Vier Arten, die Liebe zu vergessen

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • München: Piper, 2012, Titel: 'Vier Arten, die Liebe zu vergessen', Seiten: 288, Originalsprache

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Rita Dell'Agnese
Über das Scheitern von Lebensentwürfen

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Okt 2012

Vier Männer  in der Mitte ihres Lebens; vier Geschichten, so unterschiedlich und doch vergleichbar; vier Freunde auf der Suche: Thommie Bayer legt seinem neuen Roman eine höchst interessante Basis zugrunde. Einst standen Michael, Thomas, Wagner und Bernd miteinander auf der Bühne und sangen acapella. Das ist aber schon lange her. Heute sind sich die früheren Freunde längst fremd geworden. Hätte nicht die Beerdigung ihrer alten Lehrerin Emmi die vier unerwartet zusammen geführt, wären sie sich kaum mehr begegnet. Aus einem Impuls heraus lädt Michael die drei alten Freunde zu sich nach Venedig ein. Bei Bernd und Thomas keimt angesichts des stattlichen Palazzos, in dem Michael lebt, Bewunderung, aber auch eine Spur von Neid auf. Wagner begegnet den neuen Eindrücken in Venedig mit stoischer Ignoranz. Die gemeinsamen Momente in Venedig machen allen vieren klar, dass die alte Freundschaft nicht ohne weiteres wieder aufleben kann. Und jeder von ihnen wird schließlich gezwungen, seine Maske fallen zu lassen und sich dem eigenen Leben endlich zu stellen. Das geht nicht ohne schmerzhafte Einschnitte vor sich.

Thommie Bayers Roman wird als typischer Männerroman gepriesen. Diese Einschätzung dürfte vor allem auf den Umstand zurückzuführen sein, dass die tragenden Figuren des Romans mehrheitlich Männer sind. Tatsächlich gibt Bayer vor allem den Männern eine Stimme und steckt sie in Situationen, die gerne als männliche Midlife-Crisis abgetan werden. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich der Roman jedoch als eine feinfühlige Erzählung über das Scheitern von Lebensentwürfen und über die Feigheit, sich seinen eigenen Ängsten zu stellen. Es sind Momente, die dem Leser auf eine persönliche Art nahe kommen, unabhängig davon, ob Mann oder Frau das Buch in Händen hält. Michael, Thomas, Bernd und Wagner stehen für einen Traum: Sich nach vielen Jahren wieder zu begegnen und an die einstige Freundschaft anknüpfen zu können. Anders als die meisten Menschen bekommen die vier die Chance, diesen Traum zu verwirklichen. Leider fußt diese Chance jedoch auf einem höchst wackligen Konstrukt. Noch ahnt der Leser nichts davon, wenn er selber den vier Männern zum ersten Mal begegnet. Zwar wird die Frage für einen kurzen Moment im Raum stehen, weshalb die vier so viel auf sich nehmen, um an Emmis Beerdigung teilzunehmen. Doch geht man zu jenem Zeitpunkt noch davon aus, dass diese Frage geklärt werden wird. Tatsächlich ist diese Situation jedoch eine jener instabilen Brücken, die Bayer baut, um den Verlauf der Geschichte zu ermöglichen. Und es sind solche Konstrukte, die dem Roman etwas von seiner Tiefe nehmen.

Mit der Folksängerin Erin bekommt der Roman eine eigenwillige Melodie, die sich als eine Art unhörbarer Ohrwurm in den Köpfen der Leser festsetzt. So sehr, dass Thommie Bayer in dieser Hinsicht gefährlich nahe an die Grenze zum Überdruss geht. Sind die vier Freunde Männer mit kleinen oder größeren Schwächen und einigen Stärken, ist Erin ein stetiger "Überflieger" und damit eine konturlose und eher fade Figur. Ihr Auftauchen im Roman und die Rolle, die Erin spielt, sprechen dagegen, dass es sich hier um ein typisches Männerbuch handelt. Bayer schreibt weder gezielt für Männer noch für Frauen, sondern für Menschen, die sich durch seine Geschichten angenehm unterhalten lassen möchten. Das können sie mit diesem Roman auf jeden Fall tun.

Da und dort blitzt der stille Humor durch, der vielen anderen Romanen Bayers eigen ist. Leider sind diese Sequenzen eher selten. Nicht berauschend sind die eingestreuten Liedtexte. Sie brechen den Lesefluss und tragen nur sehr wenig zur Atmosphäre des Romans bei. Während es also von den humorvollen Momenten mehr sein dürften, könnten die Liedtexte problemlos weggelassen werden.  So legt Thommie Bayer einen ansprechenden, stellenweise berührenden Roman vor, der aber in einigen Bereichen leicht schwächelt. 

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