Exil im Niemandsland

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Barcelona: Anagrama, 2004, Titel: 'Entre paréntesis', Seiten: 366, Originalsprache
  • Berlin: Berenberg, 2008, Seiten: 153, Übersetzt: Kirsten Brandt und Heinrich v. Berenberg

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Sebastian Riemann
Persönliches vom Literaturbesessenen

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Aug 2011

Für alle Anhänger des bereits legendären Schriftstellers, für wahre Literaturliebhaber und Detektive. Der vorliegende Band aus dem Hause Berenberg gibt einen Einblick in die geistige Welt eines Mannes, der durch seine Bücher viele Fans gewann und viele mit einer geradezu fieberhaften Begeisterung für die Literatur (insbesondere Lateinamerikas) ansteckte. Bolaño verfasste Literatur über Literatur, schrieb meisterhaft über die Meister und machte aus der Liebe zu Büchern eine Lebenshaltung. Er führte auf seine einzigartige Weise eine Tradition lateinamerikanischer Literatur – deren Gravitationszentrum Borges war – zu neuen Höhen und brachte sie nach Europa, wo er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte. Bolaño verstarb frühzeitig im Jahre 2003 in Barcelona und wurde vielen erst nach seinem Tod bekannt. Allzu viel ist nicht über sein Leben bekannt, die Figur des Schriftstellers ein Mysterium. Exil im Niemandsland bringt ein wenig Licht ins Dunkel, indem es Texte vereint, die den Menschen Bolaño darstellen. Schnell wird dem Leser dabei klar, dass die Linie zwischen Privatperson und Schriftsteller hauchdünn ist, denn Bolaño lebte Literatur wie es nur wenige taten. Das Schreiben war diesem Mann viel mehr als nur ein Beruf, es war eine Art zu existieren. Schreiben und leben werden zu einer Einheit in seiner Person.

Das Buch ist in fünf Kapitel aufgeteilt, die verschiedene Texte unter einer groben Kategorie zusammenfassen. Zumeist stehen Schriftsteller im Zentrum der Texte, manchmal sind es aber auch Reiseberichte oder Festreden. Die ersten Texte sind wohl die interessantesten, da sie ein wenig tiefer blicken lassen in den Kopf dieses Ausnahmeschriftstellers. Sie handeln vom Exil der Literaturschaffenden im Allgemeinen. Bolaño wehrt sich darin gegen die romantische Verklärung des Exilzustandes und dem kreativen Schaffen fernab der Heimat. Ein Schriftsteller befindet sich immer im Exil, so lautet seine Aussage, egal wo er sich aufhält. Es ist eine Haltung dem Leben gegenüber, die nicht einfach und nicht leicht erträglich ist, aber dennoch ohne Alternative. Denn, so Bolaño, der Schriftsteller braucht die Literatur und die Arbeit, um zu überleben, um sich nicht selbst aus dem Leben zu treiben.

Und wovon träumt Roberto Bolaño eigentlich? Natürlich von Literatur und Literaten. Der Autor erscheint in seinen Traumaufzeichnungen wie eine Figur aus einem Bolaño-Roman, der Literatur nicht nur liebt, sondern lebt – derart, dass sie ihn nicht loslässt, weder im Wachen noch im Schlafen. Es sind kurze, aber aussagekräftige und mitunter witzige Textchen, die sich dem Leser als Persönliches anbieten:

 

"Mir träumte, ich sei ein uralter lateinamerikanischer Detektiv. Ich lebte in New York und Mark Twain hätte mich beauftragt, irgend jemandem ohne Gesicht das Leben zu retten. Señor Twain, sagte ich, das wird ein verdammt schwieriger Fall."

 

Die Gedanken zur Literatur, die sich im Buch wiederfinden, sind für Anhänger des chilenischen Autors nichts neues. Die meisten Ansichten, Vorlieben und Abneigungen, die geäußert werden, sind bereits aus den Romanen bekannt und werden dort meist von den Protagonisten wiedergegeben. Und darin liegt dann auch ein unscheinbarer Gewinn dieses Bandes. Er zeigt, wie sehr die Person des Roberto Bolaño in seine Bücher eingeht, wie klein der Unterschied zwischen Persönlichem und Werk ist. Ohne Probleme könnte man Teile dieser persönlichen Texte ausschneiden und sie in die bekannten Romane kleben. Sie würden einem Chamäleon gleich eingehen in die Umgebung und wären nicht als Fremdkörper zu erkennen.

Ungewöhnlich nah kommt der Leser Bolaño nur im letzten Text, einem Interview, welches er kurz vor seinem Tod gab. Neben Literatur spricht er auch über den Tod und das Leben. Er spricht über sie, als wären sie Themen für seine Texte. Und das waren sie auch.

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