Flaubert und Madame Bovary. Die ewige Orgie

Erschienen: Januar 1980

Bibliographische Angaben

  • Madrid: Taurus, 1975, Titel: 'La orgía perpetua', Seiten: 277, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1980, Seiten: 232, Übersetzt: Maralde Meyer-Minnemann
  • Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1996, Seiten: 249, Übersetzt: Maralde Meyer-Minnemann, Bemerkung: Lizenzausgabe
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»Eine Handvoll literarischer Gestalten hat mein Leben nachhaltiger geprägt als manches Wesen aus Fleisch und Blut (...) und es hat keine Gestalt gegeben, mit der ich ein dauerhafteres und eindeutig leidenschaftlicheres Verhältnis gehabt hätte als mit Emma Bovary. (...) Ich würde gerne einige der Gründe herausfinden, warum Madame Bovary so tiefe Schichten meines Wesens aufgerührt, was mir das Buch gegeben hat, das andere Geschichten mir nicht geben konnten.« Ein Zwiegespräch zwischen Emma Bovary und mir steht am Beginn dieses großen Essays von Mario Vargas Llosa. Die Bovary hatte dem Dreiundzwanzigjähngen Frankreich und die klassische französische Literatur vermittelt, und sie gab ihm vor allem ein Bild seiner selbst, als Person, als Leser, als Autor, der er werden wollte. Als Bewunderer der Madame Bovary legt Vargas Llosa mit erhellender Direktheit die Gründe seiner ersten und nicht nachlassenden Faszination offen; en passant skizziert er eine kleine Psychologie und Wirkungspoetologie des Romanelesens. Bei der genauen Untersuchung des Romans, seiner prekären Entstehung und prinzipiellen Neuartigkeit zielt er immer auf das Wesentliche: als Leser zu begreifen, was es ist, das er liebt. Dabei setzt er sich nicht nur mit den wichtigsten Studien zu Flaubert auseinander - darunter Sartres Monumentalwerk Der Idiot der Familie -, sondern er gibt vor allem eine überaus klare Analyse dessen, was die Madame Bovary zum ersten Roman der modernen Literatur macht. Für Flaubert-Leser und Leser der Romane von Vargas Llosa gleichermaßen reizvoll und aufschlußreich ist dazu der Umstand, dass hier ein professioneller Schriftsteller über das Werk eines anderen schreibt, einer, der sich von früh an für das Metier des Romanciers entschieden hat. Selten erhält man so direkte Einsicht in das Wirken literarischer Kniffe, Mittel und Grundsatzentscheidungen wie in dieser großen Studie des bei ihrem ersten Erscheinen gerade vierzigjährigen Autors.

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