Das Brauhaus an der Isar - Spiel des Schicksals

Erschienen: Juli 2019

Bibliographische Angaben

- TB, 448 Seiten

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Lea Gerstenberger
Ein farbenprächtiges Panorama der Stadt München um die Jahrhundertwende

Buch-Rezension von Lea Gerstenberger Sep 2019

Es ist das Jahr 1897: Antonia Pacher flieht vom verarmten Hof ihrer Familie ins verheißungsvolle München. Dort prallen Welten aufeinander: Auf der einen Seite die sogenannte Schwabinger Bohème mit ihren freigeistigen Künstlern, freizügigen Aktmodellen, dem Satireblatt ‚Simplicissmus‘ und liberalen Strömungen; auf der anderen Seite die gute, konservative Gesellschaft, traditionelle Familienbrauereien und wahrlich kaiserzeitliche Hierarchien, die dem Nationalismus den Weg ebnen. Zwischen beiden Extremen bewegt sich Antonia, gleichermaßen beeindruckt und verschreckt. Sie ist hin- und hergerissen zwischen ihrem Drang nach Emanzipation und den angelernten Zwängen, die Frauen allerorten erleben und so selten hinterfragen.

Das merkt sie vor allem, als sie Arbeit als Hausangestellte in der Brauerei Bruckner erhält, denn dort ist eine einwandfreie Moral das höchste Gut. Antonia findet im Brucknerschlössle nicht nur Freunde - alle Bediensteten vertreten ihre ganz eigenen Interessen. Den dandyhaften Erben Melchior hält sie für so unberechenbar wie attraktiv, und dessen Mutter Franziska scheint nur auf einen Fehltritt von Antonia zu lauern. Um die Brauerei gegen die intrigante Konkurrenz, die auch vor Taten nicht zurückschreckt, zu behaupten und einen der begehrten Schankplätze auf dem Oktoberfest zu ergattern, müssen sie allerdings alle an einem Strang ziehen und ihre Vorurteile überwinden…

Kurzweilig, fesselnd und authentisch

Julia Freidank fängt den Zeitgeist kurz vor der Jahrhundertwende glaubhaft ein und spart nicht an Lokalkolorit – dank eines Glossars am Ende lernt so auch der unbedarfte Leser eine Menge nützlicher bayrischer Schimpfworte. Die Schere zwischen Arm und Reich und die Kluft zwischen Tradition und Moderne werden ebenso authentisch dargestellt. Eine wichtige Rolle spielen die neuesten Entwicklungen der Zeit und der Umgang damit, vor allem die Scheu vor der Elektrizität – selbst angenehme Errungenschaften, wie Kühlschränke oder die Straßenbahn, rufen mitunter Skepsis hervor. Auch Franziska Bruckner steht mit ihrer Brauerei immer wieder vor der Frage, welche Modernisierungen notwendig sind und welche sie womöglich in den Ruin treiben könnten.

Es trägt wesentlich zur Atmosphäre bei, dass Freidank zahlreiche historische Persönlichkeiten in ihrer Geschichte auftreten lässt. Gemeinsam mit Antonia begegnet der Leser so dem jungen Albert Einstein, Künstlern wie Franz von Stuck oder Frank Wedekind, der Mutter des Komponisten Richard Strauss und der Schriftstellerin und Lebefrau Fanny Gräfin zu Reventlow. Dieses Personal macht die Geschichte realistisch. Sie liest sich dabei flüssig und unterhaltsam, wartet aber auch mit zahlreichen kulturellen und literarischen Anspielungen auf und hält Zitate von Thomas Mann über Georg Büchner bis hin zu Oscar Wilde parat.

Die Geschichte selbst, die durch die genaue Recherche an Tiefgang gewinnt, ist nicht gänzlich unvorhersehbar; die Konstellation der Handlung ist schon aus ähnlichen Familiensaga-Reihen bekannt. Durch die Fülle an historischen Details, die mit der Fiktion verwoben werden, ist Julia Freidank aber dennoch ein kurzweiliger und fesselnder historischer Roman gelungen. Da auch politische und gesellschaftliche Aspekte Eingang finden, bringt er zudem einen ernsthaften Hintergrund mit sich und ist trotz der enthaltenen zarten Romantik insgesamt weit weniger kitschig, als die Aufmachung mit Titel und Cover vermuten ließe.

Fazit

„Das Brauhaus an der Isar“ ist eine farbenprächtige Unterhaltungslektüre mit fundierten historischen und intertextuellen Anklängen. Sie öffnet ein Fenster in die Münchner Prinzregentenzeit; dabei kommen auch Themen wie technischer Wandel, gesellschaftliche Wertvorstellungen und Frauenrechte nicht zu kurz.

Das Brauhaus an der Isar - Spiel des Schicksals

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