Die Filmerzählerin

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Santiago de Chile: Alfaguara, 2009, Titel: 'La contadora de películas ', Seiten: 118, Originalsprache
  • Berlin: Insel, 2011, Seiten: 104, Übersetzt: Svenja Becker

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Kathrin Plett
Lebendige Bilder

Buch-Rezension von Kathrin Plett Sep 2011

Auch wenn Hernán Rivera Letelier in Deutschland bisher ein eher unbekannter Autor ist, da erst zwei seiner Bücher ins Deutsche übersetzt wurden, gehört er doch zu den meistgelesenen spanisch schreibenden Autoren. 1951 in der Atacamawüste geboren und in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, musste er schon in jungen Jahren als Kumpel in den Minen arbeiten. Seine wenige Freizeit widmete er dem Lesen, indem er eifriger Nutzer der Werksbibliothek wurde. Ein Gedichtwettbewerb, bei dem er mit einem vierseitigen Liebesgedicht gewann, verhalf ihm schließlich zum Durchbruch.

Mit der Filmerzählerin gelingt es Letelier auf nur 100 Seiten, den Leser in seinen Bann zu ziehen und nimmt ihn mit in ein chilenisches Dorf, in eine Zeit, in der Kinobesuche noch etwas Besonderes waren und Begeisterung und eine Ehrfurcht hervorriefen.

Sein Roman erzählt die Geschichte der zehnjährigen María Margarita, die gleichzeitig Erzählerin des Romans und "Filmerzählerin" ist.

María wächst mit ihren älteren Brüdern und dem nach einem Arbeitsunfall gelähmten, trinkenden Vater in einem chilenischen Dorf auf in ärmlichen Verhältnissen auf. Das Geld ist knapp und die früher von der ganzen Familie geliebten Kinobesuche sind nicht mehr möglich, so dass der Vater María auswählt, die Filme anzusehen um sie anschießend der ganzen Familie nachzuerzählen. Dies gelingt ihr so überzeugend und lebendig, dass sich ihr Talent nach und nach im ganzen Dorf herumspricht und ihre Vorführungen mit der Zeit sogar zum Familienunterhalt beitragen. Doch das Schicksal meint es nicht gut. María, die inzwischen Privatvorführungen gibt, gerät an einen Mann, der mehr als eine Erzählung von ihr fordert und Marías Begeisterung und Freude am Erzählen bricht. Nach dem Tod des Vaters und dem Verlust der Brüder blickt sie auf ihr Leben zurück, wieder erzählend.

Letelier gelingt es, das Gefühl zu vermitteln, als spräche María den Leser direkt an, ziehe in ins Vertrauen und lasse ihn an ihren tiefsten Sehnsüchten, Ängsten und Gefühlen, aber auch an einer unbändigen Lebensfreude und ihrer Liebe zu den Menschen und Filmen teilhaben. Obwohl sie mit ihren zehn Jahren noch Kind ist, weiß sie um die Sorgen und Nöte der Familie. Sie hat verstanden, warum die Mutter den gelähmten, viele Jahre älteren Vater verlassen hat, weiß, dass es den Vater verletzt und traurig macht, wenn sie die eigentlich geliebte Mutter erwähnen würde. Ihre Ängste teilt sie mit dem Leser, der als ihre große Verletzbarkeit erfährt, ihre innere Zerrissenheit spürt.

Bereits zu Beginn des Romans wird deutlich, wie groß die Last Marías ist, die in ihrer rückblickenden Erzählung immer wieder vorgreift und sich selbst scheinbar zwingen muss, die Geschichte der Reihe nach zu erzählen. Sie kann es kaum erwarten, sich endlich mitzuteilen.

Letelier schreibt so lebendig, dass der Leser sich nach Chile versetzt fühlt. María gelingt, es ihre Zuhörer durch Worte in eine andere Welt zu entführen und die Bilder vom Kino in die Köpfe zu projizieren. Man leidet mit ihr, und bekommt den Drang, ihr helfen zu wollen, dem kleinen Mädchen, dass von anderen unbemerkt mit Sorgen und Ängsten lebt, nach außen jedoch den Schein wahren muss.

Leteliers Roman gibt Einblicke in die Seele eines kleinen Mädchens, das einerseits Traurigkeit, andererseits aber auch Achtung und Bewunderung erzeugt. Trotz oder gerade durch die Kürze des Romans entsteht eine schnörkellose Geschichte, die von der ersten bis zur letzten Seite absolut lesenswert ist. Es lässt sich hoffen, dass weitere Romane von Letelier ins Deutsche übersetzt werden!

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Letzte Kommentare:
14.04.2015 12:51:46
Carlotta

Dieses Buch habe ich an einem Sonntag in 3 Stunden gelesen.
Ich konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen.

Der chilenische Autor, der selber wegen eines Preisausschreibens Anfang der 1970er Jahre mit dem Schreiben begonnen hat, erzählt vom harten Leben in der Wüste und vom reinen Glück, das das Kino bedeutet. Ein Glück, das mit nichts vergleichbar ist und seine kleine Heldin zum Star der Gemeinschaft macht. Dass alles anders wird, als das Fernsehen einzieht, dass nicht nur die Filmerzählerin ihre Faszination verliert, sondern überhaupt die Menschen vereinsamen und verstummen, dafür braucht der Autor nur wenige Zeilen. Wie es ihm überhaupt gelingt, Glück und Unglück eines ganzen Frauenlebens in kurzen Momentaufnahmen zu bündeln.
Unbedingt lesen.

09.02.2012 20:37:06
Banon

Dieses kleine Buch ist ganz groß. Mit einer wunderbaren Leichtigkeit erzählt Letelier eine Geschichte die in ärmsten Verhältnissen spielt. Glück und Unglück sind sich immer ganz nahe. In ihrem Leben haben es die Minenarbeiter und ihre Familien schwer, doch sie finden trotzdem Dinge, die sie bewegen und die ihnen Freude bereiten. Diesen schwierigen Bedingungen trotzend, werden Freundschaften gepflegt, sich gegenseitig geholfen, soweit möglich. Letelier gelingt ein einfühlsamer Ton und er schafft es mit nur wenigen Sätzen diese Welt bildreich vor unseren Augen erscheinen zu lassen. Die Geschichte von Maria -der Filmerzählerin- und ihrer Familie ist eine kurzweilige Lektüre für einen Nachmittag.