Film:
Downton Abbey

Film-Kritik von Stefanie Eckmann-Schmechta / Titel-Motiv: © 2019 Universal Pictures

Ein wunderschönes, unerwartetes Wiedersehen

Ich will es gleich zu Anfang zugeben; ich bin nicht vollkommen unvoreingenommen in den Film gegangen. Ganz und gar nicht. Und wer, wie ich, die Serie Downton Abbey geradezu verschlungen hat, war sicherlich ebenso traurig, als mit der letzten Folge der Vorhang fiel. Damals hieß es für immer. Das war es also, das Ende; keine neuen Geschichten mehr, keinen einzigen Schlagabtausch in Mrs. Patmores Küche, nie wieder Tee in der Bibliothek mit schlafendem Retreiver auf dem Teppich – und auch kein weiteres der rauschenden Feste in der ehrwürdigen Halle von Downton.

Das musste erstmal verkraftet werden. Am ehesten dadurch, dass man  die ganze Serie noch einmal von vorn ansieht. Da bin ich sicherlich nicht die einzige. Umso größer war natürlich die Freude, als die Neuigkeit die Runde machte, dass ein Film von Downton Abbey in die Kinos kommen soll und ich habe diesem Wiedersehen entgegengefiebert. Es war, als würde man zu alten Freunden aus einer glücklichen Zeit zurückkehren. Wir haben schließlich so manche gemeinsame Erinnerung.

Im Zentrum, nach wie vor, das ehrwürdige Downton Abbey, im wirklichen Leben das „Highclere-Castle“. Als es sich wieder herrschaftlich aus der Landschaft erhebt, möchte man vor Freude am die Arme in die Luft werfen. Ich habe mich jedenfalls nicht ganz zurückgehalten. Der Beginn des  Films erinnerte mich an die erste Folge der Serie, mit dem alles begann: Ein Telegramm, ein Zug, der Postbote; dieses Mal bringt er jedoch frohe Kunde eilig nach Downton.  Diese löst bereits bei den Bediensteten große Aufregung aus. Ist doch der Absender niemand geringerer als der der Buckingham Palace. Der König kündigt seinen Besuch auf Downton an und ehe wir es uns versehen, steht das ganze Haus Kopf.

Noch feingeschliffener, noch berauschendere Bilder und Details

Bereits die Serie zeichnet sich durch die große Liebe zum Detail aus. Das gilt für die Settings, die wunderschönen, stimmungsvollen Aufnahmen, die Musik, die Ausstattung und in besonderem Maße für die Schauspieler. Zusammen mit den geschliffenen Dialogen eine rundum perfekte Mischung, die ihre ganz besondere Faszination ausübt. Das Geheimrezept liegt ohne Frage auch in dem hohen Unterhaltungswert der einzelnen Geschichten mit seinem großen Überbau. Das Verbinden der einzelnen Handlungsstränge mündet auch hier wieder in atemlose Spannung, kleinen und großen Dramen, gewürzt mit jeder Menge Intrigen im Verborgenen. Ganz nach dem Motto: Der gute Zweck heiligt die Mittel.

Zusammen mit dem besonderen Humor ist Downton Abbey keine komplizierte oder gestelzte Angelegenheit – denn die Noblesse, die hier vorgetragen wird, ist auch immer wieder mit einer kleinen Prise Ironie versehen – sondern etwas, mit dem man in die Zeit zurück reisen und damit ganz und gar in die Geschichte – im doppelten Sinne – eintauchen kann.

Regisseur Michael Engler und das Produktionsteam haben es  tatsächlich geschafft, noch eine Schippe draufzulegen und auch die Schauspieler überzeugen in ihrem Spiel umso mehr. Es sind viele kleine Gesten und Eigenheiten dazu gekommen. Ganz wie im wahren Leben haben sie sich verändert, ein wenig. So, wie das Leben einen Menschen nun einmal reifen lässt. Wie zum Beispiel den sonst etwas linkisch wirkenden Barrow (Rob James-Collier), der hier als ein selbstbewusster, smarter und gutaussehender Mann auftritt der, obwohl immer noch auf der Suche, seine Prinzipien hat.  

Wie so oft hat Julian Fellowes (Drehbuch und Produktion) es auf einigermaßen elegante Weise gelöst, wenn die Vorgeschichte nicht ganz zu dem gewünschten Verlauf passt. Konkret musste er sich etwas einfallen lassen, wie er für uns den bereits in Rente geschickten Carson (Jim Carter) zurück holt und Barrow kurz aufs Abstellgleis befördert. Das wirkt zu Anfang etwas „hopplahopp“, wird aber im Verlauf gut auserzählt.

Denn anders als bei der Serie ist bei dem Film nicht so viel Zeit, die eigentliche Bühne, auf dem das ganze „Drama“ stattfinden soll, in aller Ruhe vorzubereiten. Diesmal müssen wir schneller auf den Stand gebracht werden. Was am Anfang ungewohnt übereilt wirkt, wird dann zusehends ruhiger und die Geschichte entfaltet sich im Verlauf sehr unterhaltsam und stimmungsvoll.

Stand up for Oneself, oder sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen

Obwohl sich jeder weiterentwickelt hat,  haben alle noch ihre tyischen Macken: Daisy (Sophie McShera) will immer noch die Republik ausrufen, Mrs. Patmore (Lesley Nicol) regiert weiterhin mit harter aber mütterlicher Entschlossenheit, Carson verlässt nicht mal um einen Inch seine Prinzipien – schon gar nicht wenn der König persönlich zu Besuch ist - und die ehemalige Mrs. Hughes (Phyllis Logan) versucht, den ganzen Haufen zu bändigen. Doch schon bald werden Prinzipien, Anstand und gut eingespielte Arbeitsabläufe über den Haufen geworfen, denn der königliche Besuch bringt unerwartete Probleme mit sich. Eigentlich keine, wenn sich die Leute von Downton zurück halten würden, wie der Hofstaat des Königs es verlangt; doch unsere Helden „Downstairs“ sind aus einem anderen Holz geschnitzt und lassen sich nicht so einfach an die Seite schieben. Denn nicht nur bei Molesley (Kevin Doyle) ist die Freude übergroß, das ganze Dorf ist kurz vorm glückseligen Durchdrehen.

Stille Helden

Bei der Familie versucht man es mit Fassung zu nehmen, doch auch in ihnen entsteht eine Mischung aus Aufregung und unguten Vorahnungen. Nicht zuletzt wird auch Lady Violets Cousine Maud (Imelda Staunton) mit dem königlichen Paar erwartet und da ist noch das eine oder andere Scharmützel zu befürchten. Geht es doch um das Erbe der Familie, das Lady Violet (Maggie Smith) keinesfalls kampflos aufgeben will. Auch Tom (Allen Leech), der ehemalige Chauffeur und Schwiegersohn, hat seine großen Auftritte – nein, ich will nicht zu viel verraten. Das große Plus ist das subtile Zusammenspiel, verbunden mit klugem Strippenziehen im Hintergrund, das immer wieder zu Überraschungen führt – und auch dazu, dass sich manche Probleme wieder einmal in Luft auflösen.

Für einen Zuschauer, der die Serie gar nicht kennt, ist es natürlich nicht das gleiche wie für einen Fan. Aber es ist nicht so, dass man nicht verstehen würde, worum es geht – es fehlen nur sehr viele „Erinnerungen“ bzw. Informationen, die den Fans natürlich eine emotionale und dramaturgische Tiefe geben, die der vollkommen kenntnislose Zuschauer nicht hat. Für diesen könnte der Film etwas oberflächlich wirken – es könnte aber auch der Anreiz sein, sich nun doch komplett auf die Serie einzulassen, um all die Hintergründe zu erfahren.

Nach den hervorragenden Einspielzahlen der ersten Tage hoffe ich sehr, dass es mit Downton Abbey auch noch einen zweiten Kinofilm geben wird. Ich wäre auf jeden Fall dabei und freue mich schon auf ein weiteres Wiedersehen!

Fazit:

Downton Abbey einmal auf so großer Leinwand zu sehen, ist ein großes Vergnügen. Und nicht nur das: Wieder haben die Macher dieser Ausnahmeserie es geschafft, alles einzubringen, wofür Downton so geliebt wird. Hier wird jeder Fan glücklich, wage ich zu behaupten, denn an kleinen Scharmützeln, großen Dramen, unerwarteten Begegnungen und emotionalen Momenten wird alles geboten, was das Herz, das Auge und das Ohr begehrt.

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