Tschernobyl - Rückkehr ins Niemandsland

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • -: ditores De Tebeos, S.L., 2011, Titel: 'Chernobil : La zona', Originalsprache
  • Köln: Egmont Graphic Novel, 2016, Seiten: 192, Übersetzt: Oliver Krischer (Vorwort), André Höchemer

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Kathrin Plett
Die Folgen des Super-GAU

Buch-Rezension von Kathrin Plett Mai 2016

Diejenigen unter uns, die 1986 schon auf der Welt und in einem Alter waren, in welchem man Nachrichten und Weltgeschehen mitbekommen und halbwegs verstehen konnte, werden sich mit großer Sicherheit an die Atomkatastrophe in Tschernobyl erinnern, bei der der vierte Reaktor des dortigen Kernkraftwerks explodierte. Selbst hierzulande, viele tausend Kilometer entfernt, waren die Folgen spürbar. Plötzlich wurde vor dem Verzehr von Pilzen gewarnt, Tiere durften im Frühjahr nicht wie gewöhnlich auf die Wiesen und sollten länger in ihren Ställen bleiben und Regenwolken, die aus dem Osten kamen, wurden plötzlich gefürchtet.

Welche Auswirkungen der Super-GAU, kurz für "größter anzunehmender Unfall", jedoch für die direkten Anwohner der Gegend rund um Tschernobyl hatte, lässt sich kaum erahnen. Diesem Thema widmen sich Natacha Bustos und Francisco Sánchez in ihrer Graphic Novel Tschernobyl: Rückkehr ins Niemandsland, in der sie die Geschichte einer dort beheimateten Familie erzählen.

Am 26. April 1986 explodierte der vierte Reaktor des Kernkraftwerks in Tschernobyl. Seitdem ist die Gegend rund um diesen Bereich unbewohnbar. Tschernobyl im Norden der Ukraine gilt seitdem als Synonym für die Gefahren der Kernenergie. Wie war das Leben dort vor der Katastrophe? Wie ging das Leben für die betroffenen Personen nach der Explosion weiter? Aus den Blickwinkeln verschiedener Generationen einer Familie, die über Nacht gezwungen war, alles zurückzulassen, erzählen Natacha Bustos und Francisco Sánchez ihre Graphic Novel. Unterteilt in verschiedene zeitliche Abschnitte wird das Leben vor dem Unglück gezeigt, die Träume, Wünsche und Hoffnungen, bis die Kernschmelze einsetzte und die Evakuierung begann. Viele Fragen stellten sich: Was ist mit dem Vater, der im Kernkraftwerk gearbeitet hat? Wie wird es weitergehen? Wird eine Rückkehr in die alte Heimat überhaupt jemals möglich sein?

Natacha Bustos ist als Illustratorin und Comic-Zeichnerin tätig. Sie hat in zahlreichen Anthologien veröffentlicht und gehört der Künstlergruppe Caniculadas Collective an. Nach einer langen Karriere als Comic-Redakteur schrieb Francisco Sánchez 2011 sein Comic-Debüt, die Graphic Novel Tschernobyl. Seit 2013 verfasst er außerdem Kinderbücher zu Natur- und Umweltschutzthemen.

Düster und ausschließlich in schwarz-weiß haben Natacha Bustos und Francisco Sánchez ihre Graphic Novel gestaltet. Eine bewusste Entscheidung, die, wie im Nachwort mitgeteilt wird, "mit langen stillen Momenten erzählt werden [sollte], jedoch mit einer inneren Unruhe, die sich erst im Laufe des Werks erschließt." Im ersten Teil stehen die Greisen Leonid und Salia im Mittelpunkt, die irgendwann nach der Reaktorkatastrophe beschließen wieder in ihre alte Heimat zurückzukehren. Fast ohne Worte und allein durch die Kraft der Bilder wird deutlich, wie stark die Folgen der Katastrophe für die Natur sind.
Im zweiten Teil stehen die Kinder Leonids und Salias im Fokus, Vladimir und die schwangere Anna mit ihrem Sohn Yuri. Vladimir arbeitet im Kernkraftwerk, während der Unfall passiert. Die Autoren zeigen, wie unklar die Lage kurze Zeit nach dem Unglück war, wie wenig Informationen an die Bevölkerung weitergeleitet wurden und in welchem Unwissen die Menschen gelassen wurden. Dieser Abschnitt beginnt zunächst noch voller Leben, die Bilder strahlen Freude und Heiterkeit aus, bis die Katastrophe eintritt und die herrschende Panik deutlich wird.

Im dritten Teil wird die Reise der Enkel Yuri und Tatiana beschrieben, die als Erwachsene die Heimat ihrer Vorfahren besuchen und für einen Tag nach Tschernobyl reisen. Die beklemmende Stimmung, die diesen Ort umgibt, in dem die Zeit scheinbar stillsteht, wird durch die wortlosen Bilder eindrucksvoll gezeigt.

Bustos und Sánchez ist ihr Plan, mit ihrem Werk "kein morbides Interesse und keine Sensationsgier zu befriedigen" auf jeden Fall gelungen. Dadurch, dass sie sich entschieden haben, ihre Geschichte als Generationenbericht einer Familie zu verfassen, schaffen sie eine besondere Nähe, die es ermöglicht, einen direkten Bezug zum Ereignis zu bekommen. Die Gefühle und Emotionen, die die Menschen durchleben, werden auf diese Weise besonders greifbar. Die Bilder sprechen für sich, detailreich sind sie in der Lage, fehlende Worte zu ersetzen.

Alles in allem eine gelungene Graphic Novel, die zwar von der Handlung her ein schweres Thema beinhaltet, welches durch die beiden Autoren jedoch respektvoll und berührend erzählt wird.

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