Der Mann danach

  • Knaur
  • Erschienen: Januar 2011
  • München: Knaur, 2011, Seiten: 334, Originalsprache
Der Mann danach
Der Mann danach
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Romy Fölck
85

Belletristik-Couch Rezension vonDez 2011

Heilsamer Voodoozauber

Die Idee des Buches ist amüsant und gut umgesetzt: Jonas, ein von der Liebe enttäuschter Maler sattelt nach seiner Trennung um und renoviert die Wohnungen frisch verlassener Frauen. Er ist der Mann, der nach dem Scheitern einer Beziehung mit frischer Farbe und kreativen Ideen den Schauplatz der Trennung aufmöbelt, ohne die Frauen in ihrem Schmerz zu stören. Vielmehr scheint seine zurückhaltende Art wie ein heilender Voodoozauber zu wirken, denn auch die Frauen sind verändert, wenn Jonas alias "Johnny” seine Arbeit in den Wohnungen beendet. Was keine seiner Kundinnen ahnt - auch Jonas wurde von seiner großen Liebe verlassen. Und er weiß, wie man mit dem Dämon "Verlassensein” umgeht.

 

Du bist derjenige, der ihre wunde Seele kühlt, wenn die Hitze des Kampfes vorbei ist”, hatte mein Boss mit theatralischem Pathos verkündet. "Du bist der Mann danach.”

 

Jonas´ Chef und bester Freund Cornelius, ein Halbchinese, seine Frau Marita, ihre beiden Töchter und die wilde Hündin Loui bilden für Jonas einen Familienersatz zu seiner verrückten Schwester, der Weltenbummlerin Sam, die ab und an Zuflucht auf seiner Couch sucht, bis sie wieder zu neuen Abenteuern aufbricht. Obwohl sein Kumpel Cornelius sich Jonas immer wieder zur Brust nimmt, endlich eine eigene Familie zu gründen, kann dieser sich nicht dafür erwärmen. Die Trennung von seiner ersten großen Liebe, der Künstlerin Lydia, die ihn in einer Nacht- und Nebelaktion verließ, sitzt wie ein entzündeter Stachel in seinem Herzen. Lieber hilft er verlassenen Frauen, als seine eigene Trennung aufzuarbeiten und sich für eine neue Liebe zu öffnen.

 

Eine der größten Unsitten unserer Zeit ist der Zwang zum Glück. Wehe, du bist nicht glücklich! Dann hast du etwas falsch gemacht. Und schon geht es ab zum Therapeuten. Alle Welt tut so, als wenn es nicht nur ein Recht auf Glück gäbe, sondern sogar eine Pflicht dazu. Stimmt aber nicht. Wenn ein Mensch sein Leben so lebt, dass es ihn unglücklich macht, ist das verdammt noch mal seine Entscheidung. Jeder Mensch hat das Recht auf sein eigenes Unglück.

 

Doch irgendwann kommt es, wie es kommen muss: alles ändert sich, als Jonas bei einem Auftrag die Architektin Hella kennen lernt, die schöne jedoch überaus distanzierte Freundin einer Kundin. Auch Hella ist frisch getrennt, was Jonas schnell spürt. Aber warum geht ihm gerade diese Frau nicht aus dem Sinn, im Gegensatz zu all den anderen allein lebenden Frauen? Ist es Hellas kühle Distanz, die ihn reizt oder ihre kleine quirlige Tochter Maja, die alsbald ein warmes Gefühl in ihm weckt, das er lange nicht mehr spürte - das Gefühl, für jemanden da sein zu wollen, sich zu öffnen und seinen eigenen Dämon tief in seinem Inneren zu vertreiben?

Hella ist es, die Jonas schließlich inspiriert, sich in einem alten Dachboden ein Atelier auszubauen und wieder mit dem Malen zu beginnen; der erste Schritt, den Dämon seiner Trennung zu besiegen. Doch so schnell ist kein Happy End in Sicht. Hellas übellauniger Ex-Mann taucht auf und treibt einen Keil zwischen die beiden. Und auch Lydia, die Jonas einst verließ, hat noch nicht ihr ganzes Pulver in seinem Leben verschossen.

Es entsteht bald ein Tohuwabohu an verzwickten Situationen und Missverständnissen, die das Leben von Jonas, Hella und Maya durcheinander wirbeln.

Man spürt den Zauber des Sommers, in dem die Geschichte spielt, in jeder Ritze des Buches. Der Autor zeichnet schöne lebendige Bilder, die in dieser kalten Jahreszeit eine Sehnsucht nach der Wärme, dem Licht und der Leichtigkeit der Sommermonate wecken.

 

An den Stämmen rankte sich dunkel der Efeu empor. Es hatte geregnet am Morgen. Die Luft roch frisch und erdig. Auf den Blättern glitzerten noch vereinzelt Wassertropfen im Licht. Es war ein Moment voll stiller Magie, und ich verlor mich ein wenig darin.

 

Jo Kramer hat den Roman im "Ich”-Stil geschrieben, so dass der Leser sofort in Jonas´ Gefühls- und Gedankenwelt katapultiert wird und sich schnell ein emotionales Band zu dem sympathischen Helden aufbaut. Der unkomplizierte Schreibstil passt zu Jonas und ist sicherlich für Frauen und Männer gleichermaßen angenehm zu lesen. Kein Mann sollte sich von dem pinkfarbenen Cover abschrecken lassen, sondern sollte bei diesem Roman beherzt zugreifen

Wer den Sommer vermisst, ein kurzweiliges Buch um den ewigen Kampf der Geschlechter sucht oder gern den Traum von der großen Liebe träumt, ist mit Jo Kramers Der Mann danach genau richtig beraten.

Und vielleicht wirkt Jonas´ alias "Johnnys” heilsamer Voodoozauber für frisch Getrennte ja auch außerhalb des Buches… wer weiß?

Der Mann danach

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