaus gefährlich werden kann.

Wie bereits im ersten Teil taucht auch hier immer wieder der Akkordeonspieler an der Strandpromenade von Binz in der Handlung auf - erfreulich, diesmal mehr über das Schicksal des ehemaligen Soldaten zu erfahren. Mehr Präsenz erhält auch Margit Plesow, die Witwe von Alexander: Ihr Egoismus und ihre Geldgier rufen Aggressionen beim Leser hervor. Dazu trägt auch die Gleichgültigkeit, mit der sie ihren eigenen Zwillingen gegenübertritt, bei - ein unsympathischer und nerviger Charakter. Die angenehm übersichtliche Anzahl der Protagonisten wird diesmal durch Johannes Blumberg ergänzt. Seine Erscheinung bleibt zunächst mysteriös; seine Geschichte ist ein eigener Handlungsstrang des Buches.

Offenes Ende mit Aussicht auf Teil 3

Wie bereits im Vorgänger findet kapitelweise ein Wechsel der Erzählperspektive statt. Eingeläutet wird das Kapitel immer mit einem Zitat der erzählenden Person. Durch diesen steten Wechsel ist fortwährend Spannung geboten; diese wird durch den flüssigen und angenehmen Schreibstil der Autorin unterstützt.

Die mit dem Feuer spielen deckt die Zeitspanne von Mai bis August des Jahres 1925 ab. Hier werden die in den 20er Jahren noch bestehenden Klassenunterschiede deutlich: Während die Plesows der Oberschicht angehören, gibt es eben gegensätzlich die Arbeiterschicht, vertreten durch die Charaktere der Angestellten Marie und Lotte.

Der Roman endet mit einigen Fragezeichen, und leider muss der Leser sich nun wieder ein Jahr gedulden, bis es mit der Trilogie weitergeht - denn das Erscheinen des Finalbandes ist für Frühjahr 2022 angekündigt.

Fazit

Insgesamt bietet uns Caren Benedikt einen Roman gespickt mit viel Spannung und Emotionen, aber auch traurigen Momenten. Doch trotz aller Begeisterung bleibt er etwas hinter dem starken Vorgänger zurück.

Das Grand Hotel: Die mit dem Feuer spielen

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