Der Circle

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • New York: A. Knopf, 2013, Titel: 'The Circle', Originalsprache
  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2014, Seiten: 8, Übersetzt: Torben Kessler

Couch-Wertung:

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Sebastian Riemann
Überwachung und Gemeinschaftsgefühl in der digitalen Zukunft

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Feb 2015

Dave Eggers hat einen interessante Roman vorgelegt, der in seiner Thematik sehr aktuell ist und wichtige Fragen aufwirft für Leute, die sich gern der Problematisierung des Alltags verschließen. Die Möglichkeiten der neuen Technologien zur Datensammlung und Überwachung sind Ausgangspunkt vieler moderner Entwicklungen, aber auch Grund zur Sorge, wie es der Öffentlichkeit seit den Enthüllungen Edward Snowdens bewusst wurde. Der Einzelne kann problemlos ausspioniert und in einen gläsernen Bürger verwandelt werden, das musste man lernen und erhielt als Begründung die Wahrung der Sicherheit im Angesicht neuer Bedrohungen. In Der Circle kombiniert Eggers jene erschreckenden Entwicklungen im Sektor der Überwachung mit der kreativen Fortschrittlichkeit eines Google-ähnlichen Unternehmens und schafft somit ein Szenario, in dem der Alltag noch stärker von digitalen Informationen und Sicherheitsvorkehrungen geprägt ist.

Auf dem Firmengelände in Kalifornien versammelt der Circle die besten und kreativsten Köpfe der Internetbranche, Leute mit Visionen, die sich zu Geld machen lassen und einen gesellschaftlichen Nutzen darstellen. Der Circle übernimmt dabei selbst die Rolle eines Versuchslabors, die Mitglieder testen ihre Entwicklungen innerhalb der Belegschaft und passen die Eigenschaften ihrer Programme an die Gegebenheiten an, verbessern sie mittels der Vorschläge der Circle-Mitglieder. Da alle dort Arbeitenden begeistert von der Idee des Unternehmens sind, lassen sie sich gerne einspannen, froh darüber an der Gestaltung der Zukunft teilzuhaben. Sie sehen keine Probleme, weil sie den firmeneigenen Dogmen folgen, welche Transparenz und Sicherheit über Alles stellen. Zusammen alle Informationen teilen und als Gemeinschaft jeden Einzelnen besser machen, so sehen sie ihr Zusammenleben, das sich zu großen Teilen im digitalen Bereich abspielt, seinen Ausdruck in Fotos, Kommentaren, Likes, Smiles und Frowns findet. Der Verlust der Privatsphäre wird kaum bemerkt, da der Transparenz die Zukunft gehört und niemand sich an kleinlichen Gefühlen aufhalten möchte. Sie alle glauben bessere Menschen zu werden durch die neuen Möglichkeiten.

Mae ist die Protagonistin des Romans und seit Kurzem in der Kundenberatung des Circles angestellt. Sie ist über alle Maßen froh in diesem Unternehmen zu arbeiten. Fleißig ist sie bei der Arbeit, die nicht sonderlich interessant ist, in der sie aber ihre Fähigkeiten zur Geltung bringen und die Aufmerksamkeit der Vorgesetzten auf sich ziehen kann. Sie arbeitet schnell und gut, das wird gern gesehen. Aber ihr Sozialverhalten lässt zu wünschen übrig. Jeden Tag wird auf dem Campus des Circle ein beeindruckendes Unterhaltungsprogramm geboten, dessen Besuch nicht obligatorisch aber sehr wünschenswert ist. Mae verpasst viele Veranstaltungen und teil sie nicht mit ihren Kollegen. Ihr wird vorgeworfen egoistisch zu sein, ihre Freizeit nicht mittels Kommentaren und Fotos zu teilen, sondern für sich zu behalten. Ein asoziales Verhalten, welches den Idealen des Circle zuwiderläuft und den Missmut der Anderen nach sich zieht. Mae sieht ihre Fehler ein und verspricht Besserung. Und sie ist entsetzt ob ihres eigenen Verhaltens. Sie zweifelt an sich, weil sie den wunderbaren Idealen des Circle zuwider gehandelt hat.

Mit der Zeit wird Mae zu einem vollständigen Mitglied der Gemeinschaft auf dem Campus und auch mit weiteren Aufgaben betraut. Dazu werden auf ihrem Schreibtisch immer mehr Bildschirme installiert, die sie an die nötigen Informationsflüsse binden. Mit der zunehmenden Zahl an Bildschirmen verwandelt sich Mae zunehmend in eine Informationsverarbeitungsmaschine, die keine eigenen Gedanken hervorbringt, sondern ständig damit beschäftigt ist auf ihre digitale Umwelt zu reagieren. Sie reagierte auf Tausende von Nachrichten, Kommentaren, Petitionen, Fotos und dergleichen.

Mae ist von unglaublicher Ignoranz, sie scheint nichts zu besitzen, das an einen Charakter oder eine Persönlichkeit erinnert. Sie ignoriert sich selbst und predigt das, was ihr der Circle vorgibt, unfähig zu jedweder Art von Kritik. Das kommt ihr im Unternehmen zugute und befördert sie in rasantem Tempo die Karriere- und Popularitätsleiter hinauf. Dem Leser geht sie damit jedoch gewaltig auf die Nerven. Zunehmend wird sie unsympathisch, später sogar unrealistisch, da ihre Ignoranz nicht gleichbleibend sondern wachsend ist und letztlich übertriebene Ausmaße annimmt. Der Fortschrittsglaube hat bei ihr den gesunden Menschenverstand ersetzt und sie bald von vielen Personen entfremdet.

Die Unnatürlichkeit seiner Protagonistin nimmt der Autor jedoch willentlich in Kauf. Zu seinen Hauptanliegen gehört die Ignoranz der Betroffenen, die Lemmingen gleich in ihr Unglück laufen, dabei noch froh gesinnt und mit einer munteren Melodie auf den Lippen, kurz bevor sie in den Abgrund stürzen. Er will die Leser wachrütteln, damit sie die kommenden Gefahren sehen und nicht mehr vorgeben, dass all dies mit ihnen nichts zu tun hat.

Das sprachliche Niveau des Romans ist bedürftig, wer dieses Buch in die Hand nimmt, sollte Interesse am Thema aber nicht an der Feinheit der Worte mitbringen.

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Letzte Kommentare:
24.02.2015 10:34:59
Alexander

Herr Riemanns Kommentar gibt meine Gefühle und Meinungen zu diesem Buch recht gut wieder. Das Thema an sich ist hochaktuell, interessant und wird uns alle sicherlich in nahe Zukunft deutlich mehr beschäftigen als heute schon.

Aber die Umsetzung im Roman - oweh!
Über das dürftige sprachliche Niveau des Romans (oder der Übersetzung) kann ich gerne hinwegsehen.
Viel mehr nervt mich das äußerst simple, unkritische und vor allem nicht einmal im Ansatz selbstbestimmte Handeln der Figuren. "Auf dem Firmengelände in Kalifornien versammelt der Circle die besten und kreativsten Köpfe der Internetbranche..." - kann man von solchen nicht erwarten, dass die etwas kritischer sind? Bei allen Erklärungsversuchen, von wegen "froh so einen guten Job bekommen zu haben" oder "computeraffine US-Amerikaner sind da ganz anders drauf als wir datenschutzverliebten Deutsche" - zumindest zu Beginn Ihrer jeweiligen Laufbahn beim Circle sollte zumindest der eine oder andere Elite-Anfänger mal das ganze System in Frage stellen.
Und einer, der das ganze anzweifelt (Maes Exfreund), wird derart überzeichnet und prophetenhaft dargestellt, dass es auch schon wieder viel zu dick aufgetragen ist.

Herr Riemanns Erklärungsansatz zu den Beweggründen des Autors hierzu (siehe Unnatürlichkeit der Protagonisten, Stichwort Lemminge) mag wohl richtig sein - den "Lesespass" hebt dieses Wissen im Hinterkopf aber dennoch nicht. Ich habe mich zum Teil gezwungen weiter zu lesen.

Mein Fazit: brandaktuelles Thema, viele Denkanstöße, aber mit deutlichen Schwächen in der Umsetzung. 65° - was beim Circle eine unglaublich schlechte Bewertung wäre ;-)

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