Schlimmer gehts nicht

Erschienen: Januar 1999

Bibliographische Angaben

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1999, Seiten: 126

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Sebastian Riemann
Wohin, wenn es keine Zukunft gibt?

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Dez 2016

Trotzig und frech, so könnte man den jugendlichen Stil dieses schlanken Buches beschreiben. Es kümmert sich nicht um Konventionen für gängige Literaturformate und die Erwartungen an den Autor, es sucht sich seinen eigenen Weg in einer Welt, die ihm feindlich und unwirtlich erscheint, der es sich zu widersetzen gilt. Dagegen sein. Anders sein als es erwartet wird. Das Beste daraus machen oder auch nicht, vielleicht das Gegenteil, das Schlechteste daraus machen. Ist doch alles egal. Hauptsache man macht überhaupt etwas und findet darin ein wenig Frieden, ein wenig Aussicht auf das, was da kommen mag. Oder auch nicht.

Der erste Roman von Ray Loriga erzählt in blanken und ungeschliffenen Wörtern das Leben eines jungen Mannes, der sich in einer Welt wiederfindet, in der er ständig auf der Suche nach Glück ist, aber scheinbar nicht mehr fündig werden kann. Das Glück ist vergangen, ist verloren. Für immer. Es bleiben Erinnerungen, schöne Erinnerungen an die gemeinsamen Tage mit seiner ehemaligen Freundin und viele nicht so schöne Erinnerungen. M wird immer wieder ins Irrenhaus eingeliefert, manchmal gehen sie ihn besuchen, damit es ihm besser geht und er sich nicht verloren fühlt. Verstörend sind die Besuche und belastend die Tatsache, dass jemand aus der Familie sein Leben scheinbar nicht auf die Reihe bekommt. Überhaupt läuft es nicht gut in der Familie, auch nicht in der Schule. Der Erzähler hat weder viele Freunde noch ein trautes Heim, in dem er sich wohl fühlt. Er mochte seine Brüder. Später aber hat er mit niemandem aus seiner Familie Kontakt, vielmehr leben sie ihr Leben ohne ihn. So wie der Rest der Welt, der sich um andere Dinge kümmert. Niemand scheint Zeit und Interesse für den Erzähler zu haben. Allein und zurückgelassen ist er, lebt in seiner kleinen Gedankenwelt. Die schönen Erinnerungen in seinem Kopf machen alles erträglich, aber dann auch nicht mehr erträglich. An die Zeit mit T muss er andauernd denken. Es war die schönste Zeit seines Lebens. T war das tollste Mädchen, das er kannte. Nie wieder würde er eine wie T finden und an sich binden können. Wenn er an sie denkt, geht es ihm gut, weil er damals glücklich war. Dann aber fällt er von der Glücklichkeit ab und erkennt sein Los. T ist weg und wird nicht wiederkommen. Für ihn ist sie verloren, es gibt keine Wege, sie wieder zurückzugewinnen. Es bleibt ihm nur die Einsamkeit und eine Ewigkeit schlechter Zeiten. Wahrscheinlich wird es nie wieder so schön werden, wie es mit T war.

Der Erzähler muss in einem Burgerladen arbeiten, um sich über Wasser zu halten. Früher hatte T das Geld fürs Leben besorgt. Jetzt muss er Pommes frittieren und jede Menge Zwiebelringe, die besonders beliebt sind. Ein öder Job ohne Aussicht, ohne Reiz. Als er sich mit Ts Mutter trifft, endet alles in einer Katastrophe und er findet sich in zunehmender Isolation wieder. Zwischen ihm und dem Rest der Welt scheint ein tiefer Graben zu liegen, über den er nicht springen kann und über den niemand springen will, um zu ihm zu gelangen.

Fußball war früher eine große Freude. Daran denkt er gern. Über die Spieler in seinem Team, das gar nicht so schlecht war und trotzdem immer haushoch verlor. An andere Spieler denkt er auch, wenn sie besonders gut waren. An Menschen, die andere Menschen töten und essen, denkt er auch manchmal.

Das Leben ist nicht schön, denkt er sich und kommt auf Gedanken, die nichts besser machen können, ihn aber doch faszinieren und einen Ausweg aus dem dunklen Alltag anzubieten wissen.

Die Sprache im Buch ist zerbrochen. Bruchstückhaft wird sie dem Leser serviert. Man kann kaum von einer Narrative sprechen, vielmehr handelt es sich um eine Vielzahl von Impressionen und Erinnerungen, die roh und blutig hingeworfen werden, auf dass man sie verschlingen oder vermeiden kann. Es wird viel geflucht und beleidigt, schließlich ist die Welt nicht nett zum Erzähler.

Ohne Finesse aber mit viel Können erlaubt es Ray Loriga, in das Innere einer frustrierten Person zu blicken und ihre Entwicklung zu verfolgen. Der Stil ist um Authentizität bemüht und mag viele Leser abstoßen, da er sich fernab einer wohl überlegten Romansprache bewegt. Wer sich jedoch auf das Gehackte einlässt, kann durchaus Interessantes in diesem kurzen Buch finden.

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