Alles Zirkus

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • München: Hanser, 2012, Seiten: 219, Originalsprache

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Romy Fölck
Kopfmensch versus Bauchentscheider

Buch-Rezension von Romy Fölck Apr 2012

Wer denkt bei dem Titel "Alles Zirkus" nicht an diese tollpatschigen rothaarigen Gestalten mit weißen Gesichtern und knallroter Plastiknase? An Wagenburgen, Tierdressuren und Feuerspeier? Falsch gedacht, was dieses Buch angeht. Zum Glück!

Denn wenn man den Roman mit dem Clownskopf auf dem Cover aufgeschlagen und die ersten Seiten gelesen hat, wird man erleichtert feststellen, dass man nicht in einen Zirkusroman, sondern in die alltäglichen Szenen einer gut situierten Ehe geraten ist, die Brandt mit Witz und Verstand zu selektieren vermag.

Trixi und Walter sind viele Jahre verheiratet. Dennoch erscheinen sie in ihrem Miteinander nicht eingestaubt, was sicherlich daran liegt, dass sie so verschieden sind. Walter, der ehemalige Raketeningenieur und Kopfmensch und Trixi, Dokumentarfilmerin und Bauchentscheider, teilen sich mit Kater Bob eine schöne Wohnung und ein angenehmes Leben. Walter arbeitet mittlerweile als Werbefachmann in einer angesehenen Werbeagentur, während seine Frau, jedenfalls in seinen Augen, weiterhin ihren Jugendträumen hinterher jagt. Während die Wirtschaftskrise auch Walters Firma bedroht, will Trixi einen Film über einen verstorbenen Maler drehen, den kaum noch jemand kennt und für den sich so gar kein Produzent beim Fernsehen finden lässt. Aber Trixi bringt das nicht aus dem Konzept, sie hat ihren eigenen Kopf und vor allem viel Courage, woran es Walter fehlt. Schwach erscheint er, zu kopflastig, überarbeitet. Am liebsten würde man ihm mal eine Auszeit im Dschungelcamp verschreiben, damit er sich selbst wieder spürt.

Sie lieben sich und die Marotten des anderen. Das ist offensichtlich, aber noch ist nicht aller Tage Abend. Denn, wie nicht selten in Beziehungen, führen kleine Missverständnisse zu einer handfesten Krise. Walter sieht sich nachts in seinen Träumen als Clown und seltsamerweise bekommt er auch im Büro plötzlich Werbemails für Clownsbedarf zugeschickt. Er fühlt sich mehr und mehr zur Witzfigur verdammt, während Trixi ihr Ding durchzieht und ihn durch ihre Klarheit noch unsicherer macht.  Da wird ein alter Bekannter, ehemaliger Fremdenlegionär, der für ein paar Tage ins Gästezimmer einzieht, zum Brandbeschleuniger ihrer Spannungen und das Chaos ist perfekt.

Lars Brandt, einer von drei Söhnen von Willy Brandt, lebt als Schriftsteller, Filmemacher und Künstler in Bonn. Mit "Gold und Silber" legte er 2008 sein erstes belletristisches Werk vor, dem nun "Alles Zirkus" folgt.

Brandt schreibt locker und amüsant und vermag es, eine langjährige Ehe in den Zeiten der Wirtschaftskrise sehr kurzweilig aufzuarbeiten. Viel passiert nicht in diesem Roman, da läuft das Meiste in den Köpfen der Protagonisten ab. Dennoch schafft es Brandt, vor allem durch die Gegensätzlichkeit der beiden Hauptakteure, den Leser zu fesseln.

Denn schon nach den ersten Kapiteln hat man das Gefühl, die beiden wohnen nebenan. Walter, der schon lange keinen Kick mehr spürt, bei dem was er alltäglich in der Agentur macht; der an der Wirtschaftskrise verzweifelt, weil sie seinen Arbeitsplatz unsicher macht, den er eigentlich gar nicht mehr will. Demgegenüber Trixi, die mit Leidenschaft etwas tut, was eigentlich gar keiner kaufen will, die über dieser Arbeit aber einfach glücklich ist und die das Thema Wirtschaftskrise einen Dreck schert.

Welche Lebenseinstellung ist die Richtige? Der Leser wird es nicht erfahren zwischen diesen Seiten, aber er wird angeregt, sich mit dem nicht unbedeutenden Thema zwischen Existenzangst und Burnout zu beschäftigen: "Lebe ich um zu arbeiten oder arbeite ich um zu leben?

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