Jamaica Inn

Erschienen: Februar 2020

Bibliographische Angaben

- OT: Jamaica Inn

- neu übersetzt aus dem Englischen von Brigitte Heinrich und Christel Dormagen

- TB, 345 Seiten

Couch-Wertung:

85

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Lisa Reim
In diesem Gasthaus ist nichts, wie es scheint

Buch-Rezension von Lisa Reim Mär 2020

Im Moor von Cornwall liegt das berüchtigte Jamaica Inn. Die Bewohner der Gegend meiden die heruntergekommene Spelunke und auch Gäste betreten das Gasthaus so gut wie nie. Ausgerechnet an diesen Ort verschlägt es die junge Mary nach dem Tod ihrer Mutter. Sie soll fortan bei ihrer Tante Patience und deren Mann Joss Merlyn, dem Wirt des Inns, leben. Doch von einer glücklichen Familienzusammenführung kann nicht die Rede sein: Marys Tante wurde von ihrem Ehemann gebrochen, von der einst so lebensfrohen Dame ist nur noch eine verängstigte und eingeschüchterte Hülle geblieben. Auch Mary muss sich den Schikanen und dem brutalen Verhalten ihres Onkels stellen, doch anders als Patience besitzt die junge Frau einen eisernen Willen. Genau dieser kann ihrem Onkel nun gefährlich werden, denn Joss nutzt das Jamaica Inn als Umschlagplatz für seine Schmuggelgeschäfte. Doch hinter dem zwar unehrenhaften, doch harmlosen Schmuggel steckt ein ungeheuerliches Verbrechen, dem Mary auf den Grund geht. Völlig auf sich allein gestellt, sucht sie Hilfe bei den Bewohnern des Moors. Und ob sie Jem Merlyn, dem verhassten Bruder ihres Onkels, trauen kann, weiß sie nicht - obwohl sie sich immer stärker zu ihm hingezogen fühlt …

Über das Patriarchat und menschliche Abgründe

Daphne du Mauriers Werke gehören längst zu den Klassikern. Dass die britische Autorin gerne mit verschiedenen Genres spielt, wird besonders in ihrem Erfolgsroman Rebecca deutlich. Auch in ihrem früheren Werk Jamaica Inn lassen sich viele verschiedenen Strömungen erkennen: Das Buch ist schaurig wie eine Gothic Novel, spannend wie ein Thriller, romantisch wie ein historischer Roman und fesselnd wie ein Krimi. Hinzu kommt, dass das Jamaica Inn mit entsprechender Schmuggler-Historie tatsächlich existiert, was die packende Wirkung der Geschichte noch verstärkt.

Die Sogkraft des Romans geht jedoch nicht vornehmlich von der Handlung, sondern von seinen Figuren aus, hier vor allem von der Protagonistin und dem Antagonisten selbst. Joss Merlyn ist ein Mann, der es liebt, Menschen zu unterdrücken, der jedoch nicht so sehr durch seine physische Gewaltbereitschaft, denn durch seine verbale Brutalität einschüchtert. Hier lässt die Autorin den Lesern, passend vor der düsteren Moor-Kulisse Cornwalls, die Haare zu Berge stehen. Das emotionale Dahinsiechen von Marys Tante Patience führt dabei allzu deutlich die Auswirkungen psychischer Gewalt vor Augen. Zum Glück gibt es noch Mary, die sich diesem System aus Einschüchterung und Kriminalität entgegenstellt. Sie ist die wohl beeindruckendste Figur des Buches und sorgt mit ihrer Charakterstärke für den dringend nötigen Gegenpol zu Joss' Unmenschlichkeit und der Rücksichtslosigkeit seiner Truppe. Zu schnell sollte man Menschen jedoch nicht als gut oder böse abstempeln - das macht das Ende der Geschichte mehr als deutlich, das mit einem interessanten Twist aufwarten kann.

Durch den Fokus auf die inneren Konflikte der Protagonistin und die emotionalen Auswirkungen von Joss Merlyns Machenschaften auf die Menschen in seiner Umgebung ist es nicht verwunderlich, dass sich der Roman stellenweise in die Länge zieht. Häufig wartet man darauf, dass endlich wieder etwas passiert, was der Handlung einen neuen Impuls geben würde. Trotzdem lässt sich das Buch schnell durchlesen, was nicht zuletzt dem präzisen und wunderbaren Schreibstil der Autorin zu verdanken ist.

Fazit

Düster, erschütternd, dramatisch – so lässt sich Daphne du Mauriers Roman Jamaica Inn am treffendsten charakterisieren. Wer gerne Geschichten liest, in denen die Figuren und ihre Abgründe im Vordergrund stehen, ist hier bestens aufgehoben.

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