Heimweh nach dem Ort, an dem ich bin

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2011, Seiten: 3, Übersetzt: Bernd Hölscher

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Rita Dell'Agnese
Du bist schön!

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Sep 2011

Zwiesprache mit einer Katze: Wie oft schon ist das Thema der sprechenden Katze für einen Roman bemüht worden. Mehr oder weniger erfolgreich. Bei Thommie Bayers Roman "Heimweh nach dem Ort, an dem ich bin" heißt die sprechende Katze Isso und hat einen Hang zur rationalen Philosophie. Und die Umsetzung gehört zu den wenigen, die nicht abgeschmackt wirken. Die erste Begegnung mit Isso erlebt der Erzähler – ein Schriftsteller, der sich mit einem Plagiatsvorwurf konfrontiert sieht und vor der öffentlichen Meinung geflüchtet ist – auf einem Spaziergang durch die beschauliche Gegend, in welcher er für ein paar Tage ein Ferienhaus als Rückzugsort angemietet hat. Der Schriftsteller – er bleibt namen- aber nicht konturenlos – wird von der weißen Katze mit grauem und schwarzem Fleck über den Augen angesprochen. Zwischen den beiden entbrennt ein Dialog, der nicht mehr abbricht und auf verschiedenste Ebenen ausgeweitet wird. Hier offenbart sich auch Bayers Verehrung, die er der Katze als Tier entgegen bringt. Die Beobachtungen von Issos Verhalten sind so liebevoll wie präzise und jeder Katzenhalter wird in den kleinen, oft belanglos wirkenden Details seinen eigenen Vierbeiner wiedererkennen. Müßig zu sagen, dass es genau diese Details sind, die dem an sich bezaubernden Roman die passende Würze verleihen.

Der Schriftsteller sieht sich nun also mit der sprechenden Katze konfrontiert und muss sich von ihr einen Spiegel vors Gesicht halten lassen. Isso ist gnadenlos direkt und eine Spur selbstgerecht – gerade diese Mischung braucht der Schriftsteller jedoch, um seinem Selbstmitleid zu entfliehen und sich seinen bösen Geistern zu stellen. Denn nicht nur der Plagiatsvorwurf wiegt schwer, auch die Vergangenheit hat dem Mann so manchen Schlag versetzt. Die heilende Wirkung kann Isso allerdings nicht alleine für sich reklamieren. Thommie Bayer hat dem einsamen Schriftsteller auch ein paar durchaus menschliche Nachbarn zur Seite gestellt. Vermieterin Carmen Selig etwa, die unvermittelt mit einer Flasche Wein auftaucht und fortan zu einer festen Größe im geruhsamen Alltag wird. Hier schafft Thommie Bayer, was nur sehr wenigen gelingt: Er baut einige durchaus erotische Szenen in den Roman ein, die jedoch weitab von jeglicher sexuellen Absicht liegen. Genau dadurch gewinnt die aufkeimende Freundschaft zwischen den Nachbarn auf Zeit enorm an Tiefe.

Zugegeben, Thommie Bayers Roman ist leichte Lektüre. Das hängt auch mit dem Sprachwitz zusammen, der hier formvollendet zum Ausdruck kommt. Es ist aber auch Folge der liebenswürdigen Art, in der sowohl Isso als auch Carmen Selig das Selbstmitleid als solches enttarnen und dem Schriftsteller dadurch die Möglichkeit geben, sich selber mit neuen Augen zu entdecken. Das mit feinen Pointen angereicherte Werk kann weder einen gerissenen Spannungsbogen aufweisen noch zeichnet es sich durch unerwartete Wendungen oder große Geheimnisse aus. Es ist schlicht und einfach eine bezaubernde Geschichte und lässt die Leser für einen Moment teilhaben an der heilen Welt, in die der Schriftsteller geraten ist, als er das kleine Ferienhaus irgendwo in den Weinbergen und Tabakfeldern gemietet hat. Die beschauliche Stille, das leise  Summen von Insekten, das Rauschen des Windes in den Bäumen und im Gras, das Mondlicht, das die Terrasse überflutet oder der kleine Teich mitten im Wald, der zum frühen Schwimmen einlädt: Alles an sich unspektakuläre wenngleich wohltuende Bilder, die Thommie Bayer da entstehen lässt. Und wenn der Schriftsteller nach langsamer Genesung seiner Seele zu Isso sagt: "Du bist schön!" so mag der Leser dazu nicken und dieses einfache wie treffende Kompliment dem ganzen Roman zuschreiben. Denn "Heimweh nach dem Ort, an dem ich bin", ist nichts anderes als ein Stück Unterhaltung, auf das die Worte hervorragend passen: "Du bist schön."

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