Am schwarzen Berg

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Suhrkamp, 2012, Seiten: 5, Übersetzt: Stephan Schad

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Romy Fölck
Milieustudie unter dem Mikroskop

Buch-Rezension von Romy Fölck Mai 2012

Dass es nicht gut für die Entwicklung von Kindern ist, wenn sie von den Eltern zu sehr verwöhnt werden, ist wohl in jedem modernen Erziehungsratgeber nachzulesen. Aber wenn es zwei Elternpaare gleichzeitig tun, wenn sie regelrecht um die Gunst eines Kindes buhlen und sich in einen Liebeswettstreit begeben, endet es dann in einer Katastrophe? Dieser Frage versucht Anna Katharina Hahn in ihrem zweiten Roman auf den Grund zu gehen.

An einem Sommermorgen blickt der Lehrer Emil Bub vom Balkon seines Eigenheimes am Schwarzen Berg, in einem beschaulichen Vorort von Stuttgart, hinab zum Grundstück seiner Nachbarn und das, was er da beobachtet, erschüttert ihn zutiefst. Peter, der Sohn seiner Nachbarn, zieht wieder bei seinen Eltern ein. Sein "Peterle", der Junge, den er und seine Frau viele Jahre fast wie einen eigenen Sohn behandelten, ist zurück und sieht dazu noch ziemlich verwahrlost aus, denn "kurzes, filziges Bartgestrüpp" und ein Rücken mit "entzündeten Eiterpusteln" lassen Emil Schlimmes befürchten. Was hat Peter, den zweifachen Familienvater dazu getrieben, ohne Frau und  Kinder in sein Elternhaus zurückzukehren? Noch dazu so abgemagert und verwahrlost, dass Emil ihn kaum erkennt?

Bevor man endlich den Grund für Peters Rückkehr erfährt, bekommt man in vielen Rückblenden vorgekaut, wie Emil und Veronika Bub den Nachbarssohn kennen und lieben lernten. Fast millimetergenau sind diese Erinnerungen. Eine bürgerliche Milieustudie unter dem Mikroskop. Was hat das - gerne mal Hochprozentiges konsumierende - Ehepaar Bub vor oder nach seinen Affären mit ihrem Sonnenschein Peter erlebt?

Emil erinnert sich auf seinem Balkon sitzend an einen Tag im Jahr 1979, als in das Häuschen nebenan ein Ehepaar mit Kind einzog. Mit diesen "Spießern, wie sie im Buche standen" kann Emil vorerst nichts anfangen. Hajo und Clara, ein Arzt und seine Hamburger Gattin, sind ihm etwas zu etepetete. "Ein Lackaffe, Besserverdiener, der Pfeife rauchte und sich sofort überall zu schaffen machte." Emil und seiner Frau Veronika schwant Schlimmes. Vor allem als sie einen zehnjährigen Bengel durch den Garten rennen sehen. Ihre Ruhe scheint dahin. Aber, sieh an, Peter nimmt hoppla hopp die Herzen seiner neuen Nachbarn im Sturm ein. Dem kinderlosen Paar scheint mit Peter das verwehrte Kinderglück endlich ins Haus zu schneien. 

Fortan wechselt Peter zwischen seinem Elternhaus und den Bubs hin und her und lässt sich umschmeicheln. Emil, der ein begeisterter Mörike-Fan ist, zieht Peter mit seinen Geschichten über den Romantiker in seinen Bann und kann ihn fortan für dessen Werk begeistern. Nette Idee, aber bald nimmt auch die Mörike-Faszination von Emil übertriebene Formen an, wird zu feinmaschig in der Geschichte gearbeitet. Mörike und immer wieder Peter. Irgendwann fragt man sich: Ist das alles? Gibt es für diese Menschen, "die allesamt an ihm klebten wie an einem Fliegenpapier" nichts anderes? Wahrscheinlich begehrt Peter deshalb gegen den Mief dieser heilen schwäbischen Welt auf, die einen schon beim Lesen erstickt und siedelt als Erwachsener um in das Widerstands-Camp der Stuttgart 21-Gegner. Dass Peter dabei selbst zum Übervater seiner beiden Jungen wird und seine Frau sich völlig isoliert fühlt, ist zumindest eine konsequente Folge der Fliegenpapierliebe, die ihn formte.

Der Grund für den Zusammenbruch Peters samt Umzug zu den Eltern ist dann doch eher unspektakulär. Seine Frau ist mit den Kindern und dem Liebhaber nach Italien durchgebrannt. Eltern und Möchtegern-Eltern sind in heller Aufregung. Diese Übersorge um den erwachsenen Peter ist bald noch weniger zur ertragen als die übereifrigen Liebesbekundungen in seiner Kindheit. Dass man es hier auf beiden Seiten des Gartenzauns mit einer regelrechten Affenliebe zu tun hat, die sich durch das gesamte Werk zieht, ermüdet zusehends. Lediglich Mia, die abtrünnige Frau von Peter, ist in ihrer Zerrissenheit eine interessante Nebenerscheinung, die leider erst viel zu spät auftaucht.

Anna Katharina Hahn beschreibt akribisch jede Handlung und Beobachtung der Protagonisten und lässt dem Leser nicht den Hauch einer Chance, etwas Phantasie spielen zu lassen und eigene Bilder zu entwickeln. "Vom graugeriebenen Eichenparkett stiegen glühende Stäubchen auf. Die hängenden Köpfe seiner Schüler waren umgeben von flüssigen Metallströmen, Bronze, Gold, Schwarz. Sie rissen die Münder zum Gähnen auf, jeder Speichelfaden ein glitzernder Strang." Da gähnt man irgendwann mit. 

Hahn hält sich verliebt an Kleinigkeiten auf, obwohl man sich nur den Fortlauf der Handlung wünscht, die so dahin dümpelt. So ist vor allem der Mittelteil viel zu zäh geraten. Das Familiendrama entfaltet sich sehr langsam und läuft, wie man im letzten Drittel schon ahnt, auf ein tragisches Ende hinaus. Aber auch dieses Finale mit Paukenschlag vermag den bitteren Nachgeschmack eines zähflüssigen Familienromans mit zu viel Schwabenflair nicht mehr wegzuwischen. Gut´s Nächtle!

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