La Maison

  • Rowohlt
  • Erschienen: September 2020

- aus dem Französischen von Claudia Steinitz

- HC, 384 Seiten

La Maison
La Maison
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Sandra Dickhaus
55

Belletristik-Couch Rezension vonApr 2022

Ein Selbstversuch, der es in sich hat

Eine Autorin, die einen Selbstversuch wagt, um diesen Roman schreiben zu können - Emma Becker kommt der Gedanke, in einem Bordell in Berlin für ihr neues Werk zu recherchieren, aber Gespräche mit den Prostituierten und Freiern sind ihr zu einfallslos. So entscheidet sie sich, dort ganze zwei Jahre lang selbst zu arbeiten.

Die Hauptfigur heißt auch so wie sie selbst, sie gibt sich den Künstlernamen Justine. In der Ich-Perspektive erzählt sie von den Erlebnissen im Bordell: das Verhältnis der Arbeitskolleginnen untereinander, die Geschehnisse rund um die Freier und das Gefühl, den eigenen Körper für Geld anzubieten. Dabei führt die Ich-Erzählerin bildlich von Raum zu Raum, um einen Einblick in das Milieu zu gewähren. Der Blick hierauf ist allerdings sehr einseitig, denn Zwangsprostitution beispielsweise wird hier nicht zum Thema gemacht. Dieser Ort, liebevoll „La Maison“ genannt, scheint das Paradies unter den Bordellen zu sein, wohlbehütet und eine Oase der Entspannung.  Natürlich finden auch Freier hier ihren Weg hinein, die gewaltbereit sind, aber überwiegend sind diese schüchtern und zuvorkommend.

Ein aufregendes Spiel?

Das Ganze liest sich eher wie ein Spiel, das aufregend sein soll, und als LeserIn bezweifelt man so manches Mal, dass es immer so lustvoll ist, in einem Bordell zu arbeiten. Viele der Frauen, die dort ihr Geld verdienen, gehen dieser Tätigkeit nach, ohne dass ihre Familien dies wissen, teils weiß der eigene Ehemann nichts davon. Man erfährt viele Gedanken, Gefühle und erlebt Eindrücke, die die Frauen, mit der die Hauptfigur in Kontakt ist, mit nach Hause nehmen. Kleine Exkurse in die Vergangenheit der Ich-Erzählerin führen immer wieder nach Paris, wo ihre große Liebe scheiterte. Das scheint auch der Grund zu sein, dass die Protagonistin nach Berlin zieht und dort ein anderes Leben beginnt.

Vorstellung des Selbstversuchs dennoch abwegig

Irgendwie ist auch nach dem Lesen des Romans die Vorstellung des Selbstversuchs abwegig. Muss man soweit gehen, um schreiben zu können? Das hat nichts mit Prüderie zu tun, sondern eher mit Selbstschutz.

Sicher hat sich die Autorin etwas dabei gedacht und steht auch dazu, aber für so manche Frau würde dies höchstwahrscheinlich nicht infrage kommen. Aber irgendwas fehlt hier dennoch, was genau, kann man nicht sagen. Die Lektüre hat einfach zu viele Längen, da hilft auch das Einbauen literarischer Autoren und Werke nichts mehr. Auch wenn die Sprache ehrlich, auf den Punkt genau und an der einen oder anderen Stelle derber ist, kann das Gesamtgebilde nicht vollständig überzeugen.

Alles wird wie durch eine rosarote Brille gesehen, die Gemeinschaft in „La Maison“ bietet Geborgenheit. Aufgrund der vielen Lobhudeleien und dahinplätschernden Plaudereien ist das Durchhalten beim Lesen eher die große Aufgabe.

Fazit

Ein schwierig einzuordnender Roman, wenn man die Vorgeschichte rund um die Autorin weiß. Um wirklich zu überzeugen, hat dieser eindeutig zu viele Passagen, die langatmig gestaltet sind, die Hälfte der Seitenzahl hätte dem auch Genüge getan!

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