Haus der Löcher

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • London: Simon & Schuster, 2011, Titel: 'House of holes', Seiten: 262, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2012, Seiten: 316, Übersetzt: Eike Schönfeld

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Britta Höhne
Von kopfloser Liebe und anderen Kuriositäten

Buch-Rezension von Britta Höhne Mär 2012

Nach einer Vernissage stehen oft Personengrüppchen vor einem Kunstwerk. Sie diskutieren, philosophieren, schubladisieren. Gehen einen Schritt auf das Objekt zu, fünf zurück, sezieren Einzelteile gedanklich heraus, setzten alles wieder zusammen und fragen sich schließlich hilflos zurück gelassen: Was will uns der Künstler damit sagen? Auch zu Nicholson Baker möchte man gehen und ihn fragen: "Herr Baker, was soll dieses Buch?" Der gebürtige Amerikaner hat nach sieben Romanen und drei Sachbüchern einen Porno heraus gebracht, weil, wie er in einem Interview sagt, es für ihn vielleicht die letzte Gelegenheit ist, ein Buch über Sex zu schreiben. "Haus der Löcher" ist der Titel eines wirklich unterhaltsamen Romans. 

Die Geschichte, die aus vielen einzelnen zusammen gesetzt ist, beginnt skurril und liest sich zunächst wie ein handfester Thriller. Shandee findet einen abgetrennten Arm in einem Steinbruch. Der Arm allerdings scheint keineswegs seines Lebens beraubt, viel mehr ist er eigenständig – und das sehr intensiv – wie es scheint. Der Arm stammt von Dave. Der hat ihn hergegeben, um im Gegenzug einen größeren Penis zu erhalten. Den hat er bekommen, später den eigenen nebst Arm zurück und offensichtlich eine große Liebe: Shandee. 

Der Roman ist voller Absurditäten. Und über allem steht Lila, die dickliche, vollbusige Mutter des Löcherhauses. Sie weiß immer um Rat und kommt auch selber nie zu kurz. Dann nicht, als sie männliche Genitale befühlt und testet, um zu sehen, welcher Kategorie der jeweilige Träger einzuordnen ist. Lila ist es auch, die sexgierigen die Finger abtrennen lässt, Männer ohne Köpfe kreiert, Penis gegen Vagina tauscht und am Ende doch so liebenswürdig schrill wie eine fürsorgliche Puffmutter wirkt, die wirklich nur eines im Sinn hat: Ihr Umfeld befriedigt zu sehen.

Bakers Roman ist oft grob, um Liebe geht es selten, nur zwei drei Mal höchstens. Es geht ausschließlich um Körperlichkeiten, um Sex, um die wildesten Fantasien. So machen sich etwa die russischen Komponisten Alexander Borodin und Nikolai Rimski-Korsakow sachte an weiblichen Schenkeln zu schaffen, erregte Männer wünschen sich im Paradies des Sexes 24 nackte Frauen auf einmal, um schlussendlich von der Hausdirektorin erfahren zu müssen, dass für viele Männer schon zwei Frauen eine zu viel seien. Der Roman steckt nicht nur voller abgedrehter Erotik sondern auch voller Ironie. Ganz fein und vorsichtig angebracht. Besonders dann, wenn offensichtliche wahre Gefühle zum Vorschein kommen. Dann ist Baker Baker und schreibt wie Baker und die einfache Frage nach einem, "könnten wir uns vielleicht vorher noch ein wenig küssen?", wirkt zwischen all den akrobatischen Liebesakten fast schon deplatziert.

Hax Bestimmung ist es, den Menschen die Körperkunst zu nehmen, beziehungsweise die Natürlichkeit zurück zu geben. Jessica schämt sich ihrer alten Tätowierungen wegen. Hax soll sie ihr ablösen, auf magische Art versteht sich. Auf Jessicas Haut prangt eine Ansammlung von Bildern und Hax sagt: "Ja. Aber es ist eine Sammlung von etwas, was dich verbirgt. Es ist eine Form nicht nackt zu sein, wenn du nackt bist. Meine Aufgabe ist es , dich deiner Nacktheit zurückzugeben." Auch leicht Philosophisches weiß Baker zu Papier zu bringen. Und fragt sich dabei selbst, ob es einen schöneren Zeitvertreib als Sex gibt?

Kurzum: Das oben beschriebene Szenario bleibt offen. "Was will uns der Autor mit dieser Geschichte sagen." Nichts ist eine Antwort. Vielleicht wird immer zu viel über etwas diskutiert. Einfach lesen, eintauchen in die sexuell-überladene Baker-Welt, neue Wortspiele aufgreifen (Übersetzer Eike Schönfeld dürfte so manche schlaflose Nacht gehabt haben – der Sprache nicht des Inhalts wegen), erleben, das ein Porno keine Bilder braucht - außer geschriebene, zwischendurch vor Charme rot anlaufen, weiter lesen und feststellen: Es gibt noch sympathisch-durchgeknallte Autoren, die mit 54 Jahren offensichtlich riesig Spaß haben, ihr Umfeld zu verwirren. 

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