Das Glücksbüro

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Köln: DuMont, 2013, Titel: 'Das Glücksbüro', Seiten: 272, Originalsprache

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Romy Fölck
Glück auf Antrag

Buch-Rezension von Romy Fölck Feb 2013

Warum ist sie so erfolgreich, die Midlife-Crisis-Literatur? All die Liebes- und Selbstfindungsromane, deren Helden ausbrechen, um das große Glück zu finden, nicht zu vergessen die Vielzahl an Ratgebern, die Wege zum Glück aufzeigen, welches dem Leser bisher verwehrt geblieben ist? Treibt diesen Hype um das Glück nicht auch der Wunsch des Menschen nach Veränderung an? Fliehen die Unzufriedenen in die Welt der Bücher, weil sie ihr Leben selbst gern ändern würden, ihnen jedoch der Mut dazu fehlt?

Das Thema Veränderung ist es, was offensichtlich auch Andreas Izquierdo reizt. Der Sprung ins kalte Wasser, das Überwinden von Ängsten. Jedoch zäumt er das viel gerittene Pferd völlig neu auf, er überrascht, berührt, polarisiert gar. Auch wenn der Klappentext nicht mehr als eine charmante Liebesgeschichte verspricht: "Das Glücksbüro" ist viel mehr als das. Denn die Liebe ist im Roman lediglich ein Kunstgriff, eine Kraft, die die Protagonisten aufrüttelt, die eingefahrenen Gleise zu verlassen.

Albert Glück steckt nicht in der Midlife-Crisis, ja er ist noch nicht einmal unzufrieden mit seinem gleichförmigen Leben. Er arbeitet seit über dreißig Jahren im Amt für Verwaltungsangelegenheiten und ist so grau wie sein Anzug und seine Umgebung. Strikte Ordnung und Gleichmaß bestimmen seinen Alltag. Autistisch veranlagt mögen die einen über ihn denken, kauzig die anderen. Aber langweilig ist anders. Denn Albert hat Humor und er liebt sein Amt so sehr, dass er vor über dreißig Jahren im Keller des Amtsgebäudes eingezogen ist. Heimlich und bisher unentdeckt. Aber das ist noch nicht alles: Albert hat seitdem keinen Fuß mehr hinaus gesetzt. Die Welt vor der Tür ist ihm fremd, sie ängstigt ihn. Sein Mikrokosmos ist dieses riesige Gebäude mit all seinen Zimmern und Gängen. Dort lebt er im Keller und kocht in der Großküche seine Mahlzeiten. Kontakt nach außen hat er nur über seine Kollegen, TV, Internet und die Anträge, die auf seinem Schreibtisch landen.

Bis eines Tages "Der Antrag" auf seinen Schreibtisch flattert und seine Welt in den Grundfesten erschüttert. Denn dieser Antrag beantragt: Nichts! Für Albert eine Katastrophe, denn er kann ihn nicht bearbeiten. Und so muss er hinaus in die fremde Welt, um die Antragstellerin Anna Sugus aufzusuchen, eine Künstlerin und liebenswerte Chaotin: der strikte Gegensatz zu Albert. Sie können es sich denken: Anna wird alsbald Alberts Leben verändern, so wie er das ihre.

Es ist schon ein kleines Kunststück, eine Geschichte in einem tristen Verwaltungsamt anzusiedeln, die Hauptfigur so spießig anzulegen und dennoch den Leser derart mitzureißen. Andreas Izquierdo, der 1968 in Euskirchen geboren wurde und als Autor in Köln lebt, zeigt einmal mehr sein Können. Er zeichnet seine Figuren so lebendig und eigen, dass man ihm diese einfach abkaufen muss. Mit Witz und Charme treibt er die Geschichte zügig voran und legt am Schluss noch einmal das große Gefühl obendrauf. Keine Frage, sein Romanende wird die Leser polarisieren. Und nicht nur das macht dieses Buch so anders, so besonders.

Izquierdos bildhafte Sprache und die poetischen Einwürfe sind es, die "Das Glücksbüro" - wie auch seine letzten Romane - auszeichnen. Er ist ein Handwerker. Ein versierter Erzähler. Mit seinen Krimis z.B. "Der Saumord" eroberte der Autor sich in den 1990er Jahren schnell eine Fangemeinde. Für seinen Roman "Der König von Albanien" erhielt er 2008 den Sir-Walter-Scott-Preis für den besten historischen Roman, sein Fantasyroman "Apocalypsia" wurde mit diversen Leserpreisen im Netz prämiert. Auch wenn Izquierdo keinem Genre lange treu bleibt, es gibt wohl keines, was ihm nicht liegt. So dürfen wir gespannt sein, was ihm als nächstes einfällt.

"Welche Farbe hat ein Herzschlag?

Wie schmeckt ein Wort?

Nach was duftet Glück?"

Ganz gleich, ob diese Fragen am Ende des Buches beantwortet sind, man ist um ein Gefühl reicher: Veränderung sollte man unbedingt ausprobieren. Es könnte Glück daraus werden. 

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Letzte Kommentare:
26.03.2013 18:41:17
nina2401

Magie in seiner schönsten Form

Auf den ersten Blick erscheint Albert Glück als ein Beamter wie er im Buche steht. Er hat alle die Eigenschaften, die man von einem Beamten erwartet, so schön verschroben, so schön korrekt, so schön grau. Und … kaum zu glauben … er lebt in seinem Amt und ist damit glücklich und zufrieden. Doch eines Tages liegt auf seinem Schreibtisch ein ganz besonderer Antrag und der führt ihn zu Anna. Sie ist das Gegenteil von Albert. Erst zögerlich, aber dennoch unaufhaltsam bringt sie die Liebe in sein Leben, macht sie sein Leben bunt, alles verändert sich und Albert macht seinem Nachnamen alle Ehre.

Anfangs hatte ich einfach nur eine amüsante Geschichte erwartet. Ich habe vieles wieder erkannt, da ich selbst in einem „Amt“ beschäftigt bin. Zunächst musste ich noch herzhaft lachen über die Gepflogenheiten in Alberts Amt. Und dann … so ganz langsam … hat mich die Magie dieses Buches verzaubert.

Es ist nicht einfach ein weiteres humorvolles Buch, nein, es ist so viel mehr. Es hat mich berührt, es hat mich bewegt. Andreas Izquierdo schreibt so schön, die Magie seiner Worte hat mich eingefangen und nicht mehr los gelassen. So schöne Sätze, so schöne Bilder in meinem Kopf. Viele fantasievolle Wortspielereien und Vergleiche, so poetische und bildhafte Beschreibungen … plötzlich sehe ich Dinge mit ganz anderen Augen. Auf eine sehr liebevolle Art hat er auch mir den Spiegel vorgehalten. Steckt nicht in jedem von uns ein bisschen von Albert? Auch wenn man es erst auf den 2. oder 3. Blick bemerkt. Dieser kleine graue Mann hat so viel bewegt mit der Kraft der Liebe. Der „Antrag“ hat eine Lawine ausgelöst, eine Lawine, die glücklich macht. Das Lachen ist einem glücklichen Lächeln gewichen. Ich fand es so schön, die Welt mit Alberts Augen zu betrachten und noch schöner fand ich, wie der „graue“ Mann auf einmal anfing zu strahlen.

Von dieser Geschichte geht eine wundervolle Magie aus … an einem Ort, an dem ich nie Magie vermutet hätte.