Die Frau im gepunkteten Kleid

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • München: DVA, 2012, Seiten: 240, Übersetzt: Andrea Ott
  • London: Little, Brown, 2008, Titel: 'The girl in the polka-dot dress', Originalsprache

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Romy Fölck
Nicht die Schüsse sind es, sondern die Figuren

Buch-Rezension von Romy Fölck Mai 2012

Nicht selten hat ein Autor die Idee zu einem neuen Roman aufgrund realer Geschehnisse. Für Beryl Bainbridge scheinen die tödlichen Schüsse auf den Präsidentschaftskandidaten Robert F. Kennedy am 4. März 1968 so nachhaltig gewesen zu sein, dass sie die Idee zu ihrem letzten Roman, vor dessen Vollendung sie im Juli 2010 verstarb, angefacht haben. Tatsachenberichten zufolge soll nach dem Attentat an "Bobby" Kennedy eine junge Frau im gepunkteten Kleid mit ihrem Begleiter die Feuertreppe des Ambassador-Hotels in Los Angeles hinunter gelaufen sein und gerufen haben: "Wir haben ihn erschossen!"

Mit diesem Roman legt die Grand Dame der englischen Nachkriegsliteratur ihre fiktive Version der Geschehnisse vor dem Kennedy-Attentat dar und gibt der "Frau im gepunkteten Kleid" nicht nur den Namen Rose, sondern auch einen ganz eigenwilligen Charakter.

Es ist die Zeit des Vietnamkrieges. Rassenunruhen sind in den USA an der Tagesordnung. Der zwielichtige Harold empfängt Rose am Flughafen, wo sie aus ihrer Heimat England ohne ein Rückflugticket anreist, um mit ihm nach Dr. Wheeler zu suchen, einer Figur, die für beide eine ganz eigene Rolle spielt. Für Rose scheint Dr. Wheeler in England, bevor er zurück nach Amerika ging, eine Art Vaterfigur gewesen zu sein. Oder vielleicht doch etwas mehr, ein älterer Liebhaber vielleicht? Harold, der seine Frau verloren hat, scheint Dr. Wheeler die Schuld an deren Tod zu geben. Will er sich an ihm rächen, wenn sie ihn finden? Führt er deshalb eine Pistole mit sich?

Bainbridge hat ein völlig gegensätzliches Paar geschaffen, das sich kaum kennt und dennoch tagelang in einem Wohnmobil zusammengepfercht durch Amerika tourt, auf der Suche nach diesem rätselhaften Dr. Wheeler. Harold, ein undurchsichtiger Ganove, dem man irgendwann alles zutraut und Rose, die etwas seltsame, naive und devote Engländerin, die kaum Geld in der Tasche hat und auf Harold angewiesen ist. Er bestimmt, wohin sie fahren, wo sie halten und wo sie nächtigen. Rose lässt es ohne Widerrede zu. Ist sie doch von ihm abhängig. Oder spielt sie die Naive nur? Harold ist bald mächtig von ihrer Einfältigkeit genervt. Da braut sich so einiges zusammen zwischen ihnen.

 "Wenn er vermeiden wollte, dass er ihr eine knallte, musste er sich vor Augen halten, dass er es mit einer Schwachsinnigen zu tun hatte."

Dass Rose sogar eine Vergewaltigung Harolds hinnimmt, um Dr. Wheeler zu finden, zeigt, dass sie entweder gelernt hat, Männern sexuell hörig zu sein, oder dass sie letztendlich alles tun würde, um den von ihr fast glorifizierten Dr. Wheeler zu finden.

Bainbridge hat die Charaktere fein ausgearbeitet und legt ihre Gegensätze gnadenlos offen. Dazu würzt sie den Plot mit einigen Unklarheiten, die während der Reise der beiden Spannung erzeugen und die Geschichte zum Ende hin mehr und mehr verdichten. Auch wenn das Paar unsympathisch ist und bleibt, man folgt ihm auf Schritt und Tritt, weil man wissen möchte, was es mit ihrer Suche auf sich hat.

Dennoch ist die Ankündigung des Verlages, die da lautet: "Wie Bonny und Clyde ziehen sie kreuz und quer durch ein von Rassenunruhen zerrüttetes Amerika, rechts und links türmen sich die Leichen…" mächtig übertrieben. Es ist kein Gangsterpaar, das wild um sich schießt, was wir da begleiten, sondern zwei seltsame Vögel, deren Weg nach Los Angeles führt, wo sich der mysteriöse Dr. Wheeler im Präsidentschaftsgefolge von Robert F. Kennedy befindet. So erwartet man letztlich doch mehr Action in der Handlung, obwohl doch gerade das bizarre Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren und der bissige Humor, mit denen sie oft sehr lakonisch von Bainbridge dargestellt werden, dieses Buch ausmachen. Diese Ankündigung hätte das Werk also gar nicht gebraucht und führt den Leser auf eine falsche Fährte. Das fulminante Ende, was man schließlich erwartet, gibt der Roman leider nicht her. Denn, wie schon erwähnt, starb die Autorin, bevor sie diesen Roman vollenden konnte, so dass die Geschichte an ihrem Schluss wie amputiert wirkt.

Dennoch: Dass Beryl Bainbridge, die mit ihren historischen Romanen vor allem in Großbritannien große Erfolge feierte, fünfmal für den Booker-Preis nominiert war und von Queen Elisabeth II im Jahr 2000 in den Adelsstand erhoben wurde, eine großartige Autorin war, die zwei herrlich eigenwillige Figuren geschaffen hat, konnte sie mit diesem, ihrem letzten Roman unzweifelhaft unter Beweis stellen.

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