Frau des Windes

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Insel, 2012, Titel: 'Frau des Windes', Seiten: 495, Übersetzt: Maria Hoffmann-Dartevelle

Couch-Wertung:

70
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Daniela Loisl
Surrealismus in vielerlei Hinsicht

Buch-Rezension von Daniela Loisl Okt 2012

Leonora Carrington, Tochter eines reichen Industriellen aus England, machte sich schließlich in Mexiko nicht nur mit ihren Bildern einen Namen, sondern auch durch ihr exzentrisches Verhalten. Elena Poniatowska kannte die Künstlerin persönlich, was ihr einen ganz eigenen Zugang zur Peron Leonora verschaffte. Ob dies für ihren Roman, der eigentlich eine Biografie der Malerin und auch Schriftstellerin ist, wirklich nur positiv ist, sei dahingestellt, denn manchmal wünscht man sich, Poniatowska hätte den Mensch Leonora etwas differenzierter gesehen.

Greift jemand zu einem Buch über eine Künstlerin die er nicht kennt? Wohl kaum oder zumindest nur dann, wenn ihm entweder die Stilrichtung in der sie ihre Bilder geschaffen hat, zusagt. Wer den Surrealismus liebt, dem wird aber der Name Leonora Carrington ebenso etwas sagen wie auch Max Ernst, denn mit ihm lebte Leonora lange zusammen.

Schon aus den Bilder der Künstlerin lässt sich herauslesen wie sie in ihrem Innersten war, findet sich in diesen nicht ein breites Spektrum an Farben, fantasievollen und oft bizarr anmutenden Figuren, aber auch ein Hauch von Melancholie.

Poniatowska war mit der Malerin befreundet, was ihr einen sehr speziellen Zugang und einen ebensolchen Blick auf den Mensch Leonora Carrington ermöglicht. Eine Romanbiografie die schon fast eine Biografie sein könnte, so eng verknüpft sind Empfindungen und Geschehnisse.

Es ist alles andere als einfach, eine Frau wie Carrington darzustellen, die stets darum bemüht war, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Die Autorin gibt die legendären Szenen, wie den Striptease im Café Flore ebenso wieder wie die Szene in der Carrington sich mit senfbeschmierten Zehen in einem Restaurant zu Tisch setzt, aber das Warum und Wieso bleibt durch die doch etwas fehlende Empathie leider auf der Strecke. Der Versuch, hinter die aufgebaute und nach außen hin schwer zu erfassende Fassade der Künstlerin zu blicken, gelingt somit leider nur ansatzweise. Man hat einfach das Gefühl, dass die nötige Distanz, um Poniatowskas zu Carrington fehlt.

Sprachlich auf hohem Niveau, wird das Leben Carringtons aus ihrer Perspektive erzählt. Es wird ein sehr ausführliches Bild vom Leben der Malerin, Schriftstellerin und Dramatikerin gezeichnet und es scheint kaum möglich, dass Poniatowska eine wichtige Begebenheit im Leben Leonoras entgangen ist.

Gewöhnungsbedürftig allerdings ist, dass die Autorin durch diese Sicht manchmal etwas eigenartige Dialoge kreiert, sondern auch immer wieder abgleitet ins Surrealistische, und so werden durch Carringtons Phantasie Menschen zu bizarren Figuren und tragen so auch mal Federn anstatt Haare auf dem Kopf. Durch diese Zwischenschübe ist es nicht immer leicht der Geschichte zu folgen und der Leser wird bisweilen ziemlich gefordert.

Zweifelsfrei bietet Poniatowska einen wunderbaren Einblick in das Künstlerleben eine Ausnahmefrau, denn zu Leonora Carrington gibt es keine Biografien.

Diese Roman-Biografie wird für Liebhaber und Kenner des Surrealismus eine Bereicherung sein, denn sie werden die eine oder andere Schwäche der Erzählung leicht verzeihen können. Ansonsten braucht der Leser doch etwas Durchhaltevermögen, um der nicht so ganz einfach aufgebauten Geschichte folgen zu wollen.

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