Die Betäubung

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • : Luchterhand, 2012, Titel: 'Die Betäubung', Seiten: 320, Übersetzt: Hanni Ehlers

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Romy Fölck
Nach dem Verlust

Buch-Rezension von Romy Fölck Okt 2012

Der Tod eines geliebten Menschen wirft die Hinterbliebenen oft völlig aus der Bahn. Nicht selten landen sie sogar auf der Couch eines Psychiaters, um diesen Schmerz überhaupt aufarbeiten zu können. Was aber, wenn es ihn selbst betrifft? Wie arbeitet ein Psychoanalytiker den Verlust seiner geliebten Frau auf, die – noch nicht einmal fünfzig Jahre alt - an einer schweren Krankheit gestorben ist? Wie kann er wieder zurück in sein Leben finden und die Probleme anderer bewerten, wenn er selbst noch nicht gefestigt ist?

Die in Amsterdam lebende Autorin Anna Enquist hat sich mit diesem Thema intensiv auseinander gesetzt und ein psychologisch ausgefeiltes Familiendrama darum gesponnen. Vor ihrer Zeit als Autorin war sie selbst viele Jahre als Psychoanalytikerin tätig, weshalb die Geschichte um Drik de Jong, der Monate nach dem Tod seiner Frau einen ersten Schritt zurück in seine Praxis wagt, nicht nur äußerst glaubwürdig erscheint, sondern auch fachlich untermauert erzählt wird.

Als einer seiner ersten Patienten lernt Drik de Jong den jungen Psychologiestudenten Allard Schuurman kennen, der bei ihm die im Studium übliche Lehrtherapie beginnt. Bald merk Drik, dass Schuurman tatsächlich große psychische Probleme und Schwierigkeiten in seiner Ausbildung hat, weshalb dieser sogar sein Psychologiestudium an den Nagel hängt und in die Anästhesie wechselt. Dort wird er, wie es der Zufall will, Driks Schwester Suzan, die im Krankenhaus als Anästhesistin arbeitet, als Praktikant zugeteilt. Suzan ist nach dem Tod ihrer Schwägerin selbst verzweifelt und stürzt sich zunehmend in ihre Arbeit. Schuurman findet einen persönlichen Zugang zu ihr und beginnt eine Affäre mit der verheirateten Suzan, von der Schuurman Drik in der Therapie erzählt. Drik, der zutiefst schockiert ist, dass Suzan ihren Mann mit einem Praktikanten betrügt, und der an dieser Stelle die Therapie am liebsten beenden würde, lässt den Jungen reden und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Denn zu spät wird ihm klar, dass Schuurman auch im Leben von Suzans Tochter Roos, Driks Nichte, eine große Rolle spielt.

"Der größte Feind ist einer, der einem ganz nahe ist."

Enquist versteht es ausgezeichnet, mit der Psyche des Menschen zu arbeiten. Wohldurchdacht und mit hohem psychologischem Verständnis entwickelt sie den Plot und ihre Protagonisten, lässt sie Wege beschreiten, die nicht immer korrekt aber menschlich erscheinen und wodurch sie sich spürbar einem imaginären Abgrund nähern. Doch auch als Leser muss man sich eingestehen, dass man an ihrer Stelle wohl ähnlich gehandelt hätte und der Katastrophe selbst nicht entkommen wäre.

Enquist, die zu den bedeutendsten niederländischen Autoren gehört und bereits zahlreiche internationale Literaturpreise erhielt, schloss sich dem Projekt "Schriftsteller auf der Abteilung" der Freien Universität Amsterdam an. Während dieser Zeit durfte sie die Arbeit einer Abteilung des Krankenhauses begleiten, um dann ein Buch darüber zu schreiben. Sie entschied sich für die Anästhesie. Suzans Arbeit als Anästhesistin wird sehr umfassend und detailgetreu dargestellt. Leider nehmen ihre Arbeit im Krankenhaus und die Krankengeschichten der Patienten einen zu großen Raum im Roman ein, weshalb irgendwann die Aufmerksamkeit nachlässt und man einfach beginnt, diese Abschnitte quer zu lesen. Dies ist aber auch der einzige Wehrmutstropfen dieses stillen Romans, der einen schnell in seinen Bann zieht. Sprachlich ausgewogen und bildhaft erzählt Enquist die Geschichte einer Familie, die langsam zu zerbrechen droht und lässt dem Leser Raum für Mutmaßungen sowie Mitgefühl.

Wenn man dieses Buch zuschlägt weiß man: Auch unsere niederländischen Nachbarn haben wunderbare Erzähler, denen man sich bedenkenlos anvertrauen kann.

"So weit, denkt sie, so weit bringt uns die Liebe zur Betäubung. Das ist die Erlösung, der Ausweg, die Ruhe." 

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Letzte Kommentare:
19.01.2015 20:00:05
Sirisiri

Welch spannendes Thema in guter Sprache geschildert. Zwei sehr gebildete Paare, miteinander verwandt und befreundet.... Und diese Konstellation bricht völlig auseinander. Die eine Frau stirbt an Krebs. Ihr Mann, Psychoanalytiker, nimmt seine Berufstätigkeit wieder auf und scheitert. Seine Schwester, Anästhesistin, die sich sehr um die sterbende Schwägerin gekümmert hatte, widmet sich dem Thema Betäubung, dies auch in Bezug auf ihre eigene emotionale Situation. Man erfährt viel aus dem Umfeld von Psychiatern und Anästhesisten. Eine fatale Geschichte, wie sie sicher passieren kann. Schade, dass man nicht mehr über die verstorbene Frau erfährt. Dass sie fehlt, wird immer wieder geschildert, als Leser kann man es aber nicht spüren. Dies nimmt der Geschichte die Intensität. Und doch ist es ein gutes Buch über das ich lange nachgedacht habe.